VonHeinrich Krackeschließen
Die Stadtwerke Verden geben die gesunkene Umsatzsteuer weiter. Das hat zur Folge, dass die Gaspreise sinken. Einen Kostensprung wird es frühestens zum Jahreswechsel geben.
Verden – Erstaunliche Entwicklung in einer krisenreichen Zeit. Während andernorts die Energiepreise nur eine Richtung kennen, sie steigen steil – und das seit Monaten – , bilden die Stadtwerke Verden eine ungewöhnliche Ausnahme. Bei der einzigen Preisanpassung des Jahres, zum 1. Oktober, liegen die Entgelte fürs Erdgas nicht nur weit unten, sie sind sogar gesunken. „Den neuen Umsatzsteuersatz geben wir an unsere Kunden weiter“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Joachim Weiland auf Nachfrage. Haushalte, die bisher zum Start in die Heizperiode mit starken Aufschlägen rechnen mussten, kommen jetzt sogar mit einer Einsparung davon, einer kleinen zwar nur, der Normalhaushalt mit rund 15 Euro pro Jahr, aber aus dem bundesdeutschen Rahmen fällt diese Entwicklung sehr wohl. Die neuen Preise sind inzwischen auf der Homepage der Stadtwerke veröffentlicht.
Eine durchaus komplizierte Rechnung, die hinter den sinkenden Gaspreisen in Verden steht. „Die Gasumlage ist komplett weggefallen, aber die Gasspeicherumlage ist geblieben. Sie geben wir an die Kunden weiter“, erklärt Weiland. Ein Wimpernschlag von 0,059 Cent, der auf jede Kilowattstunde draufgeschlagen wird. Andererseits sinke die Mehrwertsteuer. Statt bisher 19 Prozent sind mit der Bundestagsentscheidung nur noch 7 Prozent zu berechnen, und dies gilt nicht nur für den Kilowattpreis, sondern auch für die Grundgebühr. Insgesamt könne von einem Preisrückgang in Höhe von 0,05 Cent je Kilowattstunde ausgegangen werden, und das nicht nur in Verden, sondern auch in Kirchlinteln, wohin die Stadtwerke liefern. 7,08 Cent sind je Kilowattstunde zu entrichten. Umliegende Versorger haben längst ganz andere Dimensionen erreicht, kleine wie große. In Rotenburg wurden schon zur Jahresmitte 16,84 Cent aufgerufen, die EWE kommt mit 14,99 Cent daher. Eine kleine Unwägbarkeit bleibt aber auch in Verden erhalten. Zwar hat der Bundestag entschieden, das Votum des Bundesrats steht noch aus. „Zur Not ändern wir das Preistableau dann erneut“, heißt es bereits aus der Stadtwerke-Führungsetage.
Eine ganze Anzahl Kunden hatte in den vergangenen Wochen bereits in Erwartung deutlich steigender Preise ihre Abschlagszahlung nach oben korrigiert. 10 bis 15 Prozent reagierten den Angaben zufolge auf diese Weise. Zwar werde ein Teil die Erhöhung rückgängig machen, gleichzeitig denken die Stadtwerke aber auch über die Möglichkeit nach, den überschüssigen Betrag stehen zu lassen und als Guthaben fürs nächste Jahr zu nutzen. Eines nämlich stehe auf jeden Fall fest: Zum Jahreswechsel dürfte es mit den Wohlfühlpreisen vorbei sein. Wie stark der Kostenanstieg ausfalle, stehe allerdings noch in den Sternen.
Unklar indes, ob die Verdener und Kirchlintelner Bevölkerung angesichts der vergleichsweise moderaten finanziellen Belastung an Motivation beim Energiesparen verlieren. Bis Ende August lag die Einsparung nach Stadtwerke-Angaben um 10 bis 12 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt. Zu einer Kehrtwende könnte es bereits im September gekommen sein, der Monat des Herbstanfangs fiel spürbar kühler aus als das langjährige Mittel. Erste Erkenntnisse erwarten die Stadtwerke zum Wochenende. Die Bundesregierung wird nicht müde, für eine Einsparung von 15 Prozent zu werben.
