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So war die Stimmung am Montag (28. Oktober) zur Betriebsratsinfo am VW-Werk in Baunatal (Kreis Kassel). Über 8000 Mitarbeiter waren dabei.
Kassel/Baunatal – „Wir werden in der Luft hängen gelassen – ohne Informationen“, sagt ein Mitarbeiter der Instandhaltung bei VW in Baunatal (Kreis Kassel) unmittelbar nach der Betriesbratsinfo am Montag (28. Oktober).
Er war einer von über 8000 Beschäftigten, die sich am Standort über die laufenden Gespräche zwischen Gewerkschaft und Konzernspitze informieren wollten. Der Betriebsrat hatte unter dem Motto „Es ist kurz vor zwölf“ zu der Kundgebung vor dem Nordrandbau in Baunatal aufgerufen. Eine Kollegin des Mannes antwortet auf die Frage, wie die Stimmung sei, knapp so: „Schlecht.“ Dann geht sie durch das Werkstor.
„Wir werden in der Luft hängen gelassen“ – Stimmungsbild am VW-Werk Baunatal am Montag
Eines wird an diesem späten Oktobertag deutlich: Die Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand auf der einen Seite und Betriebsrat und Gewerkschaft auf der anderen hat eine neue Stufe erreicht. Der Ton ist rauer geworden seitens der Arbeitnehmervertretung. Die Stimmung ist zunehmend aufgeheizt.
Es wird deutlich: Es steht ernst um Volkswagen. Alle Standorte müssten mit einer Schließung rechnen, betont Betriebsratschef Carsten Büchling. Keine Abteilung, kein Arbeitsplatz sei sicher. Den Zuspruch der Kollegen an diesem Montag wertet er als „starkes Signal der Solidarität“.
VW-Werk in Baunatal: Stimmung zwischen „Keine Angst“ bis „Niemand kann sich noch sicher fühlen“
Neben Werkschließungen gehe es dem Vorstand um noch mehr, so der Betriebsrat. „Er will sich zusätzlich von ganzen Abteilungen und Bereichen trennen. Und die dortige Arbeit ins Ausland verlagern oder sie gleich ganz extern vergeben.“ Büchlings Fazit: „Niemand von uns kann sich hier noch sicher fühlen.“
Der Betriebsratsvorsitzende schießt mit Begriffen wie „Vorstandsversagen“ und „Frechheit“ gegen die Konzernspitze. Da hallen immer wieder Trommelschläge, Pfiffe und Applaus entlang der langen Nordfassade des Baunataler Werkes. Tausende hören den über Lautsprecher verteilten Worte zu. Teilweise ist es während der halbstündigen, engagierten Rede des Betriebsrates aber auch ruhig, fast bedächtig.
Betriebsratsvorsitzender in Baunatal spricht von „Vorstandsversagen“ bei Volkswagen
Es scheint zumindest phasenweise so, als kämen manche Mitarbeiter mit der neuen Situation, mit Ängsten und Verunsicherung, am Vorzeigestandort Kassel nicht so richtig zurecht. Da, wo in den vergangenen Jahren häufig Erfolgsmeldungen verkündet wurden, ist plötzlich von Schließung und Massenkündigung die Rede.
Lauter wird es wieder, als sich Carsten Büchling direkt an das Management richtet: „Legen Sie sich nicht mit dieser starken Belegschaft an“, ruft er. Und an seine Leute gerichtet: „Wir sind nicht nur stark, wird sind unschlagbar. Gemeinsam.“
Zurück zu dem Mitarbeiter der Instandhaltung vom Anfang: Ihm täten die Leiharbeiter leid, die jetzt auf der Straße landeten, sagt der Mann. Und zum Abschluss hat er doch noch einen positiven Gedanken im Kopf, bevor er das Gelände Richtung Parkplatz verlässt. Er habe hier am Standort konkret keine Angst vor einer Schließung. (Sven Kühling)
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