VonFabian Raddatzschließen
Die Lage bei VW ist ernst. Der Autobauer aus Wolfsburg hat angekündigt, mehrere Werke in Deutschland schließen zu wollen. Zehntausende sollen ihre Jobs verlieren.
Update von Montag, 28. Oktober, 11:30 Uhr: Die Nachrichten aus Wolfsburg werden immer schlimmer: Nach Angaben des Betriebsrats plant Volkswagen, mehrere seiner deutschen Werke zu schließen und zehntausende Stellen zu streichen. Daniela Cavallo, die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, verkündete bei einer Informationsveranstaltung für die Mitarbeiter in Wolfsburg: „Der Vorstand will in Deutschland mindestens drei VW-Werke dichtmachen“. Sie fügte hinzu, dass alle übrigen Standorte ebenfalls reduziert werden sollen. Der Konzern hat die Arbeitnehmervertretung über diese Vorhaben in Kenntnis gesetzt.
Cavallo kündigte an, gegen diese Pläne Widerstand zu leisten. Sie warnte die Unternehmensführung mit den Worten: „Ich kann nur alle Vorstände und alle an der Unternehmensspitze warnen: Legt Euch nicht mit uns, mit der VW-Belegschaft an“. Unter dem Applaus der Mitarbeiter fügte sie hinzu: „Ihr steht ganz kurz vor der Eskalation!“ Bei VW endet die Friedenspflicht Ende November, danach sind Streiks eine Option.
VW will mehrere Werke in Deutschland schließen: Betriebsrat: „Wird mit uns nicht zu machen sein!“
Cavallo forderte den Konzern erneut auf, eine Gesamtstrategie für VW zu präsentieren, anstatt nur einzelne Sparmaßnahmen vorzuschlagen. Sie betonte: „Mit uns wird es keine Salamitaktik geben. Keine Teillösungen und keine faulen Kompromisse. Uns geht es um ein Gesamtpaket für alle drei Themenbereiche. Alles Andere wird mit uns nicht zu machen sein!“
Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall in Niedersachsen, forderte den Erhalt der Standorte. Er erklärte: „Wir wollen Standorte, Auslastung und Beschäftigung langfristig absichern. Wenn die Chefetage den Abgesang Deutschlands einläuten will, müssen sie mit Widerstand rechnen, den sie sich so nicht ausmalen kann!“
Laut Betriebsrat ist das Werk in Osnabrück besonders gefährdet, da es kürzlich einen erhofften Folgeauftrag von Porsche verloren hat. Cavallo berichtete zudem, dass der Vorstand betriebsbedingte Entlassungen plane. Der Betriebsrat warnt vor dem Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen und der Schließung oder Verlagerung ganzer Abteilungen ins Ausland.
„Alle deutschen VW-Werke sind von diesen Plänen betroffen. Keines ist sicher!“
Cavallo betonte, dass kein Werk sicher sei: „Alle deutschen VW-Werke sind von diesen Plänen betroffen. Keines ist sicher!“ VW hat in Deutschland etwa 120.000 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Wolfsburg. Insgesamt betreibt VW in Deutschland zehn Werke, sechs in Niedersachsen, drei in Sachsen und eins in Hessen. VW hat im September die seit über 30 Jahren bestehende Beschäftigungssicherung aufgehoben. Ab Mitte 2025 könnten betriebsbedingte Kündigungen erfolgen.
Am Mittwoch treffen sich der Konzern und die Gewerkschaft IG Metall zur zweiten Verhandlungsrunde über den VW-Haustarif. In der ersten Runde im September lehnte VW die Forderungen der IG Metall nach einer siebenprozentigen Erhöhung ab und drängte stattdessen auf Einsparungen. Laut Cavallo fordert VW nun eine zehnprozentige Lohnkürzung sowie Nullrunden in den nächsten beiden Jahren. Das Handelsblatt hatte zuvor darüber berichtet. Anfang September hatte VW angekündigt, Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließen zu können.
Bericht über Lohnkürzungen bei VW: „Lage ist ernst“
Erstmeldung von Montag, 28. Oktober, 10:30 Uhr: Wolfsburg – Volkswagen hält sich bedeckt, wenn es um Berichte über allgemeine Lohnkürzungen bei der Hauptmarke VW geht. Eine Sprecherin des Unternehmens stellte klar: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen rund um die vertraulichen Gespräche mit der IG Metall und dem Betriebsrat“. Das Handelsblatt hatte zuvor gemeldet, dass VW in der aktuellen Tarifrunde eine Reduzierung des Haustarifs um zehn Prozent und Nullrunden in den nächsten zwei Jahren fordert. Ein Betriebsratssprecher wollte dazu keine Stellung nehmen.
Am Montag, 28. Oktober, plant der Konzernbetriebsrat, Informationsveranstaltungen an allen Standorten über die laufende Tarifrunde durchzuführen. Am Mittwoch treffen sich der Konzern und die Gewerkschaft IG Metall zur zweiten Verhandlungsrunde über den VW-Haustarif für 120.000 Mitarbeiter. Schon in der ersten Runde im September lehnte VW die Forderungen der IG Metall nach einer siebenprozentigen Erhöhung ab und drängte stattdessen auf Kosteneinsparungen. VW machte jedoch keine genauen Angaben dazu.
Auf Nachfrage bestätigte die VW-Sprecherin, dass der Vorstand den Mitbestimmungsorganen, also Gewerkschaft und Betriebsrat, „Lösungsvorschläge“ vorgelegt hat. Sie wollte jedoch keine Details preisgeben. Sie betonte: „Fakt ist: Volkswagen steht an einem entscheidenden Punkt seiner Unternehmensgeschichte. Die Lage ist ernst und die Verantwortung der Verhandlungspartner ist enorm.“
Im September hatte VW angekündigt, Werksschließungen und betriebsbedingte Entlassungen nicht mehr ausschließen zu können. Details zu den geplanten Einsparungen sind jedoch noch nicht bekannt. Laut einem Bericht des „Manager-Magazin“ von Mitte September könnte der angeschlagene Konzern mittelfristig bis zu 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen. Das Unternehmen hat diese Zahl jedoch nicht bestätigt.
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