Musikschule Werra-Meißner

Werra-Meißner: Neustart für die Musikschule Ende 2024

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Die musikalische Früherziehung war wesentlicher Bestandteil der Musikschule Werra-Meißner. Sie soll als erstes von der „Schule für Musik“ des Landkreises nach den Sommerferien wieder aufgenommen werden.
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Die Musikschule Werra-Meißner wird es ab Juli nicht mehr in gewohnter Form geben. Nach vier Monaten Vakanz soll die neue Sparte beim Kreis ihre Arbeit aufnehmen.

Werra-Meißner – Die Musikschule Werra-Meißner wird es in ihrer bisherigen Form ab Sommer nicht mehr geben. Sie wird die Arbeit zum 30. Juni aufgeben und im Herbst unter der Regie des Werra-Meißner-Kreises neu gestartet. Allerdings nicht als Eigenbetrieb, wie ursprünglich angedacht, sondern als eine neue Sparte mit dem Namen „Schule für Musik“. „Eine komplette Übernahme und Fortführung der Musikschule WM e.V. ist nicht finanzierbar und hätte einen jährlichen Verlust in Höhe von über 500.000 Euro verursacht“, erklärt Landrätin Nicole Rathgeber gegenüber unserer Zeitung.

Seit mehr als zwei Jahren verhandelt die Musikschule mit dem Landkreis, den Verein in die öffentliche Hand zu überführen. Die Musikschule sieht Wettbewerbsnachteile und langfristige Finanzierungsprobleme, wenn sie als Verein weitergeführt wird. „Wir können unseren Musiklehrern als Verein nicht die Gehälter bezahlen, die sie an Musikschulen in der Umgebung bekommen würden“, sagt Leiter Ulrich Bernhardt. Das würde zum Wettbewerbsnachteil und langfristig zu fehlenden Musikpädagogen führen. Deswegen wurden mit dem Landkreis Gespräche geführt.

Der Kreistag hatte 2022 einen mehrheitlichen Grundsatzbeschluss gefasst, die Musikschule zu übernehmen. Zunächst war beabsichtigt, den Betrieb ab 1. Januar 2024 vom Eigenbetrieb des Werra-Meißner-Kreises fortzuführen. Die Beratungen und Beschlussfassungen der Kreisgremien hatten nach neuen Erkenntnissen ergeben, dass das Defizit höher als angenommen ausfallen würde. Deswegen wurde die Lösung des Neuaufbaus angestrebt. „Ein Neustart als Sparte ist ein sauberer Abschluss“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Karina Fissmann. Die Alternative wäre gewesen, „überhaupt kein Musikunterricht in dieser Größenordnung mehr anzubieten“.

Um einen klaren Schnitt zwischen dem Musikschulverein und der neuen Sparte zu dokumentieren, wurde die viermonatige Pause vereinbart. Der Musikschulverein wurde bereits Ende 2023 aufgelöst und befindet sich derzeit in der Liquidationsphase, wie die Vorsitzende Sabine Amlung erklärt. Die mit der Musikschule bestehenden Beschäftigungsverhältnisse und alle anderen Verträge werden ab Juli gekündigt. Der Eigenbetrieb Volkshochschule, Jugend Freizeit Werra-Meißner hat ein Konzept erarbeitet, das nach den Sommerferien starten soll.

Musikunterricht fällt ab Juli erst mal aus

Die 1985 gegründete Musikschule Werra-Meißner wird ab dem 30. Juni Geschichte sein. Vier Monate – inklusive der unterrichtsfreien Sommerferien – wird es dann hier kein Musikunterricht für die fast 1.000 Schüler geben. „Ich halte das für eine unglückliche Lösung, weil hier seit Jahrzehnten bestehende Strukturen zerschlagen werden“, sagt Musikschulleiter Ulrich Bernhardt. Schüler und Lehrer könnten sich in der Zwischenzeit anderweitig orientieren. (ts)

Vier Monate ohne Musikunterricht bereiten Ulrich Bernhardt Sorgen. Der Leiter der Musikschule Werra-Meißner, der seit 37 Jahren im Amt ist und kurz vor dem Ruhestand steht, weiß, dass das eine lange Zeit ist, die viel kaputt machen könnte. Für Kinder und Jugendliche sei das in diesem Alter eine lange Spanne. „Sie könnten sich ohne kontinuierlichen Unterricht umorientieren, sich andere Hobbys suchen.“ Die rund 25 beschäftigten Pädagogen könnten sich ebenfalls nach neuen Arbeitgebern umschauen, um den Engpass zu überbrücken. Zumal sie nicht wissen, ob sie bei der neuen Sparte des Werra-Meißner-Kreises angestellt werden. Vertragsgespräche werden noch geführt.

„Wir setzen uns gemeinsam mit den politischen Gremien des Landkreises dafür ein, dass nach einer gewissen Umbruchphase das gute Angebot der musikalischen Bildung und der Musikerziehung im Landkreis weiter bestehen bleibt“, sagt Landrätin Nicole Rathgeber. Die Musikschullehrer würden zudem die Chance erhalten, in dem Eigenbetrieb eine neue Beschäftigung „zu den guten Bedingungen des öffentlichen Dienstes“ zu finden. Grundlegendes Ziel sei es jetzt, das bisherige Angebot der musikalischen Bildung im Werra-Meißner-Kreis auf eine breitere und zukunftsfähigere Grundlage zu stellen, bewährte Modelle neu zu strukturieren, neue Angebote aufzubauen und in die Fläche zu tragen, erklärt die Landrätin weiter. Dazu hat der Eigenbetrieb Volkshochschule, Jugend Freizeit Werra-Meißner ein Konzept erarbeitet.

Nach den Sommerferien soll mit der musikalischen Früherziehung in Kindergärten und Grundschulen und mit weiteren Angeboten begonnen werden. Der Einzelunterricht werde frühestens im Spätherbst 2024 im Eigenbetrieb starten. Neue, weitere Unterrichtsorte im Kreisgebiet seien in der Planung; neue Kooperationen werden aufgebaut. „Wir wünschen uns, dass die Schule für Musik in mehr Orten im Kreis präsent ist. Das stärkt auch die Akzeptanz bei den Kommunen“, sagt die Fraktionsvorsitzende der SPD, Karina Fissmann.

Der Eigenbetrieb versuche jetzt, den notwendigen jährlichen Zuschuss zum Betrieb der „Schule für Musik“ gemäß den politischen Vorgaben zu begrenzen – dafür sei auch die Unterstützung der bisherigen Zuschussgeber und Förderer des Musikschulangebotes im Werra-Meißner-Kreis notwendig. Bislang wird die Musikschule Werra-Meißner durch die Kommunen Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Meinhard, Meißner, Sontra, Witzenhausen, den Werra-Meißner-Kreis und das Land Hessen gefördert. Für den Neuaufbau wird aktuell eine Stelle zur Leitung der neuen Sparte „Schule für Musik“ beim Kreis ausgeschrieben. Alle interessierten Kunden können sich ab August an den Eigenbetrieb wenden, um gemeinsam den Unterricht neu zu strukturieren, heißt es. Der jetzt eingeschlagene Weg biete auch eine gute Chance, das bisherige Angebot der Musikerziehung im Landkreis auszubauen und neue Akzente zu setzen, so die Landrätin. (Tobias Stück)

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