Festival der Clubmusik in Frankfurt

Beim World-Club-Dome wummert die Welt im Waldstadion

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Tagsüber feiert die Menge beim World-Club-Dome lieber in der Sonne vor dem Stadion im Stadtwald. Erst gegen Abend tanzen sie unter dem schützenden Dach. Auf dem Areal befinden sich 25 Bühnen. 250 Künstlerinnen und Künstler sind dabei.
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25 Bühnen, 600 Influencerinnen und Influencer und viel Glitter: Der World-Club-Dome lockt Zehntausende Fans der Clubmusik ins Frankfurter Waldstadion.

Selten ist im Regionalexpress nach Mannheim so viel Glitter auf den Gesichtern der Reisenden zu sehen wie am Samstagnachmittag, selten auch so luftig gewandete Damen. Auch die Herren geizen nicht mit ihren Reizen. Gestählte Oberarme spannen sich in engen Kurzarmshirts.

Die doch etwas bizarre Körperlichkeit im Zug liegt an der Destination. Nein, nicht Mannheim. Der Partyexpress hält am Frankfurter Stadion, wo von Freitag an bis zum Sonntag der „World Club Dome“ Freundinnen und Freunde der elektronischen Clubmusik hinzieht.

25 Bühnen, von denen laut Musik dröhnt, haben die Organisatoren auf dem Areal im Stadtwald verteilt. Auf dem heiligen Rasen im Stadionrund ist eine Tanzfläche, aber auch direkt davor gleich zwei große Floors, die ineinanderwummern. Im Stadionbad wird vergnügt geplanscht und auf der Liegewiese getanzt. Im Wald ist Tanz. Auf der Rückseite der Nordwestkurve, wo gerade Stehplätze gebaut werden, findet sich eine ganze Reihe von Partyspots mit DJs.

World-Club-Dome: Treiben lassen von Tanzfläche zu Tanzfläche

Im Grunde kann man sich treiben lassen und von einer Tanzfläche zur nächsten schweben. Genau das haben Clara und Thomas vor, die soeben das Gelände betreten. „Wir wollen Künstler entdecken“, sagt Clara. „David Guetta hat man schon drei- oder viermal gesehen“, ergänzt Thomas. Der Plan: Drei Tage lang tanzen. Wobei es eigentlich zu warm dafür sei. Viel Wasser wollen sie trinken.

Viel Wasser, das passt. Der Dome feiert seinen zehnten Geburtstag. Dafür hat man das Motto „Atlantis“ ausgelobt. Die untergegangene Stadt findet sich in der einen oder anderen Kulisse und Fontäne. Freibadfeeling im Stadion und darum herum.

Zur apokalyptischen Deutung eines Städteuntergangs passt übrigens auch der Weg von der Bahnstation zum Einlass. Der führt durch eine Latrine samt Müllkippe. Wie beim Fußball halt. Nur mit mehr Glitzer. Und, auch das ist anders als sonst, selbst die Damenwelt schlägt sich in die Büsche. Feministisch ist das allemal.

Zurück ins riesige Freibad. Neben der Hauptbühne vor dem Stadion versuchen sich drei junge Kerle am Fitness-Glücksrad. „Wir wollten eigentlich die Powerbank gewinnen“, sagt der eine treuherzig. Das Rad bestimmt aber, dass sie Liegestützen machen müssen. Für die Kraftpakete kein Problem. Und sie sehen das Gute daran: „Wir sind heute oberkörperfrei unterwegs. Da können wir die Muskeln noch ein bisschen aufpumpen“, sagt der Rädelsführer. Hat funktioniert.

Lange Schlangen beim Tätowierpavillon des World-Club-Dome

Ein Polizeiquartett flaniert entspannt vorbei, zwei Frauen, zwei Männer von der Staatsgewalt, mit Uniform und schwerer Weste. Ob ihnen so ein Festivalauftritt mehr Spaß bereite als, sagen wir mal, eine Demo zu begleiten? „Darüber können wir keine Auskunft geben, wenden Sie sich bitte an die Pressestelle“, wehrt der Größte im Bund den neugierigen Pressemenschen ab. Ein paar Meter weiter lässt die Gruppe aber huldvoll lächelnd Selfie-Wünsche über sich ergehen. Ein Fingerzeig zumindest.

Danny ist da sehr viel auskunftsfreudiger. Der hat auch Zeit, er steht in der Schlange am Tätowierpavillon. Ob er sich wirklich etwas stechen lassen möchte? Was für eine Frage, natürlich wolle er das. Er komme seit 2017 jedes Jahr zum World Club Dome, außer im vergangenen Jahr, da habe er den Termin verschwitzt. Kann ja mal passieren, immerhin war das Spektakel 2020 ausgefallen und 2021 in abgespeckter Form über die Bühne gegangen, aus pandemischen Gründen.

Als Motiv hat sich Danny das Club-Dome-Logo auserkoren. Das besteht aus Streifen, die an die Pegelmesser auf dem DJ-Pult erinnern. Sie formen so eine Art Weltkugel. „Die ganze Welt kommt zusammen und feiert gemeinsam“, erklärt Danny, warum ihn das Logo so reizt - unabhängig von Sprache oder auch Alter.

Das Programm sei so vielfältig, dass für viele Generationen etwas dabei sei. Seine Mutter und sein Onkel seien jedenfalls auch da. Und es sei eben etwas ganz Besonderes, sich das Logo auf dem Festival stechen zu lassen, nicht Wochen später nüchtern beim Tätowierer seines Vertrauens. Nein, gleich, vor Ort, eine Art von Hingabe, ein Stammesritual.

Eine halbe Milliarde Reichweite beim Glam

Apropos Programm: DJs und einige Sternchen aus dem Segment Reality-TV landen stilecht mit dem Hubschrauber auf dem Vorfeld. Gerade jetzt entsteigen zwei Grazien dem Fluggerät und stellen sich zum Fernsehinterview auf. Wer sie sind? Das Auditorium am Zaun reckt ratlos die Hälse. „Keine Ahnung“, sagt eine junge Frau schließlich und trollt sich Richtung Tanz.

Einen etwas genaueren Blick auf Stars und Sternchen der Influencerszene erhaschen geladene Gäste - und die Presse - etwas später bei der Glam-Eröffnung. Die Glam ist ein Festival im Festival, ein eigenes Treffen für etwa 600 Influencerinnen und Influencer, inmitten der Atlantis-Party. Club-Dome-Impresario Bernd Breiter findet, das passe wunderbar zusammen. „Wir haben hier etwa eine halbe Milliarde an Reichweite versammelt“, sagt er über die Gäste.

Zwei universelle Sprachen sprächen die, führt Breiter aus. Es gehe um Entertainment und Kulinarik. „Das sind Dinge, die alle Menschen auf der Welt interessieren.“ Über diesen lockeren Ansatz ließen sich dann auch ernste Themen vermitteln, halt lächelnd, ohne erhobenen Zeigefinger. Fragen des Klimaschutzes etwa oder Technologie- und Wissenschaftsfreundlichkeit.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer sieht das ähnlich. „Wir haben im Weltall zusammen gekocht“, erinnert er sich an die Ausflüge per Raumkapsel. Einen DJ habe man auch dabei gehabt. Er könne sagen, „ob Außerirdischer oder nur Irdischer, wir wollen alle zusammenbringen“. Die Glam eröffnet hat übrigens Moderatorin und Influencerin Cathy Hummels. „If you can dream it, you can do it“, was wir übersetzen mit: Nichts ist unmöglich, mach doch einfach mal. Und: Jede Frau, jeder Mann möge sich herausputzen. „Ein bisschen Glamour schadet nie.“

Die Rache der Natur beim World-Club-Dome

Derweil wummert ordentlich Bass durch die Wände des Separees. Glaubt man den beiden Campern, die vor dem Stadion ihr Leid klagen, rächt sich die Natur übrigens ganz erbarmungslos bei den Ruhestörern. „Es war so laut heute morgen“, stöhnt einer der Zeltfreunde. Um halb sechs habe ihn das Gezwitscher aus dem Schlafsack geworfen. Und hell sei es da auch gewesen, so ohne Schlafbrille. Aber die Musik, die sei toll, finden sie.

Findet auch Max, kurz vor dem Sprung auf die Tanzfläche. Also, eigentlich sei es gar nicht „seine Musik“. Aber dass sie so viele verschiedene Menschen zusammenbringe. „Im Club hast du eher so eine homogene Gruppe.“ Aber die Musik selbst, was ist das Tolle an der Musik? Noah antwortet, ohne zu zögern: „die Frauen“. Man möchte hinzufügen: der Glitter.

Die ganze Arbeit im Fitti der Öffentlichkeit präsentieren.

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