VonErika Wennholdschließen
Mit dem 1. September 2022 gilt bundesweit die Energieeinsparverordnung. Schaufenster dürfen demnach zwischen 22 und 6 Uhr nicht beleuchtet werden. Passt dazu eine Straßenbeleuchtung im Advent? Und was passiert mit dem Verdener Weihnachtsmarkt?
Verden – Die Energieeinsparverordnung der Bundesregierung tritt heute in Kraft. Dem Einzelhandel ist nun vorgeschrieben, Türen und Fenster nicht dauerhaft offenstehen zu lassen. Schaufenster dürfen von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens nicht beleuchtet werden. Zu Weihnachten soll es aber wieder heller in Verdens Innenstadt werden, denn der Kaufmännische Verein Verden sieht sich derzeit nicht veranlasst, auf die glitzernde Girlande über den Straßenzügen der Innenstadt zu verzichten. Vorsitzender Harald Nienaber findet, dass eine düstere Innenstadt zu Weihnachten nicht in die Welt passt. „Die besondere Stimmung in der Vorweihnachtszeit darf man den Kunden nicht nehmen.“
An Verdens Straßen gehen um 23 Uhr die Lichter aus
Ob der Kaufmännische Verein das am Ende alleine entscheiden kann, wird sich zeigen, denn es geht nicht nur um die Kosten, die sich Verein, Stadt und Stadtwerke teilen, sondern um das Thema „Energie einsparen“. Was die Stadt schon tut, indem die Straßenbeleuchtung inzwischen nur noch bis 23 Uhr und am Wochenende bis 1 Uhr eingeschaltet wird, danach ist es bis 5 Uhr morgens zappenduster. Wie dann eine Weihnachtsbeleuchtung dazu passt, die in der Woche vor dem 1. Advent eingeschaltet wird, und das jeden Tag von 13 bis 21 Uhr, ist umstritten. Niclas Rippe, bei der Stadt Verden zuständig für die Straßenbeleuchtung, bestätigt, dass die zeitlich eingeschränkte Beleuchtung in Verden und ihren dazugehörigen Ortschaften bereits umgesetzt worden ist. Eingespart würden 35 Prozent Energie. Das seien ungefähr 150 000 Euro. Rippe: „Die werden bei steigenden Strompreisen aber nicht lange übrig bleiben.“ Beschwerden über diese Stromsparmaßnahme habe es bei ihm bisher noch nicht gegeben.
Adventsbeleuchtung: Stadtwerkechef will Gespräche führen
Ob es dann noch Sinn mache, die Weihnachtsbeleuchtung aufzuhängen, dazu wollte Stadtwerkechef Joachim Weiland noch nichts sagen. „Das muss mit allen drei Beteiligten besprochen werden.“ Er gab aber zu bedenken, dass eine attraktive Weihnachtsbeleuchtung wichtig sei, damit die Kunden in die Stadt kommen. Was Harald Nienaber vom Kaufmännischen Verein bestätigt. „Die Geschäfte machen ihren größten Umsatz in der Weihnachtszeit.“ Um so wichtiger sei es, die Kunden durch ansprechende Dekoration in den Schaufenstern und eine schöne Atmosphäre in der Innenstadt zu locken.
Weihnachtsmarkt: Sorgen macht eher Corona
Andere Kommunen haben inzwischen schon beschlossen, in diesem Jahr auf die Weihnachtsbeleuchtung und eventuell auch auf die Weihnachtsmärkte zu verzichten. Das will Hüseyin Tavan, Vorsitzender des Vereins „Veranstaltungen für Verden“, vorerst nicht. Im Gegenteil. Er hofft, nach drei Jahren Zwangspause endlich wieder einen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus aufbauen zu können. Was ihm jedoch wieder Kopfzerbrechen bereitet, sind nicht die angezeigten Energiesparmaßnahmen, sondern einmal mehr die Unsicherheit in Sachen Corona. „So genau weiß man jetzt noch nicht, ob es wieder eine Masken- oder Abstandspflicht geben wird. Und wenn, dann können wir den Weihnachtmarkt vergessen.“ Alles andere lässt sich aus seiner Sicht bewältigen. „Wir als Verein verbrauchen gar nicht so viel Energie. Bei den Marktbeschickern ist das eine andere Sache, aber das betrifft uns ja nicht.“ Man habe aber schon erwogen, auf üppige Lichterketten zu verzichten. „Den Lichterhimmel wird es definitiv nicht geben.“ Stattdessen könnte er sich vorstellen, Feuerschalen aufzustellen. Tavan selbst bestückt den Weihnachtsmarkt auch mit Ständen, die er gerätetechnisch aber zurückfahren möchte. „Alles, was nicht unbedingt notwendig ist, bleibt ausgeschaltet.“
Bürgermeister Lutz Brockmann war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Von Philipp Rohlfing, Fachbereich 6, war aber so viel zu erfahren, dass man sich zu gegebener Zeit mit dem Thema beschäftigen und den rechtlichen Rahmen einfließen lassen werde. Rohlfing: „Dabei wird es eine Rolle spielen, dass die Besucher in der Weihnachtszeit eine heimelige Atmosphäre antreffen sollen.“
