Freibadsaison in Rotenburg leidet unter Regen und geschlossenem Hallenbad

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Sie kommen auch bei Starkregen ins Ronolulu: Freibadstammgästen wie Jürgen Heins und Heidi Peisert ist das Wetter egal – sie ziehen ihre Bahnen im 26 Grad warmen Schwimmerbecken.

Die Saison im Freibad des Ronolulu leidet unter Regen, eingeschränkten Öffnungszeiten und dem geschlossenen Hallenbad, denn gerade Familien nutzen gern beides.

Rotenburg – Ein Ehepaar aus Verden steht vor dem Haupteingang des Ronolulu, doch die automatische Schiebetür öffnet sich nicht. Wegen der Bauarbeiten am Hallenbad sind das Freibad und die Sauna werktags bis 16 Uhr geschlossen. Nun ist Vormittag, die beiden verhinderten Saunagänger, ausgestattet mit Equipment in zwei Rollkoffern, zieht etwas enttäuscht wieder ab.

„Im Internet“ hätte nichts von eingeschränkten Öffnungszeiten gestanden. Bei Google findet man tatsächlich die regulären Zeiten, aber auf der Website und den Social-Media-Auftritten des Schwimmbads werde darauf hingewiesen, so Christian Ohly, stellvertretender Badleiter. Stand jetzt öffnet das Bad ab 14. August wieder wie gewohnt um 6 Uhr, die Sauna um 10 Uhr. An Wochenenden gelten jetzt schon die bekannten Zeiten.

Nur wenn die Bauarbeiter am Hallendach werkeln, ist die Gefahr zu groß, dass Badegästen ein großer Balken auf den Kopf fällt, den der hochhausgroße Baukran von seiner Kette verlieren könnte. „Das Risiko einzugehen, wäre fahrlässig“, sagt Schwimmbadtechniker Timo Knoop. Ab Mitte August sei diese Gefahr wohl gebannt.

Ohly und Badleiterin Irena Carstens sind selbst nicht glücklich mit den Einschränkungen. „Wir sind familien- und kinderorientiert, da kommen eh weniger Besucher, wenn das Hallenbad geschlossen ist“, sagt Ohly. Am 1. Mai begann die Freibadsaison – für den Zeitraum bis heute verzeichnet das Ronolulu 40 Prozent weniger Besucher als 2022 oder im Vor-Corona-Jahr 2019. Im verregneten Juli waren es weniger Gäste als während der Pandemie 2021 und im Vergleich zu 2019 weniger als die Hälfte. Beide wirken fast entschuldigend, wenn sie berichten, dass das selbst gesteckte Ziel von 300 000 Gästen 2023 nicht zu halten sei. Dabei können sie weder etwas fürs Wetter noch für die Bauarbeiten. „Die Sanierung ist ja auch nicht umsonst“, sagt Ohly. Abgesehen davon, dass das alte Hallendach energetisch eine Katastrophe war, wolle man für die Kunden einen Mehrwert schaffen.

Ähnlich sieht es beim alten Nichtschwimmerbecken im Freien aus, das bei Familien beliebt war und nun von den Baggern plattgemacht wurde. „Dort sind regelmäßig Fliesen herausgebrochen, die notdürftig geflickt wurden“, verdeutlicht Ohly. Knoop ergänzt: „Jedes Jahr waren dort Sanierungen nötig, das war zu teuer im Unterhalt.“ Außerdem sei das Becken für Babys und Kleinkinder nur an wenigen heißen Tagen genutzt worden. In diesem Bereich wird in diesem Jahr nichts Neues entstehen, aber für 2024 lasse man sich ein Kinderangebot im Freien einfallen, das möglichst besser als das alte ist. „Wir werden dort nicht nur Rasen säen“, verspricht Ohly, mehr werde noch nicht verraten. Der junge Vater verweist angesichts des geschlossenen Hallenbads auf das 29 Grad warme Erlebnisbecken, mit Schwimmflügeln sei das auch etwas für Nichtschwimmer.

Der Kran ist fürs neue Hallenbaddach da, beeinträchtigt aber den Freibadbetrieb.

„In vielen Bädern werde derzeit gebaut, nicht nur in Rotenburg“, sagt Carstens, nach 20, 25 Jahren, in denen nichts gemacht wurde, schwappe eine Sanierungswelle durch die Bäderlandschaft. Carstens wird unterbrochen, das Telefon klingelt, ein potenzieller Badegast erkundigt sich, was denn nun wann geöffnet sei. Die Badchefin nennt das geschlossene Hallenbad, wirbt beim Anrufer für Freibad, Sauna und Massagen. Solche Gespräche seien derzeit Tagesgeschäft.

Sogar das für Ende Juli geplante Kinderfest hatte wetterbedingt abgesagt werden müssen. So eine Absage habe Carstens noch nie erlebt, sagt sie zerknirscht. „Wir wollen den Gästen aber etwas bieten“, betont Ohly, kündigt nun eine Poolparty für Sonntag, 13. August, ab 14 Uhr „für alle Altersklassen“ an – mit Wasserrutsche auf dem Rasen für die Kleinen und DJ für die Jugendlichen. „Wir wollen handeln“, bekräftigt Carstens.

Immerhin, der Juni war begünstigt durch das Wetter ein erfolgreicher Monat. Der Tagesrekord steht 2023 bislang bei 1 600 Besuchern, in früheren Jahren waren es schonmal mehr als 2 000 – da gab es aber sowohl Hallen- als auch Freibad. 2022 habe Ohly die Saison im April im Schnee vorbereitet, im Mai herrschten dann sommerliche Temperaturen. Sprich: Die Badleitung zeigt sich bemüht, den Gästen so viel Freibad wie möglich zu bieten. Gerade ohne Hallenbad sei denkbar, das Freibad bis Ende November offenzuhalten.

Diesem Ziel gegenüber steht aus ökologischen und ökonomischen Gründen das Thema Energiesparen. Die beiden großen Dauerbecken zu heizen, sei in der kalten Jahreszeit aufwendig, dagegen sei der Winterbetrieb des Außenbeckens des Hallenbads fast zu vernachlässigen.

„Wir kamen ja von der Coronakrise direkt in die Energiekrise“, sagt Ohly, für manche Gäste, die von weiter her kommen und somit Fahrtkosten haben, sei der Badbesuch schon teuer. „Wobei wir im Vergleich zu anderen Bädern günstig sind“, wirft Carstens ein. Sie denke aber auch an die Jahreskarteninhaber, die ihre Bahnen ziehen wollen, egal ob verregneter Sommer oder kalter Herbst. Denn die kommen immer – und wenn um 6 Uhr noch geschlossen ist, dann stehen sie eben spätestens um 16 Uhr vor der Tür.

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