- VonSabine Schramekschließen
Frankfurts größtes Freibad steht vor unerwarteten Herausforderungen an diesen warmen Sommertagen. Das Wasser ist noch nicht aufgeheizt.
Stell Dir vor, es ist endlich Sommer und Frankfurts größtes Freibad hat zu. Dass das Brentanobad die ganze Woche über geschlossen sein soll, jetzt, wo sich endlich mal die Sonne blicken lässt und das Thermometer an der 30-Grad-Marke kratzt, hat gestern viele Frankfurter:innen verärgert, die ins Freibad wollten und vor verschlossenen Türen standen: das Kassenhäuschen geschlossen, das Drehkreuz um die Ecke unbewegt.
Hinter dem hohen Zaun ließ sich das verführerische kühle Nass nur erahnen, während in der Ferne ein roter Rasenmäher tuckerte. „Liebe Badegäste, wegen der anhaltenden unbeständigen Wetterlage bleibt das Brentanobad vorerst bis auf Weiteres geschlossen. Wir hoffen mit euch auf baldige schöne Sonnentage“, stand auf Schildern an der Parkplatzeinfahrt, auf einem Aufsteller am Haupteingang und neben dem Seiteneingang.
„Ich hätte nicht gedacht, dass bei dem Wetter zu ist“, sagt eine junge Frau mit Rucksack und guckt in den strahlend blauen Himmel bei 26 Grad Celsius. Ihre Freundin kommt dazu und schüttelt ungläubig den Kopf. „Dann fahren wir halt an den Langener Waldsee“, beschließen sie. Ein älterer Herr fährt mit seinem Cabrio an die Schranke, die grün leuchtet. „Der Parkplatz ist gegen Bezahlung offen. Das Schwimmbad zu. Sehr witzig“, sagt er genervt. Ein Blick gen Himmel, Kopfschütteln.
Eine junge Frau kommt mit dem Rennrad, bremst kurz, als sie sieht, dass der Parkplatz leer ist. Sie radelt zum Seiteneingang, kommt zurück. „So was Blödes. Es ist Sommer, es ist Traumwetter, und das Brentanobad hat zu. Das kann man keinem erzählen“, meint sie. „Ich komme immer her zum Schwimmen und Volleyballspielen. Das wird wohl nichts, und im Hausener Schwimmbad gibt es kein Volleyballfeld.“
Stefan M. kommt mit Spiegelsonnenbrille, buntem Hemd und seiner Bäderkarte in der Hand. „Dann muss ich nicht anstehen, wenn es voll ist“, sagt er und starrt ungläubig auf das Schild. „Das ist Deutschland. Das geht ja gar nicht“, schimpft er und ärgert sich, dass er über die Schließung nichts gelesen hat. „Dann gehe ich eben ins Hausener Schwimmbad. Ich glaub das nicht.“
Ein williger Badegast nach dem anderen dreht enttäuscht wieder ab. „Ein Blick in den Himmel wäre ratsam“, schimpft eine Frau mit Kleinkind, die mit ihrer schwangeren Freundin ins Brentanobad wollte. „Gestern war auch schon geschlossen“, sagt sie traurig.
Die Freibäder
Sieben Freibäder gibt es in Frankfurt, und vom heutigen Dienstag an haben sie alle geöffnet. Das Hausener Freibad von 6.30 bis 20 Uhr, das Silobad, das Stadionbad und das Riedbad Bergen-Enkheim von 7 bis 20 Uhr und die Freibäder Eschersheim, Nieder-Eschbach sowie das Brentanobad jeweils von 10 bis 20 Uhr.
Die Tageskarte kostet für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3,30 Euro. Für Kinder bis 14 Jahre ist der Badespaß kostenlos. Der Abendtarif (ab 18 Uhr) beträgt 3,50 Euro für Erwachsene, ermäßigt 2,30 Euro. Wer einen Strandkorb mieten möchte, zahlt je nach Freibad und Dauer 6 bis 10 Euro. Weitere Infos: www.frankfurter-baeder.de red
„Das größte Freibad Deutschlands schafft es nicht aufzumachen, obwohl das Wasser ohnehin nicht geheizt wird“, flucht ein anderer, der normalerweise „ganz oft herkommt“ – wenn das Wetter mitspielt. Auch im sozialen Netzwerk Facebook war der Frust gestern groß: „Ist ja wie in der DDR“, schreibt ein Nutzer, jetzt würden schon die Schwimmbadzeiten rationiert. Ein anderer klagt, er habe sich den ganzen Winter auf den Schwimmbadbesuch gefreut und nun das. Schnell schossen die Spekulationen ins Kraut: Zu wenig Personal vermuteten die einen, Wartungsarbeiten die anderen.
Tatsächlich war nach Angaben von Boris Zielinski, Chef der Bäderbetriebe, schlicht das Wasser zu kalt. „Wir brauchen für das Brentanobad ein paar Tage warmes Wetter, damit sich das Wasser im Becken erwärmt“, erklärte Zielinski.
Das Brentanobad ist nicht beheizt, dafür mit seinem 11 000 Quadratmeter großen, 220 Meter langen und bis zu 50 Meter breiten Becken nicht nur das größte seiner Art in Frankfurt, sondern auch in Deutschland. Entsprechend mehr Zeit braucht das Wasser aber eben, bis es eine optimale Temperatur zwischen 23 und 27 Grad erreicht hat.
Immerhin: Es gibt ein Happy End für Badefreudige: Nachdem gestern Mittag die Badeampel noch auf Rot stand für die gesamte Woche (siehe Screenshot unten) und es hieß, man entscheide „von Tag zu Tag“, schalteten die Bäderbetriebe gestern Nachmittag dann doch auf Grün fürs Brentanobad: „Alles geklärt, wir öffnen morgen!“, teilte Bäderchef Zielinski mit. Dass es letztlich doch so fix ging, sei für ihn selbstverständlich. „Wir müssen flexibel sein“, erklärte er.
Manchmal kommt der Sommer eben doch überraschend. Sogar Ende Juni.