Cannabis-Freigabe im Landkreis Rotenburg: Wo gekifft werden darf

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Cannabis soll legal werden. Die behördliche Umsetzung ist noch offen.
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Vielerorts bleibt das Kiffen verboten, auch wenn ab April Besitz und Konsum von Cannabis legal sein sollen. Konsumenten müssen auch im Landkreis Rotenburg darauf achten, wo genau sie zum Joint greifen.

Rotenburg – Über das Für und Wider der geplanten Cannabis-Legalisierung lässt sich streiten. Aber es soll kommen, der Bundestag hat bereits zugestimmt, am 22. März soll der Bundesrat nachziehen und zum 1. April das Hanf für Erwachsene freigegeben werden – frei nach einem Schlachtruf der Pro-Cannabis-Bewegung. Doch es ist eine Legalisierung mit Einschränkungen: Nicht nur, dass eine Obergrenze für Besitz und Mitnahme herrschen soll. Wer hofft, sich mit einem Joint frei bewegen zu können, wird gerade in den Städten vermutlich eher enttäuscht werden. Wer in der Region sehr ländlich lebt, hat dagegen im Prinzip freie Bahn.

Allerdings fällt es mitunter schwer, einen Ort zu finden, an dem legal Cannabis konsumiert werden darf. Sind Minderjährige in der Nähe, bleibt es verboten, ebenso tagsüber in Fußgängerzonen oder in Sichtweite – in der Regel 100 Meter – von Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Sport- und Spielplätzen oder den sogenannten Cannabis-Clubs, im Beamtendeutsch Anbauvereinigungen genannt.

Im Rotenburger Norden gibt es Lücken.

Um da einen Überblick zu behalten, gibt es online längst Kartenmaterial, wo die zukünftigen Verbotszonen liegen werden. Etwa die Seite Bubatzkarte.de macht ein auf Open-Street-Map basierendes Angebot, das aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. In der Region sind zum Beispiel einige Jugendhilfeeinrichtungen nicht hinterlegt, ebenso die Spielplätze an den Visselseen und das Visselhöveder Jugendzentrum. Dennoch kann eine solche Karte einen ersten Überblick geben.

Es zeigt sich: In Grund- und Mittelzentren kann es schon schwer werden, größere Bereiche zu finden, wo man kiffen darf – in Rotenburg ist das Areal zwischen Harburger Straße und Mittelweg noch das größte, im Rest der Stadt gibt es immer eine Einrichtung oder einen Spielplatz, der Konsumieren in direkter Nähe untersagt. In den Wohngebieten der Kreisstadt gibt es noch größere verbotsfreie Gebiete im Bereich der Polizeiinspektion und dem Waldfriedhof.

Karte der Verbotszonen in Scheeßel.

Im Grunde gibt es in der Region Rotenburg kaum ein Dorf ohne Verbotszone. Zu den seltenen Orten im Kreis mit ein paar hundert Einwohnern oder mehr, wo keine angezeigt sind, gehören Sothel in der Gemeinde Scheeßel und der Visselhöveder Ortsteil Hiddingen, wo es nur in einem Ausläufer noch verhindernde Einrichtungen gibt.

In Niedersachsen ist noch ungeklärt, wer am Ende für die Kontrolle und Durchsetzung des Cannabis-Gesetzes zuständig ist. Man wartet gewissermaßen auf Nachrichten aus Hannover, bestätigt Kreissprecherin Christine Huchzermeier. Auch die Rotenburger Polizei sieht sich in der Orientierungsphase. Polizeisprecher Heiner van der Werp spricht von „großen Fragezeichen“, man stochere noch „im Nebel“.

Ein Überblick der Cannabis-Verbotszonen in den Grund- und Mittelzentren im Südkreis auf der „Bubatzkarte“: Rotenburgs Norden und Osten (von oben links), Scheeßel, Sottrum und Visselhövede. Screenshots: Openstreetmap, bubatzserver

In den Zwischentönen van der Werps lässt sich allerdings heraushören, dass mit der Cannabis-Legalisierung ein Paradigmenwechsel in der Polizeiarbeit bevorsteht. „Bei den Polizisten muss sich die Einstellung ändern“, sagt er. Wenn Cannabis mitgeführt wird, ist das an sich erst mal nicht mehr verboten, das bedeutet eine Umgewöhnung. Zudem ist nicht sichtbar, wer zu viel dabei hat, wer gegen das Cannabis-Gesetz verstößt. Van der Werp: „Wir sprechen hier von einer Sache, die sich Schritt für Schritt ergibt. Vielleicht gibt es Probleme, die erst später sichtbar werden.“

Eindeutig bleibt allerdings: Autofahren unter Marihuana-Einfluss ist verboten. Da gibt es auch mit der Cannabis-Legalisierung keine Graubereiche. Und die Polizei verzeichnet immer mehr solcher Fälle. Das Verhältnis zu den Alkoholfahrten sei mittlerweile gekippt, so der Polizeisprecher. Von den Erwischten sei die Mehrheit unter dem Einfluss von THC, dem Wirkstoff von Marihuana. Das bedeute nicht, dass sich mehr Leute „high“ hinter das Steuer setzen. Van der Werp verweist auf eine bessere Ausbildung für das Erkennen von Drogeneinfluss, durch die mehr Leute erwischt würden. Ob mehr Leute unter Drogen Auto fahren, lasse sich nicht sagen, aber man habe die Dunkelziffer aufgehellt.

Die Verbotszonen in Visselhövede.

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