Die Schätze der Marienkirche: Der Sarkophag des letzten Diepholzer Grafen steht in Drebber

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Der Sarkophag des letzten Diepholzer Grafen steht in der Marienkirche in Drebber.
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Die Marienkirche in Drebber beherbergt so einige Schätze: der Sarkophag des letzten Diepholzer Grafen, eine wertvolle Orgel und Heiligenfiguren. Sie will die Gemeinde am Tag des offenen Denkmals präsentieren.

Drebber – In der Marienkirche steht ein Sarkophag aus übertünchtem Sandstein. Er gehört zu keinem Geringeren als dem letzten Grafen von Diepholz. Graf Friedrich II. ist 1585 gestorben und in Drebber beigesetzt worden. „Das Diepholzer Grafengeschlecht hatte seinen Sitz in Cornau, die Marienkirche war deren Hauskirche“, erzählt Pastor Rainer Hoffmann. Darüber hinaus hat die Kirche in Mariendrebber weitere historisch wertvolle Kunstgegenstände zu bieten, die das Pfarramt am Tag des offenen Denkmals präsentieren möchte (siehe Infobox). „Die Marienkirche zählt wohl zu den bedeutendsten Kirchen im Landkreis Diepholz“, meint Hoffmann. Belegbar sei das durch den historischen Wert der Gegenstände.

Prunksarkophag

„Ich schätze, dass die Gebeine des letzten Diepholzer Grafen im Sarkophag sind“, sagt der Pastor. Sicher ist er sich aber nicht: „Wir haben noch nicht reingeguckt – und werden auch nicht reingucken.“ Friedrich II. ist ohne Nachkommen verstorben. Sein einziger Sohn starb gemeinsam mit seiner Gattin unmittelbar nach der Geburt. Das bedeutete das Ende des Geschlechts der Grafen von Diepholz. Eine Außenrestauration des Prunksarkophag stehe demnächst an, berichtet Hoffmann.

Hus-Vater-Haupt-Orgel

Die Orgel in der Marienkirche ist eine der wenigen, die noch die Original-Handschrift des Orgelbauers Berendt Hus trägt.

„Wir haben die historisch wertvollste Orgel im Umkreis von rund 50 Kilometern“, erzählt Hoffmann. Der Wert dieses Instruments liege darin begründet, dass Berendt Hus das Hauptwerk der Orgel im 17. Jahrhundert baute. Hus ist der Onkel und Lehrmeister des bekannten Orgelbauers Arp Schnitger. Dessen Lehrling Christian Vater arbeitete ebenfalls an der Orgel in Drebber mit. Die Orgelbauerfamile Haupt erweiterte das Instrument im 19. Jahrhundert. Daher rührt auch der Name: Hus-Vater-Haupt-Orgel. Das Besondere am Instrument: „Wahrscheinlich ist es die einzige Orgel, bei der noch die Original-Handschrift von Hus erkennbar ist – mit den Bleipfeifen.“ Viele Teile seien nach wie vor im Original-Zustand, so Pastor Hoffmann

Heiligenfiguren

Die Heiligenfiguren deuten auf den katholischen Ursprung der Marienkirche hin.

Die großen Holzfiguren im Chorraum stellen christliche Heilige dar und weisen damit auf den katholischen Ursprung der Marienkirche hin. „Heiligenfiguren sind in der katholischen Kirche üblich“, erklärt der Pastor – nicht aber im Protestantismus. „Das ist eine weitere Besonderheit dieser evangelischen Kirche. Die Figuren stammen vermutlich aus dem 15. Jahrhundert“, mutmaßt Hoffmann. „Auf jeden Fall sind sie vorreformatorisch.“ Die Figuren stellen laut Pfarramt Drebber die Heiligen Jesus, Jakobus, Bartolomäus, Matthäus, Laurentius, Johannes, Petrus und Paulus dar.

Marienkirche

Die Marienkirche selbst in ihrer Backsteinform ist Schätzungen zufolge ungefähr im Jahr 1250 erbaut worden. Zuvor habe dort aber bereits seit etwa 850 eine Holzkirche gestanden, berichtet Hoffmann. Die Marienkirche wurde im Laufe der Geschichte immer wieder durch Brände oder Krieg beschädigt. „Nach den Zerstörungen im 30-jährigen Krieg wurde sie 1655-1659 wiederhergestellt“, so der Pastor. „Von 1857 bis 1860 erfolgte eine erneute Instandsetzung, wobei der Südgiebel und fast alle Fenster erneuert wurden.“ Nur das östliche Chorfenster sei in seiner ursprünglichen Größe und Profilierung erhalten geblieben.

Tag des offenen Denkmals

In der Marienkirche in Drebber gibt es zahlreiche Kunstgegenstände, die auch überregional Beachtung finden. Die Kirchengemeinde ist allerdings nicht in der Lage dieses Gebäude als eine dauerhaft offene Kirche zu betreiben. Deswegen nutzt der Förderverein den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, um die Marienkirche von 14 bis 16.30 Uhr für jedermann zu öffnen. Neben Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus bietet der Förderverein auch Kurzführungen durch die Marienkirche um 14.30 und 15.30 Uhr an.

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