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Der Wasserstand der Weser beschäftigt die Samtgemeinde weiterhin:
Samtgemeinde – In diesen Tagen hätte Thorsten Schiemann gerne eine Glaskugel, um in die Zukunft zu schauen. Stattdessen kann der Ordnungsamtsleiter nur die Prognosen im Blick behalten und auf die aktuellen Geschehnisse reagieren. „Das, was wir vorbereiten konnten, haben wir vorbereitet“, sagt er. Jetzt ist abwarten angesagt. In der Samtgemeinde Grafschaft Hoya herrscht weiter „höchste Alarmbereitschaft“, heißt es auf ihrer Homepage.
Alle Vorbereitungen sind getroffen
Hochwasserschutzwände sind aufgebaut, überschwemmte Straßen gesperrt, das Deichschart am Steinwerder in Hoya ist geschlossen. „Jetzt müssen wir die Daumen drücken, dass die Deiche halten“, sagt Schiemann. „Ansonsten sind Sandsäcke da.“ 10 000 Säcke liegen an verschiedenen Stellen in der Samtgemeinde, an beiden Seiten der Weser, für den Fall der Fälle bereit.
Regelmäßige Deichkontrollen
Der Mittelweserverband kontrolliere immer wieder die Deiche, sagt Schiemann. „Wir gucken auch regelmäßig“, ergänzt er Donnerstagmittag, kurz vor einer Fahrt zu den „neuralgischen Punkten“.
Prognosen „gehen rauf und runter“
Donnerstagmittag lag der Pegelstand der Weser nach Angaben von Mario Kramer, stellvertretender Ortsbrandmeister in Hoya, bei 7,13 Metern. „Wie hoch die Weser noch steigt, müssen wir schauen“, sagt Schiemann. Verwaltung, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Bauhof haben sich Donnerstagmorgen wieder getroffen, um die Lage und das weitere Vorgehen zu besprechen. Dabei bedient sich das Team der Informationen vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. „Das ist die seriöseste Quelle“, bewertet Schiemann. Demnach sollte die Weser noch am Donnerstag oder in der Nacht zu Freitag den höchsten Pegelstand erreichen. „Aber exakt können die es natürlich auch nicht sagen“, betont der Ordnungsamtsleiter. „Die Prognosen gehen rauf und runter“, formuliert es Kramer.
L 330 von Hoya nach Hassel gesperrt
Der Radweg an der Landesstraße 330 zwischen Hassel und Hoya war laut Feuerwehr-Pressesprecher Friedrich Brinkmann Donnerstag Mittag bereits gesperrt, die Straße wurde am Nachmittag ebenfalls dichtgemacht – zum ersten Mal seit dem Jahr 2003. Über aktuelle Straßensperrungen informiert der Landkreis Nienburg laufend auf seiner Homepage www.lk-nienburg.de.
Große Dankbarkeit für Einsatzkräfte
„Wir sind THW, Bauhof, Feuerwehr und allen, die beteiligt sind, unglaublich dankbar“, sagt Schiemann. Umso mehr ärgert er sich über „Hochwassertouristen“.
Appell an die Bevölkerung
„Man kann es nicht oft genug sagen: Die Leute sollen den Hochwassertourismus sein lassen!“, betont Schiemann. „Das ist eine Gefährdung für alle. Feuerwehr und THW sind schon genug gefordert und brauchen keine unsinnigen Einsätze.“ Kopfschüttelnd erzählt er von Leuten, die mit Autos auf die Deiche fahren: „Die Deiche sind schon durchnässt, so gefährden die Fahrer die Deiche und damit den Hochwasserschutz.“ Auch Kramer bezeichnet das Verhalten einiger Menschen als „extrem“; manche gingen direkt bis ans Wasser. Hunde sind im Freien an der Leine zu führen, um das Wild nicht in gefährliche Bereiche zu vertreiben, unterstreicht die Verwaltung.
Dauereinsatz beim Ruderverein
Mehr als 24 Stunden hat die Feuerwehr beim Ruderverein Hoya geholfen. Ab Mittwochmittag waren jeweils zwei Einsatzkräfte beim Vereinsdomizil, alle drei Stunden hieß es: Schichtwechsel. Wer auf das Gelände kam, fühlte sich wie in leichtem Nieselregen. In einem großen Strahl leitete eine Pumpe mit dröhnendem Geräusch Wasser in die Weser, dabei stoben Tropfen in alle Richtungen. „Wenn das Grundwasser hochkommt, sammelt es sich und läuft in den Keller. Wenn man es nicht abpumpen würde, würde es ins Hinterland laufen“, erklärte Kramer und blickte mit dem Rücken zur Weser am Haus des Rudervereins vorbei. Wenn der Untergrund frei war, musste die Pumpe abkühlen – wenn wieder Wasser auflief, wurde sie erneut gestartet. 2 500 Liter in der Minute leitete das Gerät in die Weser. Als „Kreislauf“ bezeichnete Kramer das: „Was wir rauspumpen, kommt wieder rein. Aber um den Schaden gering zu halten, müssen wir das machen.“ Donnerstag am frühen Nachmittag hat das THW auf dem Vereinsgelände eine feste Pumpe installiert, die ohne ständigen Personaleinsatz läuft.
Vollgelaufene Keller
Kramer berichtet von zahlreichen Anrufern von Bürgern, deren Keller nass seien. Wenn nur wenige Zentimeter Wasser den Boden bedecken, bittet die Feuerwehr die Bürger um Selbst- und Nachbarschaftshilfe. „Bei großen Mengen kommt die Feuerwehr natürlich“, sagt Kramer. Er rät den Anwohnern, im Zweifelsfall „alles aus dem Keller zu holen, was raus kann, und alle ein, zwei Stunden den Keller zu kontrollieren“. Kramer rechnet noch mit vielen Pumpeinsätzen.
Sinkender Wasserstand ein Problem für Keller
Feuerwehr und Ordnungsamt gehen davon aus, auch in den nächsten ein, zwei Wochen noch mit dem Hochwasser beschäftigt zu sein. Wenn der höchste Wasserstand überstanden ist, „können wir wieder ein bisschen positiver dreinschauen“, sagt Schiemann, ergänzt aber: „Problematisch könnte es werden, wenn der Druck der Weser weg ist und die durchnässten Böden das Wasser an die Weser abgeben. Dann könnten weitere Keller volllaufen.“ Dass bei sinkendem Wasserstand besonders viele Keller betroffen sind, ist auch Kramers Erfahrung.
Feuerwehr evakuiert 60 Schafe
Rund 60 Schafe hat die Feuerwehr am Donnerstag evakuiert. Gegen 9.20 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert, weil die Tiere auf einer kleinen Anhöhe nahe dem Segelflugplatz in Hoya von Wasser eingeschlossen wurden. Einsatzleiter Mario Kramer entschied, das Eintreffen des Besitzers abzuwarten, um gemeinsam über das Vorgehen zu entscheiden. Zwischenzeitlich wurden die Brandschützer zu einem weiteren hochwasserbedingten Einsatz gerufen. Weil mehrere Versuche des inzwischen eingetroffenen Schäfers, seine Vierbeiner mit Futter ins Trockene zu locken, scheiterten, ließ Gemeindebrandmeister Carsten Meyer die Feuerwehrleute wieder anrücken. Die mit Wathosen ausgerüsteten Einsatzkräfte stellten zügig einen mobilen Zaun auf, um den Schafen einen gefahrlosen Weg durch das Wasser zu schaffen. Vorsichtig trieben sie die Tiere an einen Übergang. „In kürzester Zeit war die ganze Herde auf der sicheren Seite des Deichs“, teilt Pressewart Brinkmann mit. Der Einsatz dauerte etwa zwei Stunden.
Kläranlage Hoya an Kapazitätsgrenze
Die Kläranlage Hoya ist nach Angaben der Verwaltung an ihrer Kapazitätsgrenze. Deshalb appellieren die Verantwortlichen, etwa beim Freipumpen von Kellern kein Grundwasser ins Kanalnetz einzuleiten: „Die Folge könnte ein Rückstau bis in die Hausinstallationen sein.“ Das THW pumpt bei der Kläranlage permanent Wasser ab, erklärt Schiemann.
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