VonAnke Seidelschließen
Der selbstständige Hufschmied Andreas Iloff kandidiert für die AfD als Direktkandidat für den Deutschen Bundestag bei der anstehenden Bundestagswahl.
Seine 129. Demonstration habe er hinter sich, sagt Andreas Iloff. Montag für Montag stehen sich AfD und Bündnis gegen Rechts in Bassum gegenüber, ohne dass sich inhaltlich etwas bewegt. Lebenszeitverschwendung also? Nein, meint der 58-Jährige. Bei diesen Demonstrationen kämen immer neue Unterstützer und Mitglieder dazu. Der Hufschmied aus Kirchdorf weiß, dass seine Partei und seine Person stark umstritten sind. Darauf reagiert er selbstbewusst.
Aber alles hat seine Grenzen, stellt der 58-Jährige klar: „Seit zwei Jahren werden ich und meine Familie bedroht. Es gibt immer wieder Droh- und Schmäh-Anrufe. Der Staatsschutz ist informiert.“ Der AfD-Bundestagskandidat hofft, dass die Täter gefasst und strafrechtlich belangt werden. Seine Kritiker im Bündnis gegen Rechts sehen Andreas Iloff am äußersten rechten Rand der Demokratie – und darüber hinaus. Es nervt den 58-Jährigen sichtlich, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen. „Gegen mich liegt nichts vor“, betont er. Das sei schon bei seinem Einzug in den Kreistag überprüft worden. Der Kreiswahlausschuss hat bestätigt: Die Bundestagskandidatur von Andreas Iloff ist rechtmäßig.
Der Film ist echt witzig. Das Hörbuch hat mir noch besser gefallen.
Aber wer ist der Mensch hinter dem AfD-Parteibuch? Mag er Hitler? Genau das hatte ihn unlängst Verleger Reinald Schröder in seinem Podcast gefragt. Andreas Iloff zuckt mit den Schultern: „Genauso hätte man mich nach Mao Tse Tung fragen können.“ Fragen wir also anders: Kennt der 58-Jährige den Film „Er ist wieder da“, die preisgekrönte Persiflage auf die Wiederauferstehung Hitlers? Der AfD-Kandidat lacht: „Der Film ist echt witzig“ – und fügt schmunzelnd hinzu: „Das Hörbuch hat mir noch besser gefallen.“
Andreas Iloff ist in Wuppertal aufgewachsen, sein Vater war gelernter Schleifer von Bohrern für den Bergbau. „Ich komme aus einem klassischen sozialdemokratischen Elternhaus“, sagt der AfD-Bundestagskandidat. Er ist gelernter Schmied – Metallbauer mit Fachrichtung Gestalten – und war nach dem Wehrdienst zwölf Jahre Fallschirmjäger. Auch im Auslandseinsatz sei er gewesen, in Bosnien-Herzegowina. „Wir waren da, als der Bürgerkrieg gerade zu Ende war. Ganze Straßenzüge waren zerstört“, sagt der 58-Jährige mit leiser Stimme. Hat ihn diese Erfahrung zu einem Pazifisten gemacht? Andreas Iloff verneint: „Verteidigung muss schon sein. Ich bin nicht kriegsbereit. Es geht um eine Verteidigung, die vor Angriffen schützt.“
Warum hat er sich trotz sozialdemokratischer Wurzeln für eine rechte Partei entschieden? „Mein Vater war ein Anhänger von Helmut Schmidt“, antwortet der AfD-Kandidat, auch er habe Schmidt akzeptiert. „Gerhard Schröder war auch noch erträglich. Aber dann hat sich die politische Welt immer mehr nach links verschoben.“ Deshalb wolle er ein Gegengewicht setzen. Nach der Geburt seiner Tochter habe er sich entschieden, etwas für die Zukunft zu tun: „Ich bin Gründungsmitglied der AfD.“
Heutzutage gehe die Politik nicht mehr in die Tiefe, sei oberflächlich. „Die Menschen erwarten Lösungen“, fügt der Hufschmied hinzu. Er will einen schlanken Staat, der so wenig wie möglich und so viel wie nötig regele: „Die Leute wissen selbst, wie sie heizen müssen.“ Die Bürokratie müsse konsequent zurückgebaut werden. Der 58-Jährige betont: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine Protestkultur.“ Sie müsse von Respekt und Toleranz geprägt sein, nicht von gewalttätigen Auseinandersetzungen: „Demokratie wird durch Gesetze geregelt, an die sich alle zu halten haben. Punkt!“
Wie bewertet er das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Sachsen, dass die AfD Sachsen vom Landesamt für Verfassungsschutz zu Recht als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft ist? „Ich distanziere mich nicht vom Landesverband Sachsen“, so der AfD-Bundestagskandidat, „der Verfassungsschutz ist politisch instrumentalisiert und wird gegen die AfD in Stellung gebracht“. Der 58-Jährige erklärt: „Die AfD ist nicht extremistisch. Punkt!“
Doch hat ihn die Taz in einem Bericht als Bundestagskandidaten dargestellt, der den Reichsbürgern nahesteht – als einen umstrittenen Kandidaten mit Angriffsfläche, der dem Verfassungsschutz seit 1990 bekannt ist. Andreas Iloff kennt den Bericht und spricht von einer Hexenjagd: „Ich gehe gegen die Taz vor. Der Artikel liegt bei meinem Rechtsanwalt auf dem Schreibtisch.“ Alles, was er selbst gesagt oder geschrieben habe, so Iloff, „ist von der Meinungsfreiheit gedeckt“. Heimat und Brauchtum, fügt er hinzu, seien ihm wichtig.
Technik begeistert und restauriert gerne Oldtimer
Liest er gern? „Ein Romantyp war ich nie ...“, entgegnet der 58-Jährige, trotzdem habe er von Kindheit und Jugend an gern gelesen. Vor allem die Sagenwelt habe ihn interessiert – wie die Nibelungen. Wer ist sein Lieblingsheld in dieser Saga? „Hagen von Tronje“, schmunzelt der Hufschmied. Er lese gern Biografien wie die von Henry Ford oder Ferdinand Piëch. „Ich bin Technik-begeistert“, fügt er hinzu. In seiner Freizeit restauriere er gerne Oldtimer. Aber er sei auch sportbegeistert. Mit seinen beiden Kindern fahre er auch Kajak auf der Großen Aue. „Kinder sollten frei aufwachsen und Spaß haben“, betont er, „vor allem Lebensfreude“.
Die Große Aue liegt bei ihm quasi vor der Haustür: Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern lebt der Hufschmied, der seit 24 Jahren selbstständig ist, auf einem Hof bei Kirchdorf. Zwei Pferde, zwei Hunde und zwei Katzen gehören zur Familie. Der AfD-Bundestagskandidat betont: „Menschen, denen Tiere nicht trauen, sind mir suspekt.“
Die Kandidaten ganz persönlich
In unserer Reihe „Die Kandidaten ganz persönlich“ stellen wir die Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I vor. Was hat sie zur Politik gebracht und wie gestalten sie ihre Freizeit? Welche Hobbys haben sie? Heute präsentieren wir das Porträt des AfD-Kandidaten Andreas Iloff. Er kocht für die Familie gern Hausmannskost, klassische deutsche Küche. Sein Lieblingsgericht ist Sauerbraten.
