Ruf nach Deichverband: CDU-Stadtratsfraktion fordert stärkeres Engagement von Stadt und Anliegern

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Die Achimer CDU-Stadtratsfraktion will, dass der Corporalsdeich unter die Zuständigkeit eines dafür zu gründenen Deichverbands fällt.
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Die Achimer CDU-Stadtratsfraktion will die Zuständigkeit für den Corporalsdeich vom Wasser- und Bodenverband auf einen neu zu gründenden Deichverband übertragen.

Achim – Es ist erst wenige Monate her, dass die CDU-Kreistagsfraktion eine Stippvisite auf den Corporalsdeich in Achim unternommen hatte. Damals ahnten sie wohl nicht, dass das Thema schon bald sehr wichtig werden könnte: „Die derzeitige Hochwasserlage macht deutlich, wie immens wichtig der Schutz vor Überflutung für Wohn- und Gewerbegebiete sowie für landwirtschaftliche Betriebe ist“, schreibt die CDU-Stadtratsfraktion in einem Antrag, den Fraktionsmitglied Annameta Rippich an den Rat der Stadt Achim stellt. In diesem fordert sie, die „Stadt Achim möge die Gründung eines Deichverbandes für die Unterhaltung des Corporalsdeiches federführend in die Wege leiten“.

Denn: Der Corporalsdeich fällt nicht in die Zuständigkeit eines Deichverbands, statt dessen liegt die Verantwortung beim Wasser- und Bodenverband (WBV) Achim-Bierden. „Wir brauchen einen Deichverband“, erklärt Rippich gegenüber des Kreisblatts. Der entscheidende Unterschied: Bei einem Deichverband müssen Anlieger zur Unterhaltung Beiträge bezahlen, zudem gibt es einen hauptamtlichen Mitarbeiter. Währenddessen arbeiten die Verantwortlichen der Wasser- und Bodenverbände ausschließlich ehrenamtlich.

Der Corporalsdeich ist uns damals, in den 60er-Jahren, aufs Auge gedrückt worden.

Claus Stadtlander

Für Rippich ist eine notwendige Neuordnung vor Jahren versäumt worden – zumal bereits 2020 der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft (NLWKN) den Deich als löchrig beschrieben hatte. „Wir brauchen einen Deichverband“, so die Ratsfrau. „Im Raum Achim-Bierden-Uphusen-Bollen bis nach Bremen hinein erfüllt der Corporalsdeich eine ganz wesentliche Schutzfunktion. Nach den einschlägigen Gesetzen sind die Einwohner und Betriebe, die durch den Deich geschützt werden, zur Deichunterhaltung verpflichtet. Dieses hat mittels eines Deichverbands zu erfolgen.“

„Wir sind eigentlich für die Marschflächen vor dem Deich zuständig“, erklärt Claus Stadtlander, Vorsitzender des WBV Bierden-Bollen-Uphusen und Geschäftsführer des WBV Achim-Bierden. „Der Corporalsdeich ist uns damals, in den 60er-Jahren, aufs Auge gedrückt worden.“ Größere Reparaturen übernimmt zwar das Land Niedersachsen, um kleinere Vorhaben allerdings muss sich der WBV bemühen. „Wir unterhalten und verwalten ihn. Die Stadt Achim bezahlt lediglich das Mähen des Deiches“, sagt Stadtlander. „So schützt der Deich die Stadt, aber wir zahlen dafür.“ Seiner Meinung nach müsste die Stadt entweder die Kosten für die Unterhaltung übernehmen oder für einen zu gründenden Deichverband ein Gebiet ausweisen, in dem die Anlieger einen Deichbeitrag zahlen. Genau das ist auch der erste Schritt, den der Antrag der CDU-Stadtratsfraktion vorsieht, nämlich „im Zusammenwirken mit der Unteren Deichbehörde des Landkreises Verden festzustellen, welche Grundstücke vom Corporalsdeich vor Hochwasser geschützt werden“.

Stadt will Möglichkeiten prüfen

Was die Gründung angeht, „haben wir als Stadt keine Zuständigkeit“, erklärt der Erste Stadtrat Daniel Moos. „Wir können lediglich die Gespräche mit dem Landkreis initiieren.“ Wenn die aktuelle Krisenlage abgeklungen sei, wolle man das aufnehmen und prüfen. „Wir werden den Antrag auf die Tagesordnung setzen und uns vorbereiten, welche Möglichkeiten wir haben“, kündigt Moos an. „Das wird dann zu der Aufarbeitung der ganzen Situation gehören“, so der Erste Stadtrat.

„Wir sind alle davon abhängig, dass der Deich uns schützt“, betont Rippich. „Daher muss er gehegt und gepflegt werden.“ Angesichts der derzeigen Lage seien die Menschen gerade sehr sensibilisiert dafür. „Aktuell sieht es hier nicht so schlimm aus, wie in Verden oder Lilienthal. Aber wir wissen nicht, wie viel noch kommt. Sollte der Deich durchlässig werden, dann gute Nacht!“

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