VonCarolin Gehrmannschließen
Auf Norderney breitet sich eine nicht heimische Tierart immer mehr aus. Touristen finden die hübschen Damhirsche in der Stadt entzückend, Naturschützer warnen jedoch.
Norderney – Immer wieder werden auf der Insel Norderney Gruppen von Damwild gesichtet. Bis in den Stadtbereich dringen die Tiere vor, besonders im Winter, wenn auf der Insel weniger Betrieb ist. Dann erobern sich die Tiere mit den stattlichen Geweihen meist in den frühen Morgenstunden die Straßen und Wege, die sonst meist den Menschen vorbehalten sind.
Auch in der Facebook-Gruppe „Meine Lieblingsinsel – NORDERNEY“ kursiert ein Video von überraschten Inselurlaubern, das zeigt, wie eine Gruppe Damhirsche über einen Parkplatz läuft, in unmittelbarer Nähe der dort geparkten Autos und angrenzenden Wohnhäuser – offenbar auf Erkundungstour durch die Menschensiedlung.
Damwild auf der Insel Norderney – Freude für Touristen, für Naturschützer eher nicht
Bei Besuchern der niedersächsischen Insel lösen die meist unerwartet auftauchenden Tiere oft Begeisterung aus und dienen als beliebtes Fotomotiv. Dabei bringen die Besuche in der Stadt durchaus nicht nur Gutes mit sich – vor allem auch für die Tiere selbst, weiß der stellvertretende Hegeringsleiter Klaus Harms. Denn durch das Wild kommt es immer wieder zu Unfällen im Straßenverkehr. Oft können Jäger die angefahrenen Tiere dann nur noch erlösen. Oder es ist verletzt und flüchtet, erzählt Harms im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen. Dann verenden die Tiere qualvoll in den Wäldern.
Durch Damwild kommt es auf Norderney vermehrt zu Unfällen, Jäger können die Tiere nur noch erlösen
Harms appelliert daher auch ausdrücklich, das Damwild auf keinen Fall zu füttern. Das gilt für Besucher wie Einheimische gleichermaßen. Denn so verlören die Tiere ihre Scheu und würden immer wieder in Siedlungsgebiete vordringen – wo sie durch fahrende Autos gefährdet sind und für viele Anwohner auch ein Ärgernis darstellen, da sie auch gerne mal an Pflanzen und Bäumen in Gärten, auf Friedhöfen und in Parks knabbern – die viel schmackhafter sind als das, was die Dünen zu bieten haben.
Die Tiere wandern durch das Wattenmeer vom Festland auf die Nordsee-Insel – und werden laut Naturschützern zum Problem
Tatsächlich wandern die Tiere auch bei Ebbe durch das Wattenmeer zwischen Festland und Insel hin und her, berichtet Harms. Dabei kommt es auch immer wieder zu bedauerlichen Unfällen und Tiere verenden in den Wassermassen, wenn die Flut wieder einsetzt. Möglicherweise kam es auf diese Weise auch zu dem Gruselfund einer Spaziergängerin am Strand von Langeoog.
Wie viele Damhirsche auf der Insel leben, lässt sich nicht genau sagen. Doch nach Angaben des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sind sie einst zu Fuß auf die Insel gekommen – also vom Festland durch das Watt – und breiten sich auf der Insel immer mehr aus, obwohl sie dort nicht heimisch sind. Es leben inzwischen so viele Tiere auf der Insel, dass sie durchaus ein Problem für die heimische Vegetation darstellen, wie eine Sprecherin auf Anfrage von kreiszeitung.de erklärt.
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