VonAnn-Christin Beimsschließen
Die Summer Sensation hat für ein paar Anwohner des Weichelsees das Fass zum Überlaufen gebracht: Sie haben aufgrund von Lärmbelastung ein Schreiben mit Forderungen nebst Unterschriftenliste erstellt. Doch nicht alle sehen die Veranstaltungen so kritisch.
Rotenburg – Feiern, Spaß haben, sich mit Freunden treffen und tanzen: Alles Dinge, die während der vergangenen zwei Jahre stark eingeschränkt waren. Entsprechend ruhiger ging es die meiste Zeit auch am Rotenburger Weichelsee zu. Jetzt, wo auch größere Veranstaltungen wieder möglich sind, nimmt der Lärm an einigen wenigen Tagen zu. Und der bringt nun die Anwohner des Sees am Weicheler Damm, dem Rönnebrocksweg und im Imkersfeld auf die Palme.
Die Forderung der Weichelsee-Nachbarn: die Einhaltung der Auflagen unabhängig vom Veranstalter zu überprüfen und dem Schutzauftrag gegenüber den Bewohnern nachzukommen, indem „Veranstaltungen bezüglich Häufigkeit, Lautstärke und vor allem Dauer“ so begrenzt werden. So solle ein wirksamer Emissionsschutz gewährleistet werden, heißt es in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Allerdings noch nicht der Stadtverwaltung: Schreiben nebst Unterschriftenliste ist dort Stand Mittwoch noch nicht eingegangen, so Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann. Das Thema hat jedoch Grünen-Ratsherr Joachim Hickisch in der jüngsten Ratssitzung aufgenommen.
Summer Sensation habe ganze Stadtteile unerträglicher Lärmbelastung unterzogen
Besonders bei der Summer Sensation zuletzt seien „ganze Stadtteile einer unerträglichen Lärmbelastung unterzogen“ worden – mit „weit über das normale Maß hinaus gehender Musik“, mit Beginn bereits am Nachmittag. Die Unterzeichner gehen davon aus, dass die behördlich vorgegebenen Emissionsgrenzen nicht eingehalten wurden. Aber: Auf die Einhaltung der Auflagen werde geachtet, erklärt Schiemann.
Denn solche Veranstaltungen brauchen keine städtische Genehmigung. Die Organisatoren bekommen aber eine Auflagenverfügung. Darin geht es explizit um Lärmschutz und eine Dezibelbegrenzung. „Die wird nachgemessen und vom Veranstalter vorgelegt“, so Schiemann. Aus mehreren Telefonaten weiß er, dass das Problem weniger mit der Lautstärke als vielmehr mit den Bässen besteht. „Da werden wir mit dem Veranstalter sprechen, wie man technisch nachbessern kann.“ Dass es diese Möglichkeiten grundsätzlich gibt, merkte auch Frank Westermann (CDU) in der Sitzung an. „Wir sollten das Gute, was da passiert, nicht gleich wieder kaputt reden“, mahnte er zudem an.
Einzelne Veranstaltungen müssen auch möglich sein.
Auch Schiemann merkt an, dass nach Emissionsschutzrecht bis zu 18 Veranstaltungen im Jahr zugelassen werden können. „Da sind wir deutlich drunter.“ Rotenburg, sagt er, ist „keine Partyhochburg“. Und auch Bürgermeister Torsten Oestmann äußert sich ähnlich: „Wir müssen einen Ausgleich schaffen zwischen dem Ruhebedürfnis einzelner und dem, dass auch mal etwas los sein muss.“ Bereits in der Sitzung hatte er an Rotenburg gleich „Totenburg“ erinnert. „Wir sind für alle da und müssen für alle Bevölkerungsschichten ein Angebot bereitstellen.“ Natürlich würde man die Beschwerde ernst nehmen, prüfen, was verbessert werden kann. Aber: „Einzelne Veranstaltungen müssen auch möglich sein“, meint Schiemann. Zudem seien im Nachgang der Sitzung auch ganz andere Anrufe aus der Nachbarschaft bei Oestmann eingegangen: nämlich jene, die ganz klar sagen, man solle den Leuten den Spaß doch gönnen.
Hickisch spricht auch Investor Roland Nielebock zu, dass seine Ideen für eine Aufwertung des Naherholungsgebietes gesorgt haben. „Allerdings darf dies nicht ausschließlich auf Kosten der Anwohner gehen“, merkt er an, dass es eine Win-Win-Situation geben müsse. Denn in dem Schreiben geht es auch um Tage wie Himmelfahrt oder Pfingsten. Zudem sei bei der Summer Sensation der Sandstrand zeitweise gesperrt gewesen und damit eine Umrundung des Sees oder ein Aufenthalt von Naherholungsgästen nicht möglich gewesen, kritisiert der Ratsherr. „Hier muss eine Regelung gefunden werden.“
