VonGuido Menkerschließen
Nur wenige Monate nach dem Abschied von Clemens Bumann hat die Stadt Rotenburg einen Nachfolger für den bisherigen Leiter des Bauamtes gefunden: Der 36-jährige Roman Lauchart übernimmt. Und der hat unter anderem das Mikroklima im Blick: „Das hat was mit Lebensqualität zu tun.“
Rotenburg – Torsten Oestmann hinterlässt einen zufriedenen Eindruck. Es gibt zurzeit mehrere personelle Baustellen im Rotenburger Rathaus. Eine davon kann der Bürgermeister als erledigt abhaken. Zum 1. September und damit nur wenige Monate nach dem Abschied von Clemens Bumann übernimmt Roman Lauchart die Leitung des Bauamtes.
Die Entscheidung ist im hinter verschlossenen Türen tagenden Verwaltungsausschuss getroffen worden. Das Ergebnis in der Abstimmung sei einstimmig ausgefallen – ob, beziehungsweise wie viele Enthaltungen es gab, sagt er nicht. Dem Vernehmen nach soll es allerdings auch kritische Stimmen gegeben haben. Denn Roman Lauchart hat vor seinem Wechsel als Abteilungsleiter im Fachbereich Entwässerung siebeneinhalb Jahre lang bei der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) gearbeitet – ein Fachbüro, das in Rotenburg sehr aktiv ist.
„Ich habe Roman Lauchart seit Anfang des Jahres kennenlernen dürfen, und ich schätze ihn fachlich sowie persönlich, er ist ein absolut loyaler Mitarbeiter“, betont Oestmann. Er sei nicht blauäugig und kenne die Hintergründe der Kritik, wolle darauf allerdings nicht weiter eingehen. Nur so viel: „Wir stehen allen Planungsbüros neutral gegenüber.“ Man werde fachlich alles „sauber bearbeiten“. Oestmann spricht davon, mit ihnen fair und sachlich zu kooperieren. Ins gleiche Horn stößt auch Roman Lauchart selbst.
Dann kann es also losgehen mit einem neuen Chef im Bauamt, der die Verantwortung für knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur im Rathaus, sondern auch auf dem Bauhof sowie an der Kläranlage übernimmt. Für seine bisherige Aufgabe als Abteilungsleiter im Fachbereich Siedlungswirtschaft muss noch ein Nachfolger gefunden werden, so Oestmann.
Der Job im Bauamt reizt den 36-jährigen Lauchart sehr, und er ist sich auch der besonderen Herausforderung bewusst, die damit verbunden ist. „Es reizt mich, aktiv und mit allen Beteiligten die Stadt zu entwickeln und zu gestalten.“ Reine Planungsaufgaben würden für ihn weniger, dafür gebe es die Fachabteilungen. „Aber ich habe natürlich Vorstellungen und gebe die Richtung vor.“
Lauchart selbst bezeichnet sich als ein Freund davon, nicht die Scheuklappen aufzusetzen, sondern vielmehr den Blick auch über den Tellerrand hinaus zu wagen. „Dabei schaue ich auch auf das, was andere machen.“
Dem neuen Bauamtsleiter ist natürlich nicht entgangen, dass die Stadt einige dicke Brocken vor der Brust hat. Sollte es mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm klappen, geht er zusammen mit Oestmann von einer Zeitschiene aus, die sich über bis zu 15 Jahre erstreckt. Zahlreiche Projekte sind angedacht. Es wird was passieren.
Dazu gesellt sich die große Aufgabe, die Stadt in Sachen Kanalisation und Entwässerung aufzumöbeln. Darüber hinaus hatte Oestmann bereits im Stadtrat angekündigt, dass mit der Einführung der IGS-Oberstufe weitere bauliche Maßnahmen verbunden sind – mit millionenschwerem finanziellen Aufwand. Lauchart: „Wir sind gut aufgestellt.“ Aber natürlich werde man von Fall zu Fall externe Büros in die Aufgaben einbinden. Parallel dazu hält es der 36-Jährige für erforderlich, die internen Prozesse im Bauamt zu optimieren.
Fünf Fachabteilungen sind für den neuen Chef im Blick zu behalten: das Amt für Siedlungswasserwirtschaft, das für Planung, der Bereich Hochbau und Gebäudemanagement, das Amt für Straßenrecht in Kombination mit dem Friedhofswesen und Umwelt sowie das Ressort Straßenbau und Grünflächen. An welchen Stellen personell noch etwas aufzustocken ist, müsse sich, so Lauchart, aus den weiteren Aufgaben ergeben. Für das Planungsamt ist bereits eine neue Kollegin gefunden worden – sie startet am 1. September in den Job.
In einem Gespräch mit unserer Redaktion hatte Torsten Oestmann schon vor einigen Tagen von der Idee gesprochen, sich über Stipendien junge Nachwuchskräfte sichern zu wollen. Spruchreif sei das noch nicht, aber auch Lauchart hält diesen Weg für sinnvoll. Denn es sei zurzeit schwer, gute Mitarbeiter zu finden. Die Nachfrage ist überall enorm groß.
Bei einem neuen Bauamtsleiter drängt sich eine Frage ganz besonders auf: Welchen Stil bevorzugt er? Schließlich hängt davon das Gesicht der Stadt ab. „Ich bin kein Freund davon, alles einheitlich zu gestalten. Viel mehr plädiere ich für einen Mix, der aber in sich schlüssig sein muss.“ Die Stadtentwicklung sei ganzheitlich zu betrachten. Architekten-Wettbewerbe können dabei helfen, findet er.
Auch öffentliche Ideen-Wettbewerbe seien denkbar. Stichwort: Öffentlichkeitsbeteiligung. „Vollendete Tatsachen wecken keine Begeisterungsstürme“, sagt Lauchart. Eingehende Ideen könnten gesammelt und schließlich mit in die Beratungen eingehen. „Einbindung“, sagt Lauchart, „ist das beste Mittel.“ Zwar nicht in jedem Fall, nicht bei jeder Maßnahme. Aber dann, wenn es sich um einen gewissen Aufwand und um Leuchtturmprojekte etwa dreht.
Es geht um Herausforderungen – auch um die, die der Klimawandel und seine Auswirkungen mit sich bringen. Lauchart spricht von flächenschonender Nachverdichtung in der Stadt, von der Vermeidung, einfach immer weiter Flächen zu versiegeln. Das erfordere auch Mut. „Die wassersensible Stadtentwicklung muss angegangen werden“, so der 36-Jährige. Es gebe Städte, die das Thema bereits aktiv anpacken. Die Innenstadt müsse entsiegelt werden, damit Wasserspeicher entstehen. „Es geht um das Mikroklima – damit kann man spielen und auch gestalten.“ Verdunstungskühle sorge für mehr Lebensqualität, daher sei Wasser so viel wie möglich und so kurz wie nötig zu speichern. Er spricht von Grünflächen und -dächern sowie von Beschattung. Oestmann: „Die Diskussionen dazu werden langsam leichter – wir sind ja mitten drin im Klimawandel.“
