Auch im Landkreis Rotenburg: Brennholz und Öfen immer begehrter

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Im Landkreis gibt es einen Run auf Kaminöfen. Die Schornsteinfeger haben gut zu tun.
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Die Energiekrise hat viele Hausbesitzer umdenken lassen: Auch im Landkreis Rotenburg schaffen sich immer mehr einen Kamin an, um mit Holz zu heizen. Die Schornsteinfeger haben alle Hände voll zu tun. Der Beratungsbedarf steigt.

Rotenburg/Gnarrenburg – Bereits im Sommer haben viele Politiker versucht, die Bevölkerung auf einen kalten Winter einzuschwören. Der Krieg in der Ukraine, die daraus resultierende Energiekrise mit hohen Öl- und Gaspreisen hat viele verunsichert: Jeder merkt, dass Wärme immer mehr Geld kostet. Viele schauen sich daher nach Alternativen um, und so gerät ein Klassiker in den Fokus der Hausbesitzer: der Holzofen. Doch wie vieles andere ist in Folge der erhöhten Nachfrage auch das Brennholz in den vergangenen Monaten immer teurer geworden.

„Die Leute ändern ihr Heizverhalten“, hat auch Bernd Wülpern festgestellt. Der Run auf die Öfen sei derzeit „extrem“, sagt er. Wülpern ist Rotenburgs Kreisobmann der Schornsteinfegerinnung und hat wie seine Kollegen derzeit gut zu tun. Insbesondere Beratungsgespräche führt der Gnarrenburger derzeit wesentlich mehr als üblich. Er nennt mehrere Gründe für die Anschaffung eines Kamins: Auf der praktischen Seite sei es immer sinnvoll, auch eine Alternative zur Öl- oder Gasheizung im Haus zu haben, falls deren Brennstoffe einmal ausgehen sollten.

Kosten für Brennholz rapide gestiegen

Der vielleicht eher emotionalere Pluspunkt sei dagegen die Wärme an sich: Aus dem Kamin sei sie wohliger und angenehmer. Tatsächlich spare man auch Energie ein, die Beschaffungskosten für das Brennmaterial können dagegen unterschiedlich aussehen: Wenn man die Möglichkeit hat, Holz selbst zu schlagen, ist es im Vergleich günstiger, aber eben auch aufwendiger in der Beschaffung. Wer diese Möglichkeit nicht hat, muss sich dafür auf dem aktuell hochpreisigen Brennholzmarkt versorgen.

Vorsicht vor Rußablagerungen

Rotenburgs Kreisobmann der Schornsteinfegerinnung, Bernd Wülpern, mahnt: Sollten im Winter Öfen nicht mehr nur gelegentlich, sondern regelmäßig über einen längeren Zeitraum genutzt werden, kann eine Änderung des Kehrintervalls notwendig sein, damit die Betriebs- und Brandsicherheit der Anlagen weiterhin sichergestellt ist. Denn wo mehr Holz verbrannt wird, fällt auch mehr Ruß an – eine Brandgefahr, wenn der Schornstein nicht auch häufiger gereinigt wird. Vorsicht ist auch beim Holz angemessen: „Wer feuchtes Holz verbrennt, verursacht mehr Emissionen und Ablagerungen in seinem Schornstein“, so Wülpern. Rußablagerungen wiederum erhöhen nicht nur die Brandgefahr, sie verhindern auch, dass Abgase aus dem Ofen vollständig abziehen können. „Wenn aufgestaute Abgase in den Aufstellraum austreten, besteht akute Gesundheitsgefahr für die Bewohner.“

Für den Kauf von Holz zum Heizen von Öfen oder Heizungen mussten Verbraucher im August 2022 deutlich mehr ausgeben als noch ein Jahr zuvor, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Die Preise für Brennholz und Holzpellets haben sich demnach im August 2022 um 85,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht – „deutlich stärker als die Verbraucherpreise insgesamt“, heißt es. Diese nahmen im selben Zeitraum um 7,9 Prozent zu. Gründe für die überdurchschnittliche Preissteigerung liegen neben der gestiegenen Nachfrage auch in den erhöhten Beschaffungs- und Transportkosten in der Holzindustrie.

Noch deutlicher zeige sich diese Entwicklung laut Bundesamt beim Blick auf die Erzeugerpreise von zum Heizen verwendetem Holz: So seien Holzplättchen und -schnitzel im August 2022 um 133,3 Prozent teurer gewesen als ein Jahr zuvor. Die Preise für Holzpellets hätten im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 108,2 Prozent höher gelegen.

Alte Öfen müssen ersetzt werden

Auch unter Umweltaspekten scheinen Öfen besser als landläufig vermutet, der Wirkungsgrad liege erheblich höher als noch vor einigen Jahren. Moderne Öfen fallen unter das Emissionsschutzgesetz, klärt Schornsteinfeger Wülpern auf. Dieses wurde seit seiner Einführung für Öfen im Jahr 2010 nach und nach verschärft, auch der Bestandsschutz für ältere Geräte laufe mit den Jahren aus, so Wülpern. Bis Ende 2024 müssten die nach 1995 errichteten Öfen teuer umgerüstet oder ersetzt werden, um weiter betrieben werden zu dürfen. Manche Kunden würden sich damit schwertun, hat Wülpern beobachtet. Doch nach einer Neuanschaffung seien sie schnell wieder zufrieden. Neue Öfen sind auch ärmer im Verbrauch von Holz.

Bereits im Sommer – wenn es eigentlich saisonal ruhiger zugeht bei den Schornsteinfegern – musste Bernd Wülpern ungewöhnlich viele Informationsgespräche führen. Er führe aktuell „fast nur“ Beratungen zum Thema Ofen durch. Doch auch dort sei der Markt begrenzt. In Baumärkten seien Öfen schwer zu bekommen, Fachhändler seien auf Monate ausgelastet, so der Schornsteinfeger.

Langes Warten auf den Schornsteinfeger

Das Problem seiner Zunft: Man muss die eigentliche Arbeit eines Schornsteinfegers neben den Beratungen unterbringen. So müssen sie neue Kaminöfen abnehmen, ehe sie überhaupt in Betrieb gehen dürfen. Zwar müssen dafür Fristen eingehalten werden, allerdings beträgt die Wartezeit für einen Termin aktuell bis zu vier Wochen. Das sollte man bei der Installation eines neuen Ofens berücksichtigen, rät Wülpern.

Feuerungsanlagen dürfen, auch wenn sie geändert worden sind, erst in Betrieb genommen werden, wenn der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger die Tauglichkeit der Abgasanlagen und die sichere Benutzbarkeit der Feuerungsanlagen bescheinigt hat. Am besten organisiere man sich bereits einen Termin, wenn man den Lieferzeitpunkt kennt. Schließlich möchte man ja auch gleich damit heizen wollen, sobald der Kamin da ist. „So kann man Enttäuschungen vorbeugen“, sagt Wülpern.

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