Grüner Wasserstoff für Millionen Lkw-Kilometer aus dem Windpark Wohlsdorf

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Auf dem Gelände der alten Biogasanlage im Windpark Wohlsdorf soll der Elektrolyseur Wasserstoff für den Schwerlastverkehr herstellen.
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Wasserstoff ist eines der Zauberworte, wenn es um die Energiewende geht. Im Windpark Wohlsdorf soll eines der ersten Projekte zur Elektrolyse im Norden starten. 25 Millionen Euro schwer ist ein „grünes“ Projekt, das mit dem Strom der Windkraftanlagen Gas für den Schwerlastverkehr herstellen will.

Rotenburg/Wohlsdorf – „Die Energiewende findet vor Ort statt.“ Dieser immer wieder zu hörende Satz ist in der Region nicht nur durch die hehren Ausbauziele des Landes für die Windkraft im Landkreis Rotenburg sehr greifbar geworden, sondern zeigt sich auch in konkreten Projekten für neueste Techniken: Im Windpark zwischen Rotenburg und Wohlsdorf am Ahlsdorfer Forst könnte ein Elektrolyseur künftig Wasserstoff für den Schwerlastverkehr herstellen. 25 Millionen Euro sollen investiert werden.

Es musste schnell gehen. Am Montag hat der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss der Stadt grünes Licht gegeben für den Aufstellungsbeschluss, am Freitag haben die Investoren die Anträge zur Förderung beim Förderzentrum des Wirtschaftsministeriums eingereicht. Der Wettlauf hat begonnen: „Wir konkurrieren mit ganz vielen anderen Standorten“, sagt Projektingenieur Paul Meyer vom Lilienthaler Ökoenergie-Unternehmen Reon. Gemeinsam mit der in Wohlsdorf ansässigen Beteiligungsgesellschaft Capcerta betreibt Reon bereits den Windpark mit acht Windrädern und 48 Megawatt Leistung. Das Gewerbeaufsichtsamt hatte die Stilllegung einer dortigen Biogasanlage wegen zu großer Nähe verfügt. Diese soll nun Heimat einer Technik werden, die mittels einer Elektrolyse „grünen“ Wasserstoff herstellt. Von 1 200 Tonnen jährlich sprechen die Investoren, genug für 13 Millionen Lkw-Kilometer Fahrleistung.

Förderung muss Projekte anschieben

Das Projekt steht und fällt allerdings mit der Förderung. Reon-Geschäftsführer Florian Massante nennt bis zu 30 Prozent staatlicher Unterstützung, die für den Start in Aussicht stehen könnten. Anders gehe es nicht, denn aktuell rentiere sich das Investment noch nicht. Zurzeit fehle es im Prinzip an allem, was nötig wäre, damit nachhaltig produzierter Wasserstoff Benzin und Diesel ersetzen könnte: Nicht nur die Produktion laufe noch nicht, es gebe auch viel zu wenig Wasserstoff-Tankstellen, zudem scheuen die Logistiker bislang die Umrüstung ihrer Lkw-Flotte. Massante: „Es muss also gefördert werden, damit jemand anfängt.“

Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann spricht von einer „zukunftsweisenden Technologie“, die hier am Stadtrand entstehen könnte. Der Vorteil des Standorts sei, dass die gesamte Infrastruktur für eine solche Anlage bereits vorhanden ist. Zehn Megawatt der Windkraftanlagen nutze sie unter Volllast. Für die ganze Region sei es eine „sehr spannende Geschichte“, allerdings liege natürlich noch keine abschließende Genehmigung vor. Es gebe Interessensbekundungen aller Seiten, aber auch die Öffentlichkeit spiele eine Rolle. Die Reihe offener Fragen soll unter anderem am 25. Mai im Ausschuss für Planung und Hochbau diskutiert werden. Dabei gehe es unter anderem um etwaige Lärm- und Verkehrsbelastungen. Die Planer sprechen von drei bis vier Lkw-Trailern pro Tag, die den produzierten Wasserstoff zu den Tankstellen transportieren. Ansonsten aber sei die Anlage „nicht laut, und es stinkt auch nicht“, so Meyer.

Wärmenetz für Wohngebiet in Aussicht

Für die technischen Geräte des Elektrolyseurs soll die alte Halle der Biogasanlage genutzt werden. Klappt alles, könnte die Anlage auch direkten Nutzen für Rotenburg bringen. Geplant ist bereits, ein Teil der Abwärme für einen benachbarten Hähnchenstall zu nutzen. Aber auch das Wohngebiet an der Brockeler Straße könnte an ein Wärmenetz angeschlossen werden, wie jetzt über das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke. Das wird allerdings mit herkömmlichem Gas betrieben. Mit Gasförderer Wintershall lote man zudem Möglichkeiten aus, die vermutlich in wenigen Jahren auslaufenden Gasförderstelle dort als Speicherplatz zu nutzen. Und auch eine eigene Wasserstoff-Tankstelle hatten die Projektierer im Blick. Die haben an der A 1 bei Elsdorf aber bereits andere Investoren in Planung.

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