Weniger CO₂-Ausstoß

Die Zukunft des Autofahrens? Das macht den neuen Bio-Diesel DK25 so besonders

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Seit einigen Wochen gibt es eine neue Klima-Dieselsorte: DK25. Ein Teil des Diesels stammt von alten Pflanzenfetten.

Hoya/Weser – Die FDP wird es freuen: Mit dem neuen Kraftstoff DK25 könnte man die Abschaffung der Dieselmotoren hinauszögern. DK25 wird in den Landkreis Diepholz und Nienburg an einigen Classic-Tankstellen angeboten. Eine Ausweitung auf den Rest der Republik ist laut Kerstin Groß geplant. Sie ist stellvertretende Stationsleiterin der Classic-Tankstelle in Kirchweyhe (Landkreis Diepholz), eine der ersten Tankstellen mit DK25 im Angebot. Ebenfalls tanken kann man DK25 an der Felta-Tankstelle in Visbek. Das Netz an Tankstellen wächst stetig weiter. Als Erstes konnte man in Hoya Klima-Diesel tanken.

Klimadiesel DK25 auch in Niedersachsen: Angebot in Diepholz und Nienburg

Die Lühmann Gruppe, zu der die Classic-Tankstellen gehören, ist Vertriebspartner von der Firma Klima Kraftstoffe, einem Konsortium aus einem bundesweiten Netz mehrerer mittelständischer Unternehmen, heißt es auf Sprit-Plus. Die Lühmann-Gruppe hat ihren Sitz in Hoya (Landkreis Nienburg). Laut der Werbebroschüre sollen mit dem Klima-Diesel DK25 bis zu 25 Prozent CO₂-Neuemissionen gegenüber herkömmlichen Diesel gespart werden. Bei DK90 sollen es bis zu 90 Prozent sein. Klima-Diesel ist ein synthetischer Kraftstoff, der aus biologischen Rest- und Abfallstoffen, wie beispielsweise benutztem Pflanzenfett, hergestellt wird. 

Die Zukunft des Autofahrens? Das macht den Bio-Diesel DK25 so besonders

Das Besondere an DK25 ist, dass ein Teil aus Abfall besteht. Der Hersteller schreibt: In einem Raffinationsverfahren werden Abfallstoffe, wie zum Beispiel benutzte Pflanzenfette, mittels katalytischer Reaktion in synthetische Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Dank dieses Herstellungsverfahrens können schädliche, schwefelhaltige Verbindungen stark reduziert werden. Was sich genau dahinter verbirgt, wird nicht verraten.

Ein allgemeiner Blick auf die Herstellung von E-Fuels kann einen Überblick verschaffen. Als Ausgangsprodukt dient Wasserstoff (H2). Dieser wird durch einen Elektrolyseur gewonnen. Damit der Wasserstoff zu einem flüssigen E-Fuel wird, wird anschließend Kohlendioxid (CO₂) beigegeben. Das in diesem Verfahren entstehende Gemisch nimmt durch bestimmte chemische Prozesse die Eigenschaften von Benzin oder Diesel an und ist anschließend für den Einsatz in Benzin- und Dieselmotoren geeignet. Der gesamte Prozess verschlingt viel Strom.

Die Zapfsäulen für den Klima-Diesel DK25 befinden sich im hinteren Bereich der Classic-Tankstelle in Hoya.

Um eine gute Umweltbilanz zu erzielen, müsste der Strom für E-Fuels aus regenerativen Energien wie Wind und Sonne kommen. Des Weiteren sind Kritikpunkte, dass der Strom direkt für E-Autos genutzt werden könnte. Das Gleiche gilt für den Wasserstoff. Auch dieser könnte über eine Brennstoffzelle genutzt werden. Mit jedem weiteren Arbeitsschritt geht Energie verloren und der Wirkungsgrad verschlechtert sich.

Biodiesel DK25: Hamburger Forscher entwickeln neues Verfahren

Hamburger Forscher haben kürzlich ein Verfahren entwickelt, welches nach eigenen Angaben nur noch 1,6 Prozent Wasserstoff für einen Liter Erdölersatz benötigt. Dadurch sinkt auch der Strombedarf nun auf eine Kilowattstunde pro Liter Kraftstoff, heißt es. Basis sind ebenfalls Altfette, aber auch Plastik. Neben Kraftstoffen wollen die Forscher so auch Kunststoffe herstellen.

Das notwendige Verfahren wurde im Rahmen des Forschungsprojektes READi-PtL (Reaktive Destillationsverfahren) von der Forschungsgruppe „Verfahrenstechnik“ unter Leitung von Prof. Thomas Willner und Prof. Annika Sievers entwickelt. Die Pilotanlage ist auf eine Jahreskapazität von 100 Tonnen ausgelegt. 

Zukunft des Autofahrens: Ohne DK25 wird es wohl nicht gehen

Vermutlich wird es nicht ohne synthetische Kraftstoffe wie DK25 gehen. Wenn auch beim Auto die Kosten-Nutzen-Rechnung fragwürdig ist, so sieht sie bei Flugzeugen und Schiffen anders aus. In beiden Bereichen sind Batterie oder Brennstoffzelle schwer zu verwirklichen. Züge fahren schon mit Wasserstoff statt mit Diesel. Der große Vorteil von synthetischen Kraftstoffen ist, dass sie sich hinsichtlich Volumen und Gewicht ähnlich verhalten wie Diesel und Benzin. Gerade in ärmeren Ländern könnten synthetische Kraftstoffe wie DK25 einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Rubriklistenbild: © nala harries

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