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Zwar sind die Schäden des Unwetters am Ruruhaus geringer als zunächst gedacht, dennoch sind die Kosten für die Stadt hoch.
Kassel – Keine Beschlussempfehlung an die Stadtverordneten, aber konkrete Angaben zu Schäden und Kosten sowie ein Bekenntnis zur Sanierung und künftigen kulturellen Nutzung: So lassen sich die wichtigsten Ergebnisse der Sondersitzung des Kasseler Finanzausschusses zum Ruruhaus in Kassel zusammenfassen.
Kassel: Wasserschaden verursacht hohe Kosten im Ruruhaus
Noch etwas ist nach der von der Linken-Fraktion beantragten Sitzung am Mittwochabend festzuhalten – dass es sich beim Ruruhaus um keinen Totalschaden handelt. Und schon gar nicht um einen, den das Unwetter am 22. Juni in Kassel an dem Gebäude an der Ecke Treppenstraße/Obere Königstraße angerichtet hat.
Der erhebliche Erneuerungs- und Sanierungsbedarf in dem denkmalgeschützten Geschäftshaus (ehemals Sportarena) aus dem Jahr 1950 ist schon länger bekannt. Was die Folgen des Unwetters betrifft, hatte sich das nach der ersten Stellungnahme von Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) in der Juli-Sitzung der Stadtverordneten noch anders angehört. Nolda hatte angesichts der schlechten Bausubstanz und der aktuellen Schäden die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt sinnvoll sei, das Gebäude instandzusetzen, solange nicht klar sei, wie es genutzt werden solle.
Wasserschaden am Ruruhaus in Kassel kostet etwa 135 000 Euro
In der Sondersitzung sind dazu nun Zahlen genannt worden. Nach gemeinsamer Beantwortung der Linken-Anfrage durch Liegenschaftsamt, Kämmerei, Rechtsamt sowie Amt für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung der Stadt belaufen sich die Schäden im Ruruhaus durch das Unwetter auf rund 135 000 Euro.
Weil Wasser eindrang, ist mit Kosten von rund 25 000 Euro für Trocknungsmaßnahmen, 48 000 Euro für den Abbruch von Bodenbelägen, 53 000 Euro für Estriche und 12 000 Euro für Trockenbauwände zu rechnen. Auf Nachfrage schätzte Axel Jäger, der Leiter des Amtes für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung, den durch das Unwetter entstandenen Mehrschaden am Ruruhaus auf „vielleicht 200 000 Euro“.
Um das Ruruhaus wieder nutzen zu können, wird die Stadt deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Die Kosten dafür werden auf mindestens 1,2 Millionen Euro geschätzt, ohne dass dabei Verbesserungen etwa zur Nutzung von Räumen für Veranstaltungen oder Ausstellungen berücksichtigt sind. „Das Haus ist am Ende seiner Nutzungszeit, da Jahrzehnte lang nur das Allernötigste investiert wurde“, hieß es zum baulichen Zustand.
Stadt Kassel muss für die Sanierung des Ruruhaus viel Geld in die Hand nehmen
Laut Schätzung sind 340 000 Euro für die Wiederherstellung der Bodenbeläge und Estriche sowie rund 175 000 Euro für Trockenbauwände, Maler- und Putzarbeiten zu erwarten. Mindestens 300 000 Euro wird die unabdingbare Erneuerung der Lüftungsanlage kosten, weitere 200 000 die Heizungsinstallation. 150 000 Euro sind für die Erneuerung der abgängigen Brandmeldeanlage und Sicherheitsbeleuchtung sowie rund 50 000 Euro für die Erneuerung des ebenfalls abgängigen Trinkwassernetzes vorzusehen.
„Das ist ein relativ überschaubarer Schaden“, meinte Eva Koch (Grüne) zu den Folgen des Unwetters im Ruruhaus. „Ich bin ein stück weit erleichtert“, sagte auch Wolfgang Decker (SPD). Als die Stadtverordneten im November 2021 die Übernahme des Gebäudes per Erbbaupachtvertrag beschlossen hätten, sei allen klar gewesen, dass vieles umgebaut werden müsse, um es nutzen zu können. Für die Sanierung und künftige Nutzung müsse daher schnellstmöglich ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, forderte der Sozialdemokrat in Richtung des auch für die Kultur zuständigen neuen Oberbürgermeisters Sven Schoeller (Grüne).
Der Beschluss zur Übernahme des Gebäudes durch die Stadt habe im Kontext einer Nutzung für kulturelle Zwecke gestanden. „Daran soll festgehalten werden“, sagte OB Schoeller. Man sei bemüht, dafür ein Konzept aufzustellen. „Ich kann aber noch keinen Termin nennen“, so Schoeller in Richtung von SPD-Mann Decker. Auf Antrag von Grünen-Fraktionschef Steffen Müller und mit den Stimmen der Jamaika-Koalitionspartner CDU und FDP sowie denen der SPD wurde in der Sitzung der Linken-Antrag zum Ruruhaus abgesetzt.
Keine Heizung im Ruruhaus in Kassel
Mit ihm sollten die Stadtverordneten unter anderem beschließen, dass das Gebäude möglichst bald und in größtmöglichen Umfang wieder für eine öffentliche, kulturelle Nutzung zur Verfügung steht. Daraus wird auf absehbare Zeit nichts werden können. Geplante Kulturveranstaltungen wurden wegen der Unwetterschäden bereits abgesagt. Für eine baldige Wieder- oder Zwischennutzung stehen die Chancen auch mit Blick auf die kältere Jahreszeit schlecht.
Die Lüftungsanlage, in der unter anderem asbesthaltige Brandschutzklappen verbaut worden seien, könne nicht mehr in Betrieb genommen werden, stellte Amtsleiter Jäger klar. „Es gibt also in dem Gebäude auch keine Heizung mehr.“ (Andreas Hermann)
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