VonAnke Seidelschließen
Der Jahreswechsel 2022/23 war für die Einsatzkräfte im Landkreis Diepholz sehr arbeitsreich. In Diepholz wurde Stadtbrandmeister Frank Schötz bedrängt.
Landkreis Diepholz – Viel Arbeit und Aggression hat der Jahreswechsel für die Feuerwehren im Landkreis gebracht. Mit der Rückkehr des Silvesterfeuerwerks und der Knallerei sind auch die Einsatzzahlen für die ehrenamtlichen Helfer explodiert: Mussten sie im vergangenen Jahr nur zweimal ausrücken, so waren in diesem Jahr 22 Einsätze zu bewältigen. Außerdem: Nicht nur viel Arbeit, sondern auch Aggression mussten die Löschkräfte ertragen. Vorfälle gab es in Diepholz und in Twistringen.
Innerhalb von 12 Stunden: 72 Rettungsdienst- und 22 Feuerwehreinsätze
Zu den Einsatzzahlen: Innerhalb von zwölf Stunden, sprich von Silvester 19 Uhr bis Neujahr 7 Uhr, koordinierte die Einsatz- und Rettungsleitstelle insgesamt 94 Einsätze, von denen in 72 Fällen der Rettungsdienst gefordert war. Das berichtete Klaus Speckmann als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bevölkerungsschutz auf Anfrage dieser Zeitung. 22 Einsätze musste die Feuerwehr in diesem Zeitraum schultern, darunter war eine technische Hilfeleistung. „Der Löwenanteil waren Kleinbrände“, so war von Klaus Speckmann zu erfahren.
Das Einschatzgeschehen des Vorjahres, in dem Feuerwerk und Böller untersagt waren, stellte sich ganz anders dar. Damals, so berichtete der Fachdienstleiter, war der Rettungsdienst im gleichen genannten Zeitraum in 55 Fällen gefordert gewesen. Für die Feuerwehr hatte es nur zwei Einsätze gegeben, darunter eine technische Hilfeleistung.
Ertragen mussten ehrenamtliche Einsatzkräfte zum Jahreswechsel nun auch Aggression. Persönlich betroffen: Der Diepholzer Stadtbrandmeister Frank Schötz, der bei einem Löscheinsatz in einem Diepholzer Wohnviertel von einem Jugendlichen bedrängt und geschubst worden war.
Älterer Mitbürger greift ein und hilft dem Stadtbrandmeister
Das Geschehen am Neujahrsmorgen gegen 2.15 Uhr schildert Frank Schötz, der in seinem Privatfahrzeug mit Blaulicht zum Einsatz fahren darf und deshalb schneller am Einsatzort ist, so: „Dort brannten mehrere Mülltonnen und eine Hecke. Einzelne Personen standen auf der Straße und schoben andere Mülltonnen weg.“ So verhinderten sie ein Übergreifen der Flammen – wofür sie der Stadtbrandmeister lobte. Gleichzeitig bat er sie, von der Straße zu gehen, damit sie beim Eintreffen der Löschfahrzeuge nicht gefährdet würden. Plötzlich, so berichtet der Stadtbrandmeister, sei er von einem Jugendlichen bedrängt und geschubst worden. „Du mir nix haben zu sagen!“, habe der Täter dabei gerufen, so Frank Schötz. Der Älteste vor Ort habe den Jugendlichen dann „sehr lautstark zur Räson gebracht“ und ihm eine schallende Ohrfeige verpasst.
Von anderen sei der Jugendliche weggebracht worden und der Ältere habe ihm erklärt, er würde den Fall regeln. Vorsorglich hatte Schötz die Polizei gerufen, aber von einer Anzeige Abstand genommen: „Das haben die unter sich geklärt.“ Die beste und wirksamste Lösung in solchen Fällen sei die Reaktion des ältesten Beteiligten. Er habe Verantwortung übernommen.
Grundsätzlich stellt der Diepholzer Stadtbrandmeister fest, dass sich immer mehr Menschen den Anweisungen von Feuerwehr oder auch Polizei widersetzen würden: „Wir müssen uns immer mehr mit Schaulustigen beschäftigen und mit ihnen diskutieren“, so Frank Schötz, „eigentlich kommen wir nicht zu unserer Arbeit, weil wir Leute aus dem Gefahrenbereich bringen müssen“.
Böllerwürfe auf Einsatzfahrzeug in Twistringen
Kreisbrandmeister Michael Wessels bestätigt die Zunahme von Aggression und blickt nach Twistringen: Dort waren Feuerwehrfahrzeuge auf dem Weg zum Löscheinsatz mit Böllern beworfen worden. „Das ist nicht das erste Mal!“, so der Kreisbrandmeister. Er spricht von einer „unzivilisierten Respektlosigkeit“, die immer vom gleichen Personenkreis begangen werde. Feuerwehrleute berichteten von einer „aggressiven Stimmung in der Twistringer Stadtmitte“.
Gab es ähnliche Vorfälle bei der Polizei? „Es sind keine Einsatzkräfte verletzt worden“, so Thomas Gissing als Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz zur Lage im Landkreis. Aus Sicht der Polizei war der Jahreswechsel „relativ unspektakulär“, weil es zum Glück keine folgenschweren Unfälle oder Unglücksfälle gegeben hatte. Aber nach ersten Erkenntnissen sei die Zahl der Polizeieinsätze relativ hoch. Zum Jahreswechsel seien generell mehr Polizeikräfte im Einsatz, die gut zu tun gehabt hätten. Zahlen zur Einsatzstärke nennt die Polizei grundsätzlich nicht.
