VonMarcel Priggeschließen
Für ein dauerhaftes, bundesweit gültiges Nahverkehrsticket nach dem Ende des 9-Euro-Tickets hat sich Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) ausgesprochen. Rückendeckung bekommt der Politiker von verschiedenen Abgeordneten des niedersächsischen Landtags.
Hannover – Abgeordnete des niedersächsischen Landtags sowie Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann haben sich am Mittwoch, 29. Juni 2022, für eine dauerhafte Einführung eines bundesweit gültigen Nahverkehrstickets ausgesprochen. So solle auch nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets im August ein bezahlbares Deutschlandticket den Menschen zur Verfügung stehen.
9-Euro-Ticket: Althusmann spricht sich bundesweit gültiges Deutschlandticket aus – „Strohfeuer ohne Perspektive“
Der Bund solle die Länder in die Lage versetzen, „auch nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein kostengünstiges, deutschlandweites ÖPNV-Ticket anzubieten“, sagte der CDU-Politiker der dpa in Hannover. Die Mobilitätswende gelinge nur, wenn die mit dem 9-Euro-Ticket gewonnenen Neukunden im Juni, Juli und August langfristig an den Nahverkehr gebunden würden, so Althusmann. Der ÖPNV müsse nachhaltig gestärkt werden, damit das Ticket nicht „ein Strohfeuer ohne Perspektive“ bleibe.
9-Euro-Ticket: Monatsticket wird gut angenommen, Infrastruktur stößt jedoch an Grenzen
Die bisherigen Absatz- und Fahrgastzahlen würden laut Althusmann zeigen, dass das günstige Monatsticket gut angenommen werde. Allerdings werde auch deutlich, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen stoße. Die Politik und der Bund seien daher gefragt, die richtigen Schlüsse zu ziehen und etwa die Mittel zu erhöhen, mit denen die Länder Verkehrsleistungen bestellen können.
Das 9-Euro-Ticket wird zu einem Strohfeuer werden, weil es im August ausläuft und noch kein Folgeprojekt da ist
Rückendeckung bekommt Althusmann von verschiedenen Abgeordneten des niedersächsischen Landtags während der letzten Plenarsitzung vor der Sommerpause in Hannover. Auch Ulf Thiele (CDU) fand deutliche Worte zum günstigen Monatsticket für Bus und Bahn. „Das 9-Euro-Ticket wird zu einem Strohfeuer werden, weil es im August ausläuft und noch kein Folgeprojekt da ist.“ Man müsste den zweiten Schritt gehen und weiterdenken. „Ein bezahlbares Ticket, wie von Althusmann gefordert, ist zwingend notwendig.“ Wie ein bezahlbares Ticket aussehen und ob es das von den Verbraucherzentralen geforderte 29-Euro-Ticket sein könnte, bleibt derweil noch offen.
9-Euro-Ticket: „Eins-zu-eins-Übertragung nicht sinnvoll“
Wie eine mögliche Fahrkarte nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets aussehen könnte, ist diskutabel. So hält Linken-Politiker Bernd Riexinger die Einführung eines 365-Euro-Tickets für realistisch. Auch ein Klimaticket könnte als Anschlusslösung nach dem 9-Euro-Ticket dienen. Auch Reinhold Hilbers, Finanzminister Niedersachsens, halte es für nicht richtig, das Dreimonatsprinzip eins zu eins auszuweiten. Das würden auch die Zahlen zeigen. 2,5 Milliarden Euro koste das 9-Euro-Ticket den Bund für drei Monate. „Also rund 10 Milliarden Euro pro Jahr, eine Milliarde für Niedersachsen“, so Hilbers. „Das 9-Euro-Ticket bleibt ein Strohfeuer, aber eine Eins-zu-eins-Übertragung ist nicht sinnvoll.“
Verkehrsanbieter in Niedersachsen und Bremen: Nachfrage nach 9-Euro-Ticket hoch
Die Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket ist groß. Bundesweit wurden schon 16 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Auch mehrere Verkehrsanbieter in Niedersachsen und Bremen bestätigen den Bedarf. So hat der Verkehrsverbund GVH der Region Hannover für Juni rund 243.000 Tickets verkauft – zusätzlich zu rund 140.000 Abonnenten, die im Aktionszeitraum automatisch von dem günstigeren Tarif profitieren. Auch für Juli (knapp 37.000) und August (knapp 23.000) hat der GVH schon viele 9-Euro-Tickets verkauft. Die Bremer Straßenbahn AG verkaufte für Juni fast 129.000 Monatstickets. Auch für Juli und August lägen die Zahlen bereits zwischen 10.000 und 25.000, teilte ein Sprecher mit. (Mit Material der dpa)
