Die Rotenburger Tafel sagt „Danke“

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Wie es für die Rotenburger Tafel im kommenden Jahr weitergeht, ist alles andere als in Stein gemeißelt – es könnte sogar sein, dass der Aufnahmestopp für Neuzugänge bei den Kunden zwischenzeitlich ausgesetzt wird, mutmaßt Leiterin Petra Keitel.
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Irgendwie geht es ja doch immer weiter – und die Tafel Rotenburg will sich sowieso nicht den Spaß bei der Arbeit nehmen lassen, auch nicht vom weiterhin andauernden Aufnahmestopp von Neukunden. Stattdessen freut sich der Verein über die vielen Unterstützer, wenngleich die Lebensmittelabgaben durch Supermärkte weiter rückläufig sind, wie Vereins-Chefin Petra Keitel offenbart.

Rotenburg – Im Prinzip läuft die Ausgabestelle der Rotenburger Tafel auf Volllast: Je nach Blickwinkel sorgen 40 bis 50 Ehrenamtliche dafür, dass montags und donnerstags die rund 500 Kunden mit gefüllten Taschen nach Hause gehen können. „Es gibt viel zu tun“, fasst Petra Keitel zusammen – und doch dominiert im Gespräch mit unserer Zeitung nicht die viele Arbeit, sondern in erster Linie Dankbarkeit.

„Ein großes Dankeschön geht an alle Supermärkte, die uns mit Lebensmitteln versorgen“, sagt Tafel-Chefin. Wer diesbezüglich nachhakt, wird erfahren, dass sich der allgemeine Trend bei den Spenden durch Discounter allerdings fortsetzt: Nicht mehr in Hülle und Fülle, „die Menge geht zurück, klar“, sagt die Vorsitzende, aber fügt hinzu, aus ihrer Sicht bekommen Verein und Nutzer „immer noch reichlich“. Nicht immer könnten alle Wünsche der Tafelkunden erfüllt werden. Mancher mit Tafelausweis und hohem Anspruch – davon gebe es einige wenige – werde enttäuscht: „Wir können nur das verteilen, was da ist. Und das ist pro Person rationiert“.

500 Nutzer

Hinter jedem der insgesamt 100 Einträge in der Kundenkartei stehen Familien, sodass der Verein effektiv auf etwa 500 Nutzer des Lebensmittelangebots ausgeht. Der unlängst ausgesprochene Stopp bei der Aufnahme von Neukunden gelte nach wie vor. Mehr sei einfach nicht zu machen: Die Ausgabezeiten sind genauso Flaschenhals für die Möglichkeiten, die Kapazitäten sind aber auch durch die Spendenmenge sowie die Anzahl der rund 50 Ehrenamtlichen begrenzt – und die sind darüber hinaus größtenteils im Rentenalter. „Wir sind also nach wie vor am Limit“, sagt Keitel. Und das betrifft vielfach auch weitere Ausgabestellen aus der Umgebung, Scheeßel fällt als Beispiel.

Wir können nur das verteilen, was da ist. Und das ist pro Person rationiert.

Petra Keitel

Gut, dass es Hilfe von außen gibt. In diesem Zusammenhang hebt die Tafelleiterin etwa den Frauenkreis der Rotenburger Stadtkirche hervor, der mit dem „Adventskalender rückwärts“ eine besondere Aktion veranstaltet hat. Irene Zwingelberg und Angelika Stolz hatten bei der Sammlung haltbarer Lebens- und Genussmittel wie Kaffee den Hut auf – doch das „Danke“ von Keitel richtet sich an alle Beteiligten. Genauso an die Rotenburger Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe: Für die ist Keitel beruflich tätig und stellt klar, dass sich ihre Kollegen sehr für die Tafel engagiert hätten.

Das sorgt – neben den anderen großzügigen Gebern – für gute Laune. Die machen sich die Rotenburger Ehrenamtlichen gern selbst in diesen Krisenzeiten. In der Tafelausgabestelle menschelt es nach wie vor: Das Team witzelt, „manchmal geht auch der Gaul durch. Den fangen wir zusammen wieder ein“, sagt Keitel schmunzelnd. Zusammen werde gelacht und geweint, aber eben auch ordentlich geschafft. Vor der Ausgabe fassen viele Hände mit an, die Lebensmittel werden sortiert und angerichtet. Hinterher packen alle dabei an, dass die Räume auch entsprechend sauber sind. Davon zeugt auch der Chlorgeruch, der zum Pressegespräch durch die Räume wabert – alles wird ordentlich desinfiziert. Und im Nachgang trinkt man als Team noch ein Käffchen zusammen, um runterzukommen und sich auszutauschen.

Umbau des Warteraums muss warten

Das sorgt für Zusammenhalt – und hat vielleicht auch für einen positiven Nebeneffekt gesorgt: 2023 konnten alle Ausgabetermine stattfinden, ausgefallene Termine sucht man im Kalender vergeblich. Das Team habe ganze Arbeit geleistet. Auch den ehrenamtlich Aktiven gebürt großer Dank, findet die Leiterin der Rotenburger Tafel.

Die Sicherheit geht vor, die Arbeiten mit chlorhaltigen Reinigern damit ebenso. Aus diesem Grund ist aus der ursprünglich geplanten Umgestaltung des Warteraums in dem laufenden Jahr nichts mehr geworden: Es gibt einfach eine ganze Menge anderer Dinge, die erledigt werden müssen.

Letzter Öffnungstag am 21. Dezember

Für das neue Jahr stellt die Vereinschefin in Aussicht, dass wieder neue Kunden dazustoßen könnten – dafür steht eine Bereinigung der Kartei von Wegzügen und anderen Abgängen an. Doch bis dahin heißt es erst einmal abwarten. Dass der Verein aufgrund des Aufnahmestopps schon einige Male Menschen abweisen musste, die für einen Tafelausweis berechtigt wären, komme nicht überall gut an, „aber wir können aktuell nicht jedem gerecht werden“, so Keitel. Vielleicht sieht das nach dem Jahreswechsel wieder anders aus.

Letzter Ausgabetag für 2023 ist der 21. Dezember, weiß Keitel. Und am 8. Januar öffnet der Vereinssitz an der Rathausgasse wieder seine Pforten für die Kunden – „dann geht es weiter, und zwar voller Elan“.

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