VonUlla Heyneschließen
Das Hurricane Festival sorgt nicht nur für jede Menge Spaß, sondern auch für jede Menge Müll. Die Veranstalter bemühen sich um Umweltverträglichkeit, nichtsdestotrotz kommt es am Ende auch auf das Verhalten der einzelnen Festivalbesucher an.
Scheeßel – Nicht nur beim Konsumverhalten, Energie, Wohnen und Reisen ist Nachhaltigkeit eines der beherrschenden Themen unserer Zeit, sondern auch bei Festivals. Welche Maßnahmen ergreift der Veranstalter? Hier eine Übersicht.
Müll
Am dritten Juni-Wochenende entsteht am Scheeßeler Eichenring eine Stadt auf Zeit. Und die produziert eben auch Müll. Dass dies so viel ist wie bei einer Stadt gleicher Größe in einem ganzen Jahr – eine Menge, die im Zusammenhang mit Müllvermeidung bei Festivals immer wieder kursiert –, mag Jasper Barendregt vom Veranstalter FKP Scorpio so nicht bestätigen. Doch auch ohne konkrete Zahlen im Gepäck ist klar: Gerade durch zurückgelassene Campingausrüstung, aber auch durch festen und flüssigen Verzehr kommt einiges zusammen. Seit 2013 wird Plastik getrennt. „Damals noch händisch mit Lotsen – ein Wahnsinn“, erinnert sich der Leiter Festival Production.
Ein Meilenstein seien die Sortieranlagen gewesen, ab 2019 wurden gelbe Säcke eingeführt. Das Müllpfand wurde im Vorjahr wieder abgeschafft. Diese Maßnahme hat sich laut FKP-Scorpio-Vertreterin Inga Rossbach nicht bewährt: „Viele Fans haben den Obolus von zehn Euro als Freifahrtschein verstanden – ein falsches Signal.“ Heute appelliert man mit Aktionen wie „Trash-O-Lution“ (für jeden zurückgebrachten Müllsack fließt eine Spende an hiesige Institutionen wie die Landjugenden, den DRK-Wünschebus oder AGs der Beekeschule). Gerade die neue „Fridays for Future“-Generation verstehe den Zusammenhang: „Mehr Müll – teurere Tickets“. Davon ist auch Barendregt überzeugt.
Anreise
Werbung für die Anreise mit der Bahn, gleichwohl: Ein Ticket für den Metronom ist noch vor einigen Jahren nicht mehr in der Eintrittskarte enthalten. „Wir gehen davon aus, dass viele Besucher eh schon das 49-Euro-Ticket haben“, so Barendregt. Fakt ist: Trotz 9-Euro-Ticket reisten im Vorjahr 9000 Fans weniger mit der Bahn an als üblich. Das könnte mit dem kurz zuvor ausgesprochenen „Bollerwagen-Mitnahmeverbot“ zusammenhängen, das die Besucher vor ein Transportproblem ihrer Camping-Utensilien stellte.
Vom Veranstalter organisierte „Schwarze Bretter“ für Mitfahrgelegenheiten gibt es schon seit Jahren nicht mehr. „Über entsprechende Gruppen in den sozialen Medien sind die Leute so gut vernetzt, dass das nicht mehr genutzt würde“, erklärt Inga Rossbach. Auch die noch vor einigen Jahren organisierte Fahrradanreise mit Gepäcktransport des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) gehört der Vergangenheit an, was Barendregt bedauert.
Wer mit dem Fahrrad kommt, hat nicht nur lange Wege. Die Stationen sind auch in diesem Jahr am Ortseingang Westervesede und auf der anderen Seite nicht eben nah am Gelände platziert. So gab es im letzten Jahr auch Schwierigkeiten, den Fahrradparkplatz zu finden. Dies soll in der kommenden Auflage durch eine entsprechende Beschilderung verbessert werden.
Strom
Schon seit Jahren bemühe man sich bei FKP Scorpio um den Anschluss an eine Mittelspannungsleitung, die am Gelände vorbei führt. Es sei denkbar, dass es im nächsten Jahr klappt, so Barendregt, und – gerade im Hinblick auf das am Rande des Geländes geplante Gewerbegebiet: „Wir hoffen, die Kommune mit ins Boot zu holen.“ Bis dahin kommen nach wie vor Generatoren zum Einsatz; nur der Strom für das Produktionsbüro kommt bereits aus der Leitung.
Mehrweggeschirr
Pfandbecher sind schon seit vielen Jahren Usus, nun gibt es auch Bemühungen in punkto Mehrweggeschirr. Neben dem konventionellen Einweggeschirr wird es in diesem Jahr an allen Ständen auch eine Mehrweg-Variante geben, so die gute Nachricht des Veranstalters.
Kulinarik
Andere Festivals wie das „Feel“ bieten nachhaltigen Verpflegungsständen einen Rabatt auf die Standgebühr. So weit will man beim Hurricane nicht gehen. „Seit 2015 haben wir einen neuen Caterer, der setzt auf Qualität und Regionalität.“ Stolz sei man auf ein breit gefächertes Portfolio, „nicht nur Bratwurst und Pommes“. So würden an allen Ständen auch vegetarische oder vegane Alternativen angeboten.
Grüner Wohnen
Die 2012 eingeführte grüne Alternative zu staubigen Camps, leeren Bierdosen und zerfetzten Pavillons gewinnt immer mehr an Beliebtheit: Anfänglich buchten rund 15 Prozent der Besucher diese Variante, die neuerdings unter „Hurricane Park“ firmiert, inzwischen sind es über 40 Prozent. Barendregt würde sich wünschen, dass dieser Trend weiter zunimmt. „Wir setzen dabei nicht auf Einzelanreize, sondern aufs Gesamtpaket.“
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