Bruchhausen-Vilsen: Für Romantiker die erste Adresse

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Bruchhausen-Vilsen ist für Brautpaare ein beliebtes Pflaster, vor allem bei den Spaßtrauungen (Bild) beim Brokser Heiratsmarkt.
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Von standesamtlichen Trauungen und dem Ja-Wort auf Probe

Br.-Vilsen – Romantiker haben in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen freie Wahl: Sie können sich unter freiem Himmel, in einem historischen Bahnwagen, einer restaurierten Mühle oder einer guten Stube standesamtlich trauen lassen. Dieses Angebot zieht seit Jahren auch Paare von außerhalb an. Das Interesse scheint jedoch rückläufig. „Besondere Trauorte sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr“, weiß Volker Kammann, der im Rathaus auch das Standesamt leitet.

84 Ehen von Einwohnernhat das Standesamt im vergangenen Jahr beurkundet. Weniger waren es in den letzten zehn Jahren nur im Corona-Jahr 2021 (79). Die Statistik weist Spitzen von 99 (2009) und 98 (2022) Eheschließungen aus. Deutlich sichtbar im Diagramm: Die Hochzeiten weniger. Auch die von Auswärtigen. Obwohl das Standesamt längst attraktive Termine am Freitagnachmittag sowie samstags vorhält. „Wir können keine Action bieten“, nennt Kammann neben einem gesellschaftlichen Trend die Ursache. Höher, weiter, schneller – für solche Trauorte fehle es der Samtgemeinde an Örtlichkeiten. „Wir waren Vorreiter für besondere Trauorte, aber die Konkurrenz ist exorbitant größer geworden.“

Insgesamt hat das Standesamt 2023 89 Zeremonien durchgeführt. Vor fünf Jahren waren es noch 115. Die Differenz zu den Beurkundungen weist auf den Anteil der Auswärtigen hin. Im vergangenen Jahr kamen Paare aus verschiedenen Orten Niedersachsens, aus Bremen, Nordrhein-Westfalen (Wuppertal und Essen) und Schleswig-Holstein (Lübeck).

„Das Wochenendangebot wird gut angenommen“, heißt es aus dem Standesamt: Mehr als die Hälfte aller Trauungen fand außerhalb der Ratshaus-Öffnungszeiten statt. Am beliebtesten von den sechs gewidmeten Orten, die den formalen Ansprüchen genügen, war 2023 die Noltesche Mühle in Süstedt. Dort fand ein Drittel aller Zeremonien statt. 16 Paare sagten unter freiem Himmel „ja“. Einen klassische „Heiratsmonat“ gab es 2023 nicht. Je 14 Trauungen fanden in den Monaten Juni und September, je neun im Juli, August und Oktober statt.

Spaßtrauungen beim Heiratsmarkt

Die Statistik des Standesamts würde anders aussehen, wenn die Spaßtrauungen beim Brokser Heiratsmarkt erfasst würden. An den fünf Tagen im August boomt das Hochzeiten – sicherlich vor allem aber deshalb, weil die Marktehe nach spätestens fünf Tagen als nichtig gilt.

Im vergangenen Jahr brachten die Ehrenamtlichen des Heimatvereins Martfeld (HVV) spaßeshalber 140 Paare unter die Haube, 2022 waren es 150. 2019 hatte das Team um Annelene Rosenhagen Stress. Damals standen 230 Paare Schlange, um auf Probe getraut zu werden.

Denn das ist der Clou. Mit geliehenem Schleier und Krawatte aus der Requisite macht man sich auf dem Erinnerungsfoto gut als Brautpaar; die etwa zehnminütige Zeremonie hat außerdem etwas Offizielles an sich; und Sekt zum Anstoßen gibt es auch. Aber wie bei Aschenputtel ist der Zauber am Dienstag Schlag 24 Uhr aus und vorbei.

Weil das „Brokser Zelt“ dieses Jahr direkt an einer der „Hauptstraßen“ auf dem Marktplatz steht, könnten die Spaßtrauungen boomen. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagt Annelene Rosenhagen, weiß jedoch, dass viele die Sache mit den Spaßtrauungen durchaus ernst nehmen. „Die meisten kommen gezielt zu uns.“ 15 Euro kostet der Spaß pro Paar mit allem Drum und Dran. „Karussellfahren ist nicht viel günstiger. Aber von der Spaßtrauung hat man länger etwas“, meint die HVV-Sprecherin.

Spaßtrauungen sind vom 23. bis 27. August im Brokser Zelt ohne Anmeldung zu den Öffnungszeiten der Gewerbeschau möglich.

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