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Das Malteser-Kriseninterventionsteam kümmert sich um Opfer und Angehörige. Dabei müssen die Ehrenamtlichen immer einen kühlen Kopf bewahren.
Landkreis – „18-jähriger Jäger während der Krähenjagd erschossen“, „Mann schießt in Delmenhorst Frau in den Kopf“, „Horror-Crash in Kirchseelte: zwei Tote“, „Glätteunfall: Soldat tödlich in Horstedt verunglückt“ – das sind nur vier Schlagzeilen der vergangenen Tage und Monate aus der Region, hinter denen unglaubliches menschliches Leid steckt. Während sich Polizei und Rettungskräfte vorrangig um verletzte Opfer und die Ermittlungsarbeit zu einem Unglück kümmern, arbeiten Ehrenamtliche oft im Hintergrund eher unscheinbar und sind doch ebenso wichtig. Es handelt sich um die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT) der Malteser, die nicht nur im Landkreis Oldenburg, sondern auch in Delmenhorst, Oldenburg oder Bremen aktiv werden.
Gegründet wurde das Team vor rund 25 Jahren von Pastoren und Angehörigen des Rettungsdienstes, weil es Versorgungslücken im ländlichen Raum gab. Seitdem stehen rund 20 Interventionskräfte zur Verfügung, die im Bedarfsfall ausrücken können.
Im Einsatz für Angehörige und Ersthelfer sowie Einsatzkräfte
„Wir werden nicht nach jedem Unfall alarmiert“, stellt Tim Jäger klar. Der 47-Jährige ist ehrenamtlicher Leiter des KIT und hauptberuflich im Landesdienst in Oldenburg tätig. 90 Prozent der Einsätze gebe es im häuslichen Umfeld. Das Team der Malteser trete zudem stets erst nach einer Anforderung durch die Großleitstelle in Oldenburg in Aktion. „Wir sind für Angehörige und Ersthelfer da. Die Betreuung von Einsatzkräften kann im Bedarfsfall organisiert werden“, unterstreicht Jäger.
Im vergangenen Jahr wurde das KIT 90-mal gerufen und hat mehr als 350 Personen betreut. 50 Prozent der Einsätze entfielen auf das häusliche Umfeld, wo es zu unerwarteten Todesfällen – auch Suizide – oder erfolglose Reanimationen gekommen war. Zudem sind die Kräfte in der Betreuung nach Raubüberfällen sowie Gewalttaten und nach häuslicher Gewalt aktiv. Dazu kommen noch schwere Verkehrsunfälle.
„Man muss belastbar sein – auch, wenn Menschen schreien und weinen“, sagt Gunda Häger. Die 61-Jährige aus Wildeshausen ist in der Pflege aktiv und hat sich vor wenigen Jahren entschieden, eine mehrstufige Ausbildung über eineinhalb Jahre zu absolvieren. „Die ist sehr hochkarätig“, sagt sie. „Sie habe auch für sich selbst davon profitiert.“ Ein wichtiger Leitsatz für den Einsatz lautet: „Alle dürfen ausflippen, einer muss kompetente Ruhe ausstrahlen“, so Häger. Ziel der Krisenintervention sei es, Impulse der Beruhigung und zur Klärung zu setzen.
Das galt beispielsweise bei der Betreuung von zwei Familien und einem jüngeren Paar, die sich vor wenigen Wochen bei einem tödlichen Unfall in Kirchseelte um die zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Fahrzeuginsassen in einem Unfallwagen kümmerten, bis der Rettungsdienst kam. Und später bei dem Besuch zusammen mit der Polizei bei den Angehörigen, um die schlimme Nachricht des Todes zu überbringen.
„Wir bleiben in der Regel länger als die Polizei“
„Wir bleiben in der Regel länger als die Polizei“, sagt Jäger. „Wir kümmern uns danach um die Angehörigen. Die wollen in der Regel schnell losfahren und etwas tun. Wir versuchen aber zu verdeutlichen, dass das keinen Sinn macht.“
Die Leute vom KIT haben zudem Broschüren mit Hilfsangeboten dabei. Für Kinder steckt im Rucksack zudem ein Teddybär. „In der Regel brauche ich aber kaum Material“, sagt Häger. „Die persönliche Anwesenheit ist wichtig.“
Wer Interesse an einer Mitarbeit im Kriseninterventionsteam der Malteser hat, meldet sich bei Tim Jäger. Er ist unter Telefon 04481/93580 oder per E-Mail an Tim.Jaeger@malteser.org zu erreichen.