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Am 1. Mai starten die Wasserspiele in Kassel. Bis zu 4000 Menschen werden dann wieder den Bergpark Wilhelmshöhe besuchen. Gute Nachricht: Der Probelauf hat ohne größere Probleme funktioniert.
Als Rüdiger und Christine Krenkewitz zu ihrem Bergpark-Besuch aufbrechen, rechnen sie nicht damit, auf Höhe der Kaskaden eine plötzliche Erfrischung durch kleine Wasserspritzer abzubekommen. Das Ehepaar aus Halle (Saale) wollte schon lange einen Kurztrip nach Kassel unternehmen. Dass es ausgerechnet den unangekündigten Probelauf der Wasserspiele abpasst – ein echter, glücklicher Zufall.
Jedes Jahr lockt die spektakuläre Inszenierung, die seit Landgraf-Zeiten nach dem gleichen Prinzip ohne elektrische Unterstützung funktioniert, beim Auftakt am 1. Mai zwischen 2000 und 4000 Gäste an. Und auch die regelmäßigen Folgetermine sorgen immer wieder für einen rappelvollen Bergpark. Übermorgen ist es wieder so weit.
Dafür sind aber einige Vorbereitungen nötig. Kleine Reparaturen an der alten Mechanik, die per Schieber und Dreher an den verschiedenen Stationen in Gang gesetzt wird, hat die Arbeitsgruppe Wasserkünste bereits in den vergangenen Wochen erledigt. Wassermeister Philipp Heußner hat alles im Blick.
Den Probelauf am vergangenen Mittwochmittag beäugt er ganz genau und macht sich währenddessen Notizen. Zur Arbeitsgruppe gehört auch Fiona Erhardt, die zurzeit ein freiwilliges Jahr bei der HKH absolviert. Sie darf diesmal den ersten Schieber auf Höhe des Herkules betätigen. Wenig später läuft das Wasser die Kaskaden herunter, nicht ohne staunende Blicke und das eine oder andere freudige „Oh“ der Besucher, die gerade die Treppenstufen hochsteigen.
Ein bisschen Übung gehört dazu
„Eigentlich läuft alles nach Plan“, sagt Heußner am Neptunsbassin. „Alles, was jetzt noch gemacht werden muss, sind kleinere Einstellungssachen.“ Das bestätigen auch seine Kollegen Florian Köller und Daniel Metje. Sie gehören zum sechsköpfigen Team und werden am 1. Mai jeweils Schieber und Dreher bedienen. Technisch sei das zwar alles kein Hexenwerk, sagt Heußner. Ein wenig Übung gehöre aber schon dazu. Vor allem unten an der großen Fontäne. Sie wird unter anderem mit einer Kette bedient. Außerdem müsse man zuvor ein Schloss öffnen. „Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, war ich auch aufgeregt“, erinnert sich Heußner. Wenn Tausende Menschen zusehen, herrsche eben schon ein gewisser Druck. Man kennt es: Jedes Mal warten alle gespannt auf den großen Abschluss.
Bevor es dorthin geht, folgen aber erst noch andere Stationen. Am Steinhöfer Wasserfall schaut der 32-jährige Wassermeister noch einmal ganz genau hin. Die Spaziergänger, die hier zufällig vorbeigekommen sind und gerne eine kleine Pause einlegen, scheinen höchst zufrieden mit den Wassermassen, die sich von links nach rechts an der historischen Tuffsteinwand ihren Weg suchen. „Nee, nee“, sagt Philipp Heußner und schüttelt den Kopf. „Hier müssen wir fast jedes Jahr beim Probelauf noch mal nachjustieren.“
Er zeigt auf einen Bereich, an dem zu wenig Wasser herunterkommt. All das sei mittels kleiner Feinarbeiten an der Mechanik zu lösen. Ein positiver Nebeneffekt des Probelaufs sei, dass alles mal wieder nach dem Winter gründlich durchgespült werde. Tatsächlich – am Steinhöfer Wasserfall ist das Wasser teilweise bräunlich gefärbt.
Immer wieder wird der Wassermeister am Mittwochnachmittag angesprochen. Manche Besucher haben auch Fragen. Eine der beliebtesten, das sagte Heußner bereits im vergangenen Jahr, sei die nach dem Wiederhochpumpen des Wassers im Anschluss der Vorstellung. Heußner antworte dann immer: „Gar nicht.“ Das Wasser fließt nämlich ab in Richtung Fulda. Beim nächsten Mal speise man es wieder aus den bestehenden Reservoirs – unter anderem auch aus dem Sichelbach. Viele andere Spaziergänger freuen sich einfach nur auf den Startschuss am Donnerstag. Dann – so viel steht fest – wird im Bergpark deutlich mehr Andrang herrschen. Wer den ersten Schieber betätigt, darf ruhig ein bisschen aufgeregt sein. (Daria Neu)
Los geht es immer am Herkules
Vom 1. Mai bis 3. Oktober funktionieren die Wasserspiele nach dem gleichen Prinzip – und zwar schon seit mehr als 300 Jahren. 750 Kubikmeter Wasser durchlaufen bei jeder Vorstellung mittwochs und sonntags sowie an hessischen Feiertagen allein durch natürlichen Druck alle Stationen. So ist der Ablauf: Um 14.30 Uhr geht es an den Kaskaden unterhalb des Herkules los. Um 15.05 Uhr läuft das Wasser dann am Steinhöfer Wasserfall. An der Station Teufelsbrücke sind die Besucher gegen 15.20 Uhr. Es folgt das Aquädukt um 15.30 Uhr. Von 15.45 Uhr bis circa 16 Uhr ist die große Fontäne zu sehen. Auch die beleuchteten Wasserspiele sind dieses Jahr wieder geplant – und zwar am Samstag, 17. Mai, sowie am Freitag, 12., und Samstag, 13. September. Beginn ist dann jeweils um 21.45 Uhr.



