VonAndreas Schultzschließen
Im Wahllokal Bötersen herrscht reger Betrieb. Frank Ottens, Jana Hoops und Sandra Buthmann erzählen zur Europawahl von der Arbeit im Wahlhelferteam.
Bötersen – Kurz vor Schluss wird es noch einmal voll. Der letzte Ansturm auf die Wahlurnen in der Grundschule Bötersen erfolgt gegen 17.40 Uhr, als alle drei Kabinen belegt sind – einige Wähler aus Bötersen müssen kurz auf die Stimmabgabe zur Europawahl warten. Um Punkt 18 Uhr sagt Frank Ottens dann den entscheidenden Satz: „Ich erkläre diese Wahl hiermit für beendet“. Stimmabgabe vorbei.
Teamarbeit macht Spaß
Seit mehr als 20 Jahren macht Ottens als Wahlhelfer mit, zur Europawahl als Wahlleiter. Macht das Spaß? Der Angesprochene überlegt kurz, bevor er eine Antwort gibt. „Man lernt neue Leute aus dem Dorf kennen und es ist auch schön, im Team zusammenzusitzen“, sagt der Wahlleiter. Als Wahlhelfer Stütze der Demokratie zu sein, dazu motiviere ihn Pflichtgefühl – wenngleich er das Wort selbst als eine Nuance zu hochgestochen empfindet. „Ein Ehrenamt zu bekleiden, das gehört einfach dazu“, findet der Mann aus Bötersen.
„Ich kippe aus!“, sagt Jana Hoops. Kurz nach Ende der Wahlzeit von 8 bis 18 Uhr hat sie eine Hand an Wahlurne, die gerade noch im Eingangsbereich der Aula stand. Stefanie Mentzing nimmt den Griff auf der anderen Seite. Die beiden Frauen tragen die graue Box ein paar Meter, stellen ab, greifen um, heben an und schütteln lächelnd den Behälter aus. Die gefalteten Stimmzettel landen auf den zusammengestellten Tischen, der Haufen wächst. Als nichts mehr kommt, wirft Hoops einen letzten Blick in die Box. Leer.
Keine Unregelmäßigkeiten bekannt
Ehrenamtliche Arbeit gehört für Ottens einfach dazu. Nicht nur im Sportverein, sondern eben auch als Wahlhelfer. Die Funktionen wechseln durchaus auch mal – diesmal ist der 55-Jährige wieder als Wahlvorstand dabei. Die Verantwortung sei „nicht zu unterschätzen“, findet er. „Wenn es mal Unregelmäßigkeiten gibt, dann steht man zwar nicht gleich mit dem Rücken zur Wand, aber man muss schon Rede und Antwort stehen“, sagt der Wahlleiter. Allerdings könne er sich nicht daran erinnern, dass es in Bötersen so einen Fall gegeben hat – „nicht zu meiner Zeit“.
Das Team zur Schweigepflicht vergattern, für einen reibungslosen Ablauf sorgen und bei Schwierigkeiten eine Klärung herbeiführen und zur Not die Samtgemeinde einbeziehen: Das sind die Aufgaben des Wahlleiters. Er hat das letzte Wort, wenn es darum geht, ob ein schwierig zu deutender Stimmzettel als ungültig gilt oder ein Wählerwille ablesbar ist.
Eindeutiger ist das schon, wenn ein Kreuz über den ganzen Zettel geht. Warum jemand zur Wahl geht und dann seinen Stimmzettel auf diese Weise entwertet, kann Ottens schwerlich nachvollziehen – auch zur Wahl am Sonntag kam derartiges einige Male vor. „Dann kann man auch zuhause bleiben“, findet Ottens.
Keine Spur von Aufregung
Nervös sei er kaum noch vor den Wahlen. Das ist bei Kommunalwahlen noch etwas anders: „Da ist auch das Interesse vor Ort größer, bei der Auszählung sind viel mehr Beobachter dabei.“ Anders diesmal: Um kurz nach 18 Uhr sind die Ehrenamtlichen unter sich.
Auch Jana Hoops und Sandra Buthmann sind am Sonntag betont gelassen. Beide machen zum ersten Mal als Wahlhelferinnen mit. Hoops ist per Posteinwurf zum Ehrenamt eingeladen worden, „und ich hatte keinen guten Grund, der dagegensprechen würde“, sagt die Grundschullehrerin und lacht. Auch wenn es um viel geht, um Europa, die die Zusammensetzung des Parlaments und Bötersens kleinem Anteil daran – „aufgeregt bin ich nicht“, sagt Hoops. „Aber ich kenne das auch schon von klein auf“, denn das Gasthaus Hoops war bis zuletzt noch Wahllokal.
Die Neuen empfehlen, selbst mal mitzumachen
Die kaufmännische Angestellte Buthmann ist das Prozedere von Betriebsratswahlen gewohnt. „Aufregend wird es nur dann, wenn etwas Besonderes passiert“, findet sie. Etwa der Briefwahlwähler, der sich kurzfristig dazu entschieden hat, seine Stimme doch traditionell per Urnengang abzugeben. Ihm konnte geholfen werden – und am Rand ergeben sich nette Gespräche. Beide könnten diese Arbeit weiterempfehlen. „Es ist ein tolles Team, es macht Spaß“, sagt Hoops.
Die Betriebsamkeit, die den ganzen Tag über im Wahllokal zu spüren war, findet sich auch am Ende wieder, als es dort an den Tischen raschelt: Feinsäuberlich klappen die Wahlhelfer die Stimmzettel auf und fassen sie in Zehnerstapeln zusammen. Das erleichtert den ersten Test: Ob ihre Zahl mit den Angaben im Wählerverzeichnis übereinstimmen. Die Ehrenamtlichen sind vertieft in ihre Arbeit – und leisten beim Zählen ihren Teil zur Europawahl.

