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Daniel Seegerschließen
Die Stadt Fritzlar will sich im Bereich Hessentag von einem zentralen Dienstleister trennen. Offenbar gab es ein Zerwürfnis.
Fritzlar – Es ist ein Paukenschlag für Fritzlar und den im Mai 2024 anstehenden Hessentag: Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Agentur MK Holding steht vor dem Aus. MK Holding verantwortet die Gesamtprojektleitung, berät und unterstützt die Stadt, insbesondere beim Thema Veranstaltungen und Sicherheit.
„Wir streben im Moment eine Trennung der Zusammenarbeit an“, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir sind gerade in der juristischen Beendigung des Vertrags“, so Spogat weiter. Zu den Gründen wollte der Bürgermeister keine Angaben machen. Nach HNA-Informationen hat es schon länger in der Zusammenarbeit geknirscht. Unter anderem ging es um die Konzertplanungen, bei der Hessentagsbeirat und Agentur unterschiedliche Vorstellungen hatten (HNA berichtete).
„Die Gesamtkoordination wird in neue und andere Hände gelegt werden müssen“, sagt Spogat. Die Stadt Fritzlar habe in den vergangenen Wochen viele neue Kontakte geknüpft, die bereits ihre Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert hätten: „Weil sie für den Hessentag seit vielen Jahren gern arbeiten.“
Bürgermeister: Müssen vieles nacharbeiten
Demnächst werde der Hessentagsbeirat über die Konsequenzen, die Gesamtstrategie und das weitere Vorgehen informiert. „Wir planen weiter und sind im Zeitplan“, betont Spogat, „aber wir müssen vieles intensiv mit unseren Partnern nacharbeiten.“
Zuletzt hieß es, im November sollen erste große Künstler angekündigt werden. Trotz der angestrebten Trennung von der Agentur MK Holding, die im Auftrag der Stadt Künstler für den Hessentag suchte, sagt Spogat, dass es nach wie vor Ziel sei, die ersten Künstler im November zu nennen.
Hessentag in Fritzlar: Zusätzliche Unterstützung durch Land Hessen unwahrscheinlich
Auf zusätzliche Unterstützung vom Land Hessen kann Fritzlar nicht hoffen: „Der Hessentag wird von den jeweiligen Kommunen ausgerichtet, dementsprechend sind sie mit der Organisation und Durchführung des Landesfestes betraut“, so die Hessische Staatskanzlei. Michael Krzyzniewski von der MK Holding äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht.
Künstler beim Hessentag in Fritzlar: Die Zeit drängt
Wie sehr die Zeit in Sachen Vertragsabschluss mit Künstlern und Vorverkaufsstart für den Hessentag 2024 drängt, wird beim Blick auf andere Kommunen deutlich, die den Hessentag ausgerichtet haben: Bei der Planung ihres Hessentages blicken die Fritzlarer Entscheider immer wieder auch nach Korbach (2018: 845 000 Besucher).
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In der Kreisstadt des benachbarten Landkreises Waldeck-Frankenberg wurde ebenfalls im Mai der Hessentag gefeiert. Allerdings hatte Korbach im Vergleich zu Fritzlar sieben Monate vor dem Landesfest bereits einen großen Vorsprung bei der Veranstaltungsplanung herausgearbeitet. So hatte die Stadt am 23. Oktober 2017 die ersten zehn Programmhöhepunkte bekannt gegeben. Vorgestellt wurden unter anderem die Auftritte von Santiano, BAP, Culcha Candela, Ulla Meinecke und des Nockalm Quintetts. Mehr noch: Parallel mit der Bekanntgabe der ersten Künstler begann in Korbach der Vorverkauf für die Konzerte.
Würde man diesen zeitlichen Ablauf wie eine Schablone über die Fritzlarer Planungen für den Hessentag legen, müssten in drei Tagen – also am Dienstag nächster Woche – die ersten zehn Programmhöhepunkte veröffentlicht werden und der Vorverkauf starten. Doch ist man in Fritzlar derzeit noch weit davon entfernt.
Hessentag in Fritzlar: Landesregierung wird nicht eingreifen
In Kassel, dem mit 1,83 Millionen Besuchern bislang erfolgreichsten Hessentag, wurden erste Künstler Anfang Oktober 2012 benannt – Stargast war damals Violinist David Garrett. Und in Hofgeismar (Juni 2015: 750 000 Besucher) gab man Anfang November bekannt, dass Herbert Grönemeyer sowie Andrea Berg auf der Bühne stehen werden.
Übrigens: Mit wem die Stadt Fritzlar bei der Veranstaltungsorganisation für den Hessentag zusammenarbeitet, um das Programm für das zehntägige Landesfest auf die Beine zu stellen, scheint in der Hessischen Staatskanzlei niemanden zu interessieren: „Es ist die alleinige Entscheidung der jeweiligen Hessentagsstädte, welche Dienstleistungen sie dafür in Anspruch nehmen“, heißt es auf HNA-Anfrage aus Wiesbaden.
Demnach werde die Landesregierung auch nicht eingreifen, um sicherzustellen, dass der Hessentag wie geplant stattfinden kann. Ob sie über die Kündigung des Vertrages mit der MK Holding informiert wurde, beantwortete die Hessische Staatskanzlei nicht. Nur so viel: „Die Landesregierung unterstützt die Hessentagsstädte in vielfältiger Weise“, teilt die Hessische Staatskanzlei mit.
So stelle das Land beispielsweise 8,5 Millionen Euro bereit, davon stehen 6,5 Millionen Euro als Investitionsmittel für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung und bis zu zwei Millionen Euro für den Defizitausgleich des Landesfestes. (may/see)

