190 Anfragen zu Bürgerwindrad in Süstedt

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So wird es auch bald in Süstedt aussehen: Große Kräne heben die Einzelteile eines Windrades in die Höhe.
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Für das Bürgerwindrad in Süstedt gibt es zahlreiche Anfragen. Der Bau der Anlagen beginnt im Februar.

Samtgemeinde – „Die Antworten zu unseren Problemen kommen aus der Zukunft und nicht von gestern“, sagt Biochemiker und Umweltforscher Frederic Vester. Eines der großen Probleme ist die Herstellung und Nutzung von grüner Energie. Einen kleinen Beitrag dazu leistet die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen mit diversen Windparks. In Süstedt beginnen im Februar die Arbeiten für den dortigen Bürgerwindpark (wir berichteten).

Inzwischen ist auch die Frage geklärt, wie viel Cent pro Kilowattstunde Strom gezahlt werden. „Es sind rund sieben Cent“, sagt Windparkplaner Söhnke Schierloh. Diese Summe setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Für 20 Jahre werden 5,87 Cent garantiert gezahlt. Dazu kommt ein Gütefaktor. Dieser wird alle fünf Jahre neu berechnet und ist ein Ausgleich zwischen windstarken und weniger windstarken Standorten.

Der Aufbau eines Windparks ist in Abschnitte eingeteilt. Nachdem der bald startende Wegebau abgeschlossen ist, soll im Mai mit dem Bau der Fundamente für die Windräder und des Umspannwerks begonnen werden.

Weit sichtbar wird alles ab Juni. Läuft alles nach Plan, werden dann die ersten Türme errichtet. Im November soll sich das erste Windrad drehen und grünen Strom produzieren. 2024 sollen alle acht Windräder in Betrieb sein. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, hängt vor allem vom Wetter ab. Die Rotorblätter zum Beispiel können nur bei geringen Windgeschwindigkeiten montiert werden.

Eins der acht Windräder hat die Genossenschaft Bürger-Energie-Syke (BES) gekauft. Im Herbst hatte sie bei drei Infoveranstaltungen um neue Mitglieder geworben (wir berichteten). Laut Vorstandsmitglied Medard Andrae sind rund 190 Absichtserklärungen abgegeben worden. „Die Zielmarke von 30 Prozent Eigenkapital ist erreicht“, heißt es auf der Internetseite der Genossenschaft.

„Leider haben noch nicht alle geantwortet und das Geld überwiesen. Da haken wir gerade nach“, so Andrae. Heißt aber auch: Wer seine Einlage aufstocken möchte oder doch noch mit einsteigen will, kann dies auch jetzt noch kurzfristig tun. Aktuell gilt immer noch die Absprache, dass nur Einwohner aus der Samtgemeinde und BES-Mitglieder Anteile am Windrad kaufen können.

Wer auf eine schnelle Rendite hofft, sollte wohl lieber in Aktien investieren. Bis die erste Dividende gezahlt werden kann, vergehen zwei Jahre. Zwar wird das Windrad 2023 gekauft, den ersten Strom wird es jedoch erst Anfang 2024 produzieren. In den ersten Jahren gibt es nur einen Abschlag für den verkauften Strom. Die ersten fünf Jahre werden dann 2029 finanziell „glatt gezogen“.

Ein Teil des Windpark-Stroms soll für die Produktion von grünem Wasserstoff (H2) genutzt werden. Bis jetzt fehlt laut Schierloh noch eine Zusage für Fördermittel. Ohne die staatlichen Gelder würde sich die Realisation nicht lohnen und man würde sich im Kreis drehen. Schierloh: „Um eine Anlage wirtschaftlich zu betreiben, müssten täglich 500 bis 600 Kilogramm Wasserstoff verkauft werden.“ Also benötigt man ausreichend Lkw und Autos. Aber ohne Tankstelle in erreichbarer Nähe kauft sich niemand solche Fahrzeuge. Um wiederum die wirtschaftlich rentable Menge Wasserstoff verkaufen zu können, müssten täglich rund 100 Autos oder eine entsprechende Zahl an Lkw tanken.

Fließen die Fördermittel, hat er allerdings Pläne für gleich zwei Wasserstofftankstellen in der Schublade, eine in Bruchhausen-Vilsen, eine in Hoya.

Doch es muss nicht nur beim Straßenverkehr bleiben. Söhnke Schierloh denkt auch an die Schiene. Da inzwischen Regionalzüge zuverlässig mit Wasserstoff betrieben werden können, kann der Süstedter sich einen Wasserstoffzug auf der Strecke Eystrup, Hoya, Bruchhausen-Vilsen, Syke vorstellen. Als Vorbild dient der H2-Zug, der von Bremervörde nach Bremerhaven und Buxtehude fährt. Im Sommer sorgte er für Aufsehen, als der Zug mehr als 1 000 Kilometer ohne zu tanken bis nach Bayern fuhr.

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