Maik Smidt wechselt von Die Linke in die neue Partei BSW

Der Ratsherr aus Langwedel und Sarah Wagenknecht

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Maik Smidt, bisher für Die Linke im Langwedeler Gemeinderat, ist in das Bündnis Sarah Wagenknecht gewechselt - und damit eines der ersten Mitglieder der neuen Partei.
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Cluvenhagen – Bisher haben sie online getagt. Heute beginnt in Berlin der erste Parteitag mit Aufstellungsversammlung zur kommenden EU-Wahl des „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW). Um die 40 Leute aus Niedersachsen werden dabei sein, ein einziger aus dem Landkreis Verden: Maik Smidt. Der Cluvenhagener sitzt seit 2021 im Gemeinderat Langwedel, bislang als Mitglied der Partei „Die Linke“.

Hier ist Smidt ausgetreten, dann bei der BSW eingetreten.

Was im Übrigen nicht so einfach ist, wie es klingt. Die neue Partei, die bundesweit in den letzten Wochen für so viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist noch klein, was die Mitgliederzahlen angeht. Schnell wachsen kann und soll sie auch gar nicht. „Es soll keinen Wildwuchs geben“, sagt Maik Smidt. „Keine Glücksritter, keine Extremisten“ wolle man bei der BSW haben.

Wenn Smidt über die Parteivorsitzende spricht, sagt er „Sarah“, dann lässt der den Nachnamen fast immer weg. Er hat ihre Bücher gelesen, zwei liegen auf dem Küchentisch – und ist ein Fan ihrer Analysen. Das hat er zeitig auch zum Beispiel per Mail Wagenknecht und den anderen Berlinern kundgetan. Er wurde eingeladen, man stellte sich gegenseitig bei Online-Meetings vor, diskutierte. „Das ist eine coole Aufbruchstimmung. Coole Leute, coole Ideen“, sagt Smidt.

Sein großes Credo ist „Gemeinsamkeit“. Und Integration. Das hat er bei der Linken vermisst. Statt nach Gemeinsamkeiten zu suchen und die dann auch gemeinsam zu vertreten, gebe es bei der Linken zu viele Abgrenzungen, zu viel Zersplitterung.

Er hoffe, dass das BSW festere Strukturen erhalte, es soll verlässliche Aussagen geben. „Der Wähler soll Bescheid wissen, was er am Ende bekommt.“ Intrigen und Ränkespiele in den eigenen Reihen kann man übrigens auch nicht gebrauchen.

Wenn sich Maik Smidt im Langwedeler Gemeinderat zu Wort meldet, dann so gut wie immer zu sozialen Themen. Das ist auch einer seiner Schwerpunkte bei der Entscheidung für das BSW. „In der Sozialpolitik sind wir ganz weit weg vom Neoliberalismus. Aber bei der Migrationspolitik sind wir schon ein bisschen konservativer.“

Das gilt auch für Maik Smidt selbst beim Stichwort „Integration“. Daraus hat aber keinen Hehl gemacht, als er bei der Gemeinderatswahl kandidierte oder für „Die Linke“ bei der Landtagswahl antrat. Integration funktioniert nicht nach dem „Friede-Freude-Eierkuchenmodell“, das ist seine ganz persönliche Erfahrung. Smidt ist in Bremen-Kattenturm aufgewachsen, ein sozialer Brennpunkt mit sehr hohem Migrantenanteil im Bremer Süden.

„Das Problem haben wir in Langwedel so ja nicht.“ Aber eine geballte Ansiedlung fördert nicht gerade eine Integration, so seine Erfahrung. Sollte da nicht auch die These greifen, dass jeder Euro, den man in die Länder steckt, aus denen die Flüchtlinge kommen, mehr hilft als der Euro, der ausgegeben wird, wenn sie hier sind?

Was die Klimapolitik anlangt, okay, das ist nicht so sein Fachgebiet, gibt der IT-Projektentwickler zu. Aber die Co2-Abgabe und ihre Erhöhungen sind im ländlichen Raum ja absolut nicht angezeigt. Die Menschen hätten ja kaum bis gar nicht die Chance, auf ihren Diesel oder Benziner zu verzichten.

Friedensverhandlungen und Abrüstung sind für ihn in diesen Zeiten das Gebot der Stunde. „Putin ist ein Arschloch. Da sind wir uns alle einig. Den findet keiner gut.“ Was ein Arrangement mit solchen Herrschaften aber nicht ausschließt.

Stichwort Europa: Da gibt es viele Dinge, was die Länder sehr gut selbst lösen können. Das muss nicht alles haarklein aus Brüssel vorgegeben werden. Stichwort Digitalisierung: „In deutschen Ämtern? Ein Witz“, findet der IT-Projektmanager. Das geht besser, entschieden. Den Aufbau einer eigenen Infrastruktur für soziale Netzwerke würde er befürworten.

Bleibt am Ende ein großes aber irgendwie auch einfaches Ziel für Maik Smidt und das neue Bündnis Sarah Wagenknecht: „Die Interessen der Menschen besser vertreten.“

Ob er bei der nächsten Kommunalwahl wieder kandidieren will? „Auf jeden Fall. Das macht mir richtig Spaß.“ Als Einzelkämpfer bekommt Smidt keinen Platz mit Stimmrecht in einem der Fachausschüsse des Gemeinderates.

Aber beratend teilnehmen darf Smidt an einem Ausschuss seiner Wahl. Bislang war das der Finanzausschuss. Jetzt möchte er in den Jugend-, Sozial- und Sportausschuss wechseln.

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