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In Frankfurt bieten immer mehr Läden Selbstbedienungskassen an. Einkäufe gehen so oft schneller, aber nicht immer einfacher.
Frankfurt – Schnell rein und wieder raus. An der Kassenschlange vorbei und einfach selbst den Scanner in die Hand nehmen. Das ist Realität in vielen Einzelhandelsketten in Frankfurt. Ebenfalls in einigen Fastfood-Ketten laufen Bestellung und Bezahlung mittlerweile fast ausschließlich über große Bildschirme, die der Kunde selbst bedient.
Aber werden für die sogenannten „Self-Check-out“-Kassen (SCO) nicht Mitarbeiter „wegrationalisiert“? Nein, sagen einige Handelsketten, die solche Kassen anbieten. Darunter die Rewe-Gruppe, zu der unter anderem Penny und Toom gehören, die Drogerieketten Rossmann und dm sowie die Baumarktkette OBI. Sie alle betonen: Es werde kein Personal eingespart, sondern an anderen Stellen eingesetzt.
Self-Check-Out Kassen in Frankfurt: Mehr Mitarbeiter dort, wo sie wirklich gebraucht werden
„Wir konnten unsere Kräfte noch mal mehr bündeln“, sagt Semi Bourigua, Marktleiter des Toom-Baumarkts neben dem Griesheim-Center an der Mainzer Landstraße. Seit zwei Monaten erst gibt es dort neben den drei regulären vier SCO-Kassen. Bei dreien ist nur Kartenzahlung möglich. An einer mittels Münzautomat auch Barzahlung.
Seit der Einführung des neuen Kassenbereichs kann Marktleiter Bourigua mehr Mitarbeiter in der Kundenberatung und an der Infotheke einsetzen, wo Rückgaben und Reklamationen abgewickelt werden. „Ich habe erstmal große Sorgen gehabt“, sagt Bourigua. Vor allem, wie seine Kundschaft auf die Veränderung reagieren würde. „Aber wir haben es gut hinbekommen.“ Er selbst habe schon einmal ratlos vor dem Bildschirm einer Fastfood-Kette gestanden. Mit der Gewohnheit kam die Sicherheit.
Im Frankfurter Supermarkt: Selbst kassieren mit Hilfestellung und Smartphone
Kassenleiter Carsten Strutz hat an diesem Mittag die Aufsicht über die Selbstbedienungskassen. „Sie können auch bei uns zahlen!“, ruft er Kunden aus der Warteschlange zu den SCO-Kassen. Prompt geht Moritz Rausch rüber zu den Kassenterminals. Innerhalb weniger Minuten hat er seinen Bon in der Hand – der 24-Jährige hat es eilig. Er hat schon oft selbst den Scanner geschwungen, um Zeit zu sparen. „Ich habe gute Erfahrungen gemacht“, sagt er, „auch wenn manchmal ein Gerät hängt und erst ein Mitarbeiter kommen muss“.
Andere sind nicht so schnell und noch nicht mit der Bedienung vertraut. „Ich habe einen guten Blick entwickelt, wer schon sicher ist und wer Hilfe braucht“, sagt Carsten Strutz. An diesem ruhigen Mittag übernimmt er auch mal das Scannen und leitet seine Kunden durch den Bezahlvorgang.
„Es ist etwas Fortschrittliches“, sagt Niko Föller, der 74-Jährige scannt seine Einkäufe öfters selbst. „Die Wartezeit ist kürzer“, sagt er und würde sich wünschen, dass das Angebot ausgeweitet wird. Selbst das sogenannte „Scan & Go“, das es bereits in einigen Geschäften gibt, ist ihm ein Begriff. Dabei handelt es sich um eine erweiterte Variante des Selbstkassierens mithilfe des Smartphones: Kunden können ihre Einkäufe bereits einscannen, wenn sie diese in den Einkaufswagen legen. Am Schluss muss nur noch an der SCO-Kasse bezahlt werden. Ab Ende des Jahres gibt es das auch in Bouriguas Toom-Filiale.
Kommentar: Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten
Auch wenn Traditionalisten sagen: Das brauche ich nicht! - für den raschen Einkauf der Smartphone-Generation sind die Selbstzahlkassen nicht mehr wegzudenken. Für ein schnelles Getränk oder einen kleinen Imbiss kurz in den Markt und (fast) genauso schnell wieder raus. Fast-Food-Ketten haben es vorgemacht, dort gehören die SB-Terminals schon seit längerer Zeit zum normalen Bestellvorgang. Kaum jemand gibt dort seine Bestellung noch beim Personal auf, weitere Geschäfte werden nachziehen. Das Gute daran: Wer es nicht mitmachen will – oder kann – muss es nicht. In den Verbrauchermärkten gibt es nach wie vor die Kassen, an denen Menschen aus Fleisch und Blut sitzen. Zudem hakt es das eine oder andere Mal an den digitalen Kassen, zumeist, wenn die Kunden falsch reagieren oder – alles schon erlebt – irgendetwas zweimal gescannt haben und einfach zu einem anderen Terminal gehen. Der nächste Kunde muss dann erst einmal das Personal rufen. Ebenso aus Gründen des Jugendschutzes, etwa bei alkoholischen Getränken. Verbesserungspotenzial ist also noch reichlich vorhanden, aber der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. (Sören Rabe)
Kunden haben weniger Stress beim Einpacken an Selbstbedienungskassen und sind trotzdem schneller
Etwas hektischer geht es in der Tegut-Filiale an der Konstablerwache zu. Gerade in der Mittagszeit werden die SCO-Kassen häufig benutzt, erzählt Marktleiter Niklas Krug. „Schnell was auf die Hand zum Essen, noch ein kaltes Getränk dazu und dann wieder raus.“ Wegen der zentralen Lage an der Zeil hat die Filiale einen hohen Durchlauf: rund 25 000 Kunden jede Woche.
Charlotte Jäger hat selbst ihren größeren Einkauf an der SCO-Kasse erledigt. „Ich habe das Gefühl, mehr Zeit zum Einpacken zu haben und dadurch weniger Stress“, sagt die 50-Jährige, nach ihr scannt eine junge Frau eine Flasche Sekt ein. Das grüne Lämpchen am Bildschirm springt auf Rot. Security-Mann Ali Al-Jassani (28), der immer einen Blick auf den Kassenbereich hat, gibt Niklas Krug ein Handzeichen. Dieser eilt herbei und schaltet den Bildschirm wieder frei. Für die Altersprüfung, etwa beim Kauf von Alkohol, braucht es immer noch einen Mitarbeiter.
Auch Ali Al-Jassani hilft, wenn es Probleme an den SCO-Kassen gibt. Er ist aber auch dafür verantwortlich, Diebstahl aufzudecken. „Das ist ein Riesenthema“, sagt Niklas Krug, „der Diebstahl in dieser Filiale ist sehr hoch.“ Genaue Zahlen möchte er nicht nennen. Laut der Rewe-Gruppe gibt es in den Filialen keinen Anstieg der Diebstähle seit Einführung der SCO-Kassen. Obi, Rossmann und dm wollen sich nicht zum Thema Diebstahl äußern.
Die Kunden jedoch, die ehrlich mit ihren Einkäufen umgehen, haben mitunter viel zu tun. Insbesondere beim Einkauf von unverpacktem Obst und Gemüse. Denn das muss zuvor gewogen werden, erklärt Tegut-Martkleiter Krug. Auf dem Bildschirm ein Produktkatalog: Da den richtigen Artikel zu finden, ist teils nicht so leicht, denn oft gibt es verschiedene Sorten und Bio-Siegel.
„Mir ist persönlich wichtig, dass die Kunden eine Wahlmöglichkeit haben“, betont Semi Bourigua. „Wenn sich jemand mit den SCO-Kassen nicht wohlfühlt, hat er immer die Möglichkeit, zum Kassierer zu gehen.“ Und die wird es weiterhin geben – sagt auch Niklas Krug. „Die wenigsten werden ihren Wocheneinkauf auf so einer kleinen SCO-Kasse scannen wollen.“ (Sascha Müller)
Rubriklistenbild: © Enrico Sauda

