Die Gemeinde Fintel ist eine AfD-Hochburg

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Das Wahllokal auf dem Meyerhof in Scheeßel: Zwischen Kernort und den Dörfern gibt es teils größere Unterscheide bei den Wahlergebnissen und auch bei der Wahlbeteiligung.
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Blick in einzelne Wahlbezirke und auf die unterschiedliche Wahlbeteiligung in der Gemeinde Scheeßel und der Samtgemeinde Fintel.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl in Scheeßel und der Samtgemeinde Fintel könnten unter der Überschrift „wie im Bundestrend“ zusammengefasst werden. Verluste bei SPD und Grünen, starke Zugewinne bei der AfD und ein deutliches Plus bei der CDU. Aber: Ein Blick auf einzelne Gemeinde und Wahlbezirke in den beiden Kommunen lohnt sich. So ist Fintel in der Samtgemeinde eine AfD Hochburg. Die Partei liegt ganz deutlich vor der SPD und kommt etwa bei den Zweitstimmen im Wahllokal Grundschule I auf 207 Zweitstimmen und liegt dichtauf mit der CDU, die 223 bekommt.

Insgesamt scheint sich in Fintel eine gewisse Politikverdrossenheit breitzumachen. In der Samtgemeinde lag die Wahlbeteiligung bei 86,9 Prozent. In Fintel dagegen nur bei 66,67 Prozent. Nur in Lauenbrück war in der Samtgemeinde mit 63,88 Prozent Wahlbeteiligung der Wert noch schlechter.

Zuwächse für die AfD im Kernort

Beim Blick in die Nachbarkommune Scheeßel fällt auf, dass die AfD überall Zuwächse verbucht, am stärksten aber im Kernort. In drei Wahlbezirken dort liegt die AfD bei mehr als 20 Prozent der Zweitstimmen. Auf den Dörfern bleibt sie teils deutlich unter diesem Wert. Etwa bei 13,81 Prozent der Zweitstimmen in Westeresch. Die CDU ist dort eine stabile Macht.

Ein deutliches Kernort-Dorf-Gefälle gibt es auch bei der Wahlbeteiligung. Absoluter Spitzenreiter ist dabei Sothel mit 86,59 Prozent. Schlusslicht ist der Wahlbezirk Kirchengemeindehaus, bei dem nur 55,27 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben. Die gesamte Wahlbeteiligung in der Einheitsgemeinde lag bei 87,08 Prozent.

Kein Bonus für die grüne Direktkandidatin aus Scheeßel

Canina Ruzicka, die Direktkandidatin der Grünen, die aus Scheeßel kommt, hat von den Wählerinnen und Wählern keinen Heimatbonus bekommen. Bei den Erst- und Zweitstimmen liegt sie deutlich hinter den Ergebnissen der vorangegangenen Bundestagswahl 2021. Bei den Ergebnissen der Grünen zeigte sich ein umgekehrter Trend zu den Erfolgen der AfD. Grüne Themen kommen im Kernort Scheeßel deutlich besser an als auf den Dörfern. Und: Die Samtgemeinde Fintel hat vor allem in Fintel und Lauenbrück eine stabile grüne Wählerklientel.

Die Menschen haben vom politischen Gezänk die Nase voll.

Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann

Mit den teils sehr hohen AfD-Gewinnen, besonders im Kernort, hat Bürgermeisterin Ulrike Jungmann nicht gerechnet. „Das ist etwas, womit wir uns auseinandersetzen müssen“, sagt sie und bezieht die Parteien im Rat dabei gedanklich ein. Beim Thema Wahlbeteiligung freut sie sich über den insgesamt guten Wert. Warum in einzelnen Wahllokalen deutlich weniger Menschen kamen, sei für die Verwaltungschefin ein Stück weit unerklärlich.

In Fintel gibt es zwei Wahllokale. In beiden hat die AfD mehr Stimmen bekommen als in anderen Mitgliedsgemeinden.

Der grünen Direktkandidatin Canina Ruzicka zollt Ulrike Jungemann größten Respekt. „Mutig und gut, wenn junge Menschen sich so engagieren.“ Ein neues Denken wäre nicht nur in Berlin, sondern auch in Scheeßel gut. Wenn die Mischung der Generationen stimme, sei das für die Gemeinde ein Gewinn. Vielleicht sollte Berlin von Scheeßel lernen. „Wir arbeiten im Gemeinderat sachorientiert. Die Menschen haben vom politischen Gezänk die Nase voll.“

Mit Blick auf die Kommunalwahl im Jahr 2026 ist ein bundespolitischer Trend in den Kommunen interessant: Das überraschend starke Abschneiden der Linken, das mutmaßlich auch zu Stimmeneinbußen bei den Grünen geführt hat. Würde es der Linken gelingen, Kandidaten für die Räte in der Einheits- und Samtgemeinde aufzustellen, so hätten die eine realistische Chance, in der Politik vor Ort in Scheeßel und der Samtgemeinde mitzureden.

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