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Auf der Teststrecke seines Kasseler Standorts zeigt der Rüstungskonzern Rheinmetall, was der „Evolution“ getaufte Neuzugang der Modellreihe kann.
Kassel – Als der schwarz lackierte Fuchs-Radpanzer zurücksetzt, eine leichte Kurve beschreibt und dann wieder vorwärts rollt, steckt der Mann hinter dem Steuer die Hände durchs Fahrzeugdach. Gelenkt wird vom Laptop auf einem Stehtisch – möglich ist das, solange Sichtkontakt besteht: Auf der Teststrecke seines Kasseler Standorts zeigt der Rüstungskonzern Rheinmetall, was der „Evolution“ getaufte Neuzugang der Modellreihe kann.
Die Demonstration ist Teil eines zweitägigen Symposiums, auf dem rund 70 Teilnehmer Expertise und Erfahrungen austauschen. Zulieferer und Abnehmer sind darunter. Der sechsrädrige Transportpanzer wird in acht Länder verkauft, die Bundeswehr hat noch 825 Stück im Bestand.
Fuchs bringt es auf 100 km/h Spitzengeschwindigkeit
Es gibt den Fuchs in vielen Varianten, etwa als Pionier- oder Sanitätsfahrzeug oder für die Kampfmittelbeseitigung. Er war bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Mali, Somalia und Afghanistan dabei – und entwickelte eine Schwäche: Die Panzerung wurde in der Vergangenheit verstärkt, aber der Motor blieb der gleiche.
Im neuen Evolution-Modell arbeitet nun ein Triebwerk mit 455 PS. Das sieben Meter lange, bis zu 24,5 Tonnen schwere Fahrzeug bringt es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Den Motor hat Rheinmetall schon an Kunden geliefert, eingebaut wurde er bislang aber in die leichter gepanzerten Fahrzeuge.
„Der erste Kunde würde nach jetzigem Stand die Ukraine sein“, sagt Marius Meyering, Vertriebsleiter der Rheinmetall Landsysteme GmbH über das neue Modell. Der Konzern hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem ukrainischen Staatsunternehmen Ukroboronprom gegründet. Dort könnte auch der neue Fuchs montiert werden, doch „die wichtigsten Teile kommen nach wie vor aus Deutschland“.
„Der Fuchs ist historisch ein Rückgrat für das Kasseler Werk“, betont Meyering. Entwickelt wurde er einst von Daimler-Benz und dem Rüstungskonzern Thyssen-Henschel, den Rheinmetall übernommen hatte. Heute werden am Standort in Kassel allein mehr als 100 Fuchs-Panzer im Jahr instandgesetzt. Hinzu kommt die Produktion neuer Fahrzeuge. Von den 1200 Beschäftigten des Standorts arbeiten etwa 150 in der Radpanzer-Entwicklung.
Kassel: Nehmen Pläne der Regierung dem Fuchs den Glanz?
Die Bundesregierung könnte allerdings Pläne haben, die der „Ikone“, wie Rheinmetall den Fuchs nennt, einigen Glanz nähmen. Der Posten für die Beschaffung sechsrädriger Radpanzer im Volumen von vier Milliarden Euro wurde aus dem 100 Milliarden Euro schweren Bundeswehr-Sondervermögen gestrichen, und im April gab der finnische Rüstungskonzern Patria bekannt, Deutschland sei einem Programm beigetreten, in dem Finnland, Schweden und Lettland ein neues Transportfahrzeug auf Basis des sechsrädrigen Patria-Radpanzers entwickeln wollen.
Bislang gibt es diese Fahrzeuge in Deutschland nicht. „Der Patria wäre nach der Definition der Bundeswehr in Deutschland nicht marktverfügbar“, sagt Meyering. Esa Rautalinko, Chef des vergleichsweise kleinen Patria-Konzerns, kann sich laut „Handelsblatt“ vorstellen, bei dem Projekt die deutsche Industrie mit einzubinden. Rheinmetall oder Krauss-Maffei Wegmann könnten also mit von der Partie sein. „Eine Kooperation wäre ein Weg – die entsprechenden Bedingungen vorausgesetzt“, sagt Meyering dazu. Eine Rolle als verlängerte Werkbank ohne deutsche Wertschöpfung wäre für Rheinmetall nicht akzeptabel. (Barbara Will)
