Alte Volkstänze sterben in Jeddingen nicht aus

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Die Jeddinger Tänzer mit Britta Carstens (r.) und Cora Leefers (2. v. l.)
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Von wegen altmodisch: Die Jeddinger Dorfjugend trainiert regelmäßig Volkstänze und alle jungen Leute haben mächtig Spaß dabei.

Jeddingen – Ob den „Kronen Tanz“, das „Ostländische Viergespann“, den „Lanzer“ oder den „Jägerneuner“, die Jeddinger Dorfjugend kennt alle die vielen alten Volkstänze und schwingt dazu mit Begeisterung das Tanzbein.

Bereits seit 35 Jahren studiert Britta Carstens mit 15 bis 20 Mitgliedern der Dorfjugend spätestens nach dem Schützenfest im Frühjahr die Choreografie ein, damit bis zum Erntefest alles sitzt und jeder Tanzschritt passt.

„Dabei wurde ich damals zu Beginn gleich ins kalte Wasser geworfen“, erklärt die 55-Jährige lachend. Ihr Vorgänger Jürgen Lühmann wollte nicht mehr weitermachen und Britta Carstens war als Hauswirtschaftsschülerin frisch aus Kirchwalsede nach Jeddingen gekommen. „Ich war aktiv in der Kirchwalseder Landjugend, die immer schon Volkstänze eingeübt hatte. Damals gab es noch Lehrgänge. Da wurde getanzt, bis wir Muskelkater hatten. Als ich 1984 nach Jeddingen kam, hieß es: ,Das kannst du doch, mach mal‘.“

Lange Jahre hatte sie die Gruppe mit Inge Hinrichs geleitet. Nun erhält sie von Cora Leefers große Unterstützung. „Sie hat den Überblick und weiß immer gleich, wer mit wem tanzen kann“, versichert Carstens.

„Sicherlich, es kostet viel Zeit und viel Nerven, doch es macht auch viel Spaß“, gesteht die Jeddingerin, die jeden Mittwoch von 19.30 bis 21.30 Uhr vor der heißen Phase, dem Erntefest, mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen trainiert.

„Unterstützung erhalten wir immer von Familie Dieter Carstens, vor deren Halle wir üben und bei Regen wird sie aufgeschlossen. Sie ist auch groß genug, um zwei Kreise tanzen zu lassen.“

Und wenn das Jeddinger Landhotel eine Busladung voller Heidetouristen erwartet, stellt Britta Carstens ihren Hof gegenüber zum Üben zur Verfügung. Denn dann hat die Dorfjugend im Anschluss ihren großen Auftritt auf dem vollen Saal. „Wir bieten dann eine Stunde buntes Programm und lassen anschließend den Hut rumgehen“, erklärt Britta Carstens lachend. So verdienen sie sich ihre T-Shirts, CD´s oder neue Tanzbeschreibungen. „Außerdem legt sich mit jedem Auftritt vor Publikum die Nervosität bei den Tänzern.“ Die Touristen seien jedenfalls immer begeistert und sparten nicht mit Applaus, wenn die „Deerns“ im Dirndl und die „Burschen“ im weißen Hemd und schwarzer Hose ihre Kreise drehen.

Heidetouristen staunen

Die Jeddinger Dorfjugend hat aktuell rund 80 Mitglieder und ist aus versicherungstechnischen Gründen ein eingetragener Verein. Die Tänzer kommen aus Dreeßel, Bleckwedel und Jeddingen auch bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Probe. „Ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass jeder, der will, nach seiner Konfirmation Mitglied werden kann. Es ist jeder willkommen“, betont Carstens. Sogar aus Kirchwalsede kamen Mitglieder hinzu, weil dort aktuell ein Tanzlehrer für Volkstänze fehlt.

Und besteht die Gefahr, dass die Volkstänze aussterben können? „Man findet mittlerweile viele Tanzbeschreibungen auf YouTube und im Internet, vorausgesetzt man versteht die Beschreibung. Außerdem haben wir mit Johanna Bode, Merle Gräf und meiner Tochter Stine drei junge Damen, die da reinwachsen und nachrücken werden“, ist sich die Volkstanzlehrerin sicher.

Für sie steht fest: „Volkstänze sind eine sehr schöne Sache. Wir wollen keinen Pokal gewinnen, sondern es soll sportlich sein und Spaß machen.“ Spätestens, wenn die Gäste beim „Hamburger Bunten“ zum Mittanzen aufgefordert werden, stimmen ihr alle zu.

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