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Michael Barth kandidiert für die Linke / Keinen Platz auf der Liste
Engagement für Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich: Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch die Biografie von Michael Barth aus Hassel. Der 49-Jährige kandidiert für die Linke im Bundestagswahlkreis Diepholz/Nienburg I. Flagge zeigen will er für seine Partei, wichtige Werte in den Vordergrund stellen. „Mir geht es um die Inhalte und um die Haltung“, sagt der Pädagoge, der an der Oberschule Hoya unterrichtet.
Michael Barth macht sich keine Illusionen. Den Wahlkreis kann er nicht direkt gewinnen. Bei den Bundestagswahlen 2021 hatte die Linke bundesweit gerade einmal 4,9 Prozent erzielt. Und einen Listenplatz, der ihm den Einzug in den Bundestag im besten Falle ermöglichen könnte, hat der 49-Jährige nicht. Dennoch ist ihm seine Kandidatur enorm wichtig: „Es geht darum, dass wir präsent sind. Das ist ganz wichtig!“
Deshalb ist die Linke auf ihren Plakaten zwar mit politischen Botschaften vertreten. Solche mit einem Foto von Michael Barth gibt es aber nicht. Der gebürtige Bassumer nimmt es mit Humor: „Man sieht im Dunkeln eh nichts in den Dörfern.“ Und wird dann wieder nachdenklich, ja ernst: Die Förderung der Dörfer, ihrer Entwicklung und ihrer Infrastruktur sei eine wichtige Aufgabe. Welche Probleme auf dem Land gelöst werden müssen, weiß Michael Barth aus Erfahrung. Er ist Mitglied im Gemeinderat Hassel, gehört der Wählergemeinschaft an. Denn in den Gemeinderäten kommt es auf eine gemeinsame politische Lösung an und nicht auf das Parteibuch.
Der 49-Jährige bezeichnet sich selbst als Pragmatiker – ganz nach dem Motto: Was geht? Was ist sinnvoll und möglich? Klare Verhältnisse sind ihm wichtig, wenn es um die Finanzierung kommunaler Aufgaben geht. Wenn der Bund ein Gesetz verabschiede, das die Kommunen umzusetzen haben, dann müsse er auch die Kosten dafür tragen. Michael Barth pocht auf Konnexität. Und ist überzeugt: „Die Schuldenbremse muss aufgehoben werden, um die Kommunen wieder handlungsfähig zu machen.“ Als Beispiel nennt der 49-Jährige den Hochwasserschutz in Hoya, zu dem es in Zeiten des Klimawandels keine Alternative gebe.
Ziel: Faire Preise für Agrar-Erzeugnisse
Viele elementare Aufgaben sieht Michael Barth im politischen Bereich: faire Preise für Agrar-Erzeugnisse, Unterstützung für die heimische Landwirtschaft, endlich praktische Umsetzung der Inklusion ...
Genauso wichtig ist ihm die Stärkung der Demokratie. „In alle Richtungen“, fügt der Pädagoge hinzu, der engagiertes Mitglied im interkommunalen Netzwerk Wabe (Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage) ist. Eine klare und konsequente politische Haltung ist für Michael Barth selbstverständlich. Deshalb empfindet er die Abgrenzung der Linken vom Bündnis Sahra Wagenknecht als großen Gewinn („Ich bin total erleichtert, dass wir getrennt sind“) und deshalb ist er 1996 aus der SPD ausgetreten. „Gerhard Schröders Politik war für mich indiskutabel“, lautet seine unmissverständliche Begründung.
Dass er sich politisch engagieren will, war für Michael Barth schon als Junge klar. Sein Vater Friedhelm Barth, der sich engagiert für die SPD in Bassum einsetzte und als Helfer immer zur Stelle war, gab ihm ein Beispiel. Schon früh engagierte sich Sohn Michael deshalb bei den Jusos. Nach seinem Abitur am Gymnasium Syke leistete er seinen Zivildienst in der Sozialstation Twistringen, setzte sich auch für das Lebenshilfe-Wohnheim in Twistringen ein – Jahre später noch.
An der Universität Vechta studierte er auf Realschullehramt, wählte die Fächer Englisch, Geschichte und Politik. Heute ist er Klassenlehrer im Hauptschulzweig der Oberschule Hoya und unterrichtet auch in anderen Fächern. Wenn er sich an seine eigene Schulzeit erinnert: Welches Fach war ihm verhasst? „Physik!“, antwortet der 49-Jährige schmunzelnd. In seiner Studienzeit hat er sich übrigens bei der Müllabfuhr – heute AWG – ein bisschen Geld dazu verdient.
Dass die Bildung ein leidenschaftliches Thema des Pädagogen ist, liegt nahe. Was braucht es in diesen Zeiten? „Es geht um Bindung und Beziehung“, sagt Michael Barth über den wirksamen Dialog mit den Schülern – und ist fest überzeugt: „Eine Schule für alle ist wichtig!“ Denn nur so hätten auch Benachteiligte eine Chance, sich ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Leben aufzubauen. Grundsätzlich brauche es in dieser Gesellschaft eine andere Dynamik: „Wir müssen alles tun, um die Gesellschaft wieder zusammen zu bringen. Denn sie driftet auseinander.“
Eishockey zum Ausgleich
Was ist für ihn ein guter Ausgleich zu Beruf und Politik? „Eishockey“, antwortet der Bundestagskandidat. Im Winter verfolge er gerne live die Spiele der Hannover Indians, er freue sich über die freundlichen Fans. Im Frühjahr und Sommer züchtet der Pädagoge, der mit seiner Familie seit elf Jahren in Hassel lebt, Gemüse wie Tomaten und Gurken. Er freut sich aber auch über eine reiche Ernte bei Johannisbeeren und Weintrauben. Bleibt die Frage, was er gar nicht leiden kann? Michael Barth antwortet entschieden: „Abwertung, soziale Ungerechtigkeit, Intoleranz!“
Die Kandidaten ganz persönlich
In unserer Reihe „Die Kandidaten ganz persönlich“ stellen wir die Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I ganz persönlich vor. Was hat sie zur Politik gebracht und wie gestalten sie ihre Freizeit? Welche Hobbys haben sie? Heute präsentieren wir das Porträt von Michael Barth, dem Kandidaten der Linken. Übrigens: Seine Lieblingsspeise in der Wintersaison ist Grünkohl.
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