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SPD-Abgeordnete Peggy Schierenbeck verliert Mandat / AfD drittstärkste Kraft
Herbe Verluste für die SPD, ein Plus für die CDU und ein enormer Zuwachs für die AfD prägen das Ergebnis der Bundestagswahl im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I. Stärkste Kraft ist mit 30,42 Prozent nun wieder die CDU, die ein Plus von 5,13 Prozentpunkten verbuchen konnte. Die SPD musste sage und schreibe 10,2 Prozentpunkte abgeben und sich mit 22,82 Prozent bescheiden. Dagegen gelang es der AfD, mit einem Zuwachs von sage und schreibe 10,46 Prozentpunkten auf 17,57 Prozent drittstärkste Kraft im Wahlkreis zu werden. Das Direktmandat holte der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig, der 35,36 Prozent der Stimmen bekam. Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Peggy Schierenbeck gab es 27,53 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 83,52 Prozent.
Schierenbeck: Bestes Ergebnis in Weyhe
In fast allen Kommunen im Wahlkreis hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig die sprichwörtliche Nase vorn. Ihre Heimatgemeinde Weyhe entschied Peggy Schierenbeck aber für sich. Axel Knoerig, seit 15 Jahren in Berlin, konnte sein persönliches Ergebnis um 1,6 Prozentpunkte verbessern. Die Freude darüber war groß bei der Wahlparty des CDU-Politikers in Wehrbleck.
„35 Prozent sind schon ein schöner Erfolg“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete, der gestern mit knapp 70 Freunden und Weggefährten feierte. „Wir sind allerdings erschrocken über das Wahlergebnis der AfD“, erklärt der CDU-Politiker, insbesondere über den hohen Stimmenanteil für den umstrittenen Kandidaten Andreas Iloff. „Aber das Mandat haben wir für unsere Region wieder gesichert“, so Axel Knoerig. Die hohe Wahlbeteiligung freute ihn besonders.
Peggy Schierenbeck musste 4,4 Prozentpunkte abgeben und sich mit 27,53 Prozent der Stimmen bescheiden. „Ich bin raus“, stellte sie gestern Abend traurig fest. Zwar habe sie sich „gut geschlagen“ im Vergleich zum Bundestrend – sie hatte fast fünf Prozent persönliche Stimmen mehr erhalten als ihre Partei selbst–, aber das reiche nicht. „Ich hatte gehofft, dass mein Fleiß sich auszahlt“, erklärte sie. Aber am Ende könne man gegen den Bundestrend nicht an. „Wir haben so toll gekämpft und so einen tollen Wahlkampf gemacht“, fügt sie hinzu – und dankte ihrem Team.
AfD feiert in Twistringen
In Twistringen hat auch die AfD ihren Wahlsieg gefeiert. Wo genau, wollte AfD-Bundestagskandidat Andreas Iloff nicht sagen. Nur soviel: „Es war eine schöne Feier.“ Seine Partei habe ihr Wahlergebnis mehr als verdoppelt und sei drittstärkste Kraft geworden. Dass die Wahlbeteiligung so hoch gewesen sei, liege auch „an der Polarisierung zur AfD“. Wie stark deren Bundestagskandidat punkten konnte, zeigte sich besonders deutlich in der Samtgemeinde Barnstorf. Dort holte er 22,45 Prozent der Stimmen, während Peggy Schierenbeck 25,81 Prozent bekam – nur 3,36 Prozentpunkte mehr.
Herbe Verluste für die Grünen
Mit 8,08 Prozent musste sich Thomas Heidemann als Bewerber der Grünen zufriedengeben, der erstmals für den Bundestag kandidierte. Herbe Verluste mussten die Grünen verkraften, bei den Zweitstimmen holten sie 10,26 Prozent – 4,22 Prozentpunkte weniger als noch vor dreieinhalb Jahren. FDP-Bewerberin Heike Hannker, die ebenfalls zum ersten Mal kandidierte, erhielt 3,3 Prozent der Stimmen. Bei den Zweitstimmen büßte die FDP 6,10 Prozentpunkte ein, landete bei 4,57 Prozent.
Kommentar: Historisches politsches Erdbeben
Für die SPD im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I ist die Bundestagswahl 2025 zum Desaster geworden. Sie hat nicht nur ihre Mehrheit verloren, sondern ihre Bundestagsabgeordnete Peggy Schierenbeck auch ihr Mandat. Für sie ist der Abschied aus dem Bundestag bitter, denn sie hat sich in den vier Jahren ihrer Mandatszeit mit viel Fleiß und Empathie ihrer politischen Aufgabe gestellt.
Es ist ein historisches politisches Erdbeben im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I. Denn die AfD hat es nicht nur zur drittstärksten Kraft in diesem Wahlkreis gebracht: Sie hat ihr Ergebnis auch verdoppelt. Nur gut fünf Prozentpunkte trennen sie vom SPD-Ergebnis.
Das ist ein klares Signal der Wähler im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I. Dieses politische Erdbeben beweist, wie unzufrieden die Wähler mit der Politik der Ampel in Berlin waren. Sie haben ihr noch einmal die tiefrote Karte gezeigt – verbunden mit der Botschaft: Ein Weiter-so kann es nicht geben.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig konnte sein persönliches Ergebnis sogar noch verbessern, die CDU ist wieder stärkste Kraft im Wahlkreis geworden. Ein Zeichen dafür, dass Bodenständigkeit in diesem Wahlkreis noch immer zählt. Bodenständigkeit ist es, die in der politischen Landschaft Erfolg hat. Diese Landschaft hat sich mit der Bundestagswahl verändert. Alle Parteien werden lernen müssen, damit umzugehen – und nach einem pragmatischen Weg zu suchen, statt nur zu polarisieren.
Von Anke Seidel
Die Linke dagegen verbesserte ihr Ergebnis um 3,2 Punkte auf 6,81 Prozent. Ihr Bewerber Michael Barth – auch er kandidierte zum ersten Mal – holt 5,97 Prozent. Für Kareen Heineking, erste Direktkandidatin der Freien Wähler, gab es 2,76 Prozent. Ihrer Partei gaben 1,2 Prozent der Wähler ihre Stimme.

