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Dank Inflation ist in diesem Jahr vieles teurer auf dem Deichbrand. Manchen Festival-Besucher bringt das regelrecht in Rage.
Niedersachsen – „@Deichbrand-Festival: Ist das euer Ernst?“, schreibt ein Mann in eine Deichbrand-Gruppe auf Facebook. 6,50 Euro für ein „fucking Jever“ sind ihm zu viel. „Spinnt ihr?“ Ob er auf diesen Wut-Post eine Antwort der Veranstalter bekommt, bleibt offen. Viele Deichbrand-Fans aus der Gruppe antworten ihm.
Festival-Besucher müssen beim Bier tief in die Tasche greifen – nicht alle stört das
„In jedem Biergarten zahlt man 5 Euro für einen halben Liter. Da finde ich 1,50 Aufschlag auf einem Festival voll normal“, schreibt zum Beispiel eine Frau. Sie ist nicht die Einzige, die die Preise wesentlich entspannter bewertet. Eine andere Nutzerin pflichtet bei: „Dafür gibt es Aldi.“ Und tatsächlich: Die Bierpreise im Deichbrand-Aldi sind deutlich niedriger. Ein Jever als Dosenbier kostet hier 99 Cent, zuzüglich Pfand. So auch das vom Deichbrand gebrandete Bier. Dennoch ist nicht zu unterschätzen, wie die Inflation auch die Preise des Deichbrand-Festivals in die Höhe treibt. Unsere Redaktion hat sich unter den Festival-Besuchern umgehört.
Nicht nur die Preise regen die Deichbrand-Fans auf. Auch ein Bollerwagen-Verbot in der Nordwestbahn sorgte für Ärger unter den Festival-Besuchern. Zudem dürfte auch das Wetter kein Stimmungsmacher sein. Was viele Fans hingegen fröhlich stimmen könnte, ist, dass Heidi Klum zusammen mit Tokio Hotel anreiste.
„Wir sind in der glücklichen Lage: Das kann man mal machen“, sagt Dennis. „Glückliche Lage“, das bezeichnet die finanzielle Situation seiner Kumpels und auch seine eigene. Er ist 52 Jahre alt. Mit 20-Jährigen, die sich ein Ticket gekauft haben, fühlt er mit. Die müssen womöglich wochen- oder monatelang auf diese wenigen Tage Deichbrand-Festival sparen, mutmaßt er. „Für junge Menschen sind die Tickets mittlerweile viel, viel zu teuer.“ Aber auch der gesamte Festival-Aufenthalt, fügt er hinzu.
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Essen, Bier und Ticket: Festival-Besucher müssen teilweise lange für das Deichbrand sparen
Sein Freund Peter pflichtet ihm bei. „Das ist schon schwierig.“ Mit dem Festival-Ticket sei es nicht getan. Sie sind jeweils mit ihren Partnerinnen da. „Was du an einem Wochenende verbrennst an Geld – natürlich für eine Mega-Gegenleistung – dafür könnte man locker eine Woche in den Urlaub fliegen“, sagt Peter (49). Carsten (35) aus Stade ist anderer Meinung: „Du kriegst hier ja eine große Auswahl an Musik geboten.“
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Deichbrand-Besucher über Preise: „Wenn das Essen gut ist, bin ich bereit, das zu bezahlen“
Würde sich jemand für alle einzelnen Musiker Konzert-Tickets kaufen, könnte es vermutlich genauso teuer, wenn nicht sogar teurer werden. „Für mich ist das okay“, sagt Carsten. Er habe selbstverständlich auch bemerkt, dass die Preise auf dem Infield angestiegen sind. „Wenn das Essen gut ist, bin ich aber auch bereit, das zu bezahlen.“ Sein Geheimtipp ist, bei Wolfgang in Wanhöden eine Bratwurst zu kaufen. Dort kostet sie nämlich nur 2,50 Euro. „Und die ist gut, die ist vom Schlachter.“
Die Veranstalter des Deichbrand-Festivals haben sich auf wiederholte Anfrage der Redaktion nicht zu den Preisen in Zusammenhang mit der Inflation geäußert.
Rubriklistenbild: © Lia Stoike


