Gute Idee?

Nachdem ein Wolf umherschlich: Waldkindergarten will sich jetzt mit Flatterband schützen

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Ein Wolf, sehr nah am Waldkindergarten Ihlow bei Aurich gesichtet, versetzt Eltern in Angst. Flatterband soll nun helfen, das Raubtier fernzuhalten.

Niedersachsen – Mitten im Wald, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter Natur und Umwelt kennenlernen – so beschreibt der Waldkindergarten Ihlow, im Landkreis Aurich, auf der Website sein Konzept. Eine schöne Vorstellung, wäre da nicht die Tatsache, dass seit 2020 auch ein Wolfspaar Teil der hiesigen Natur ist. Kürzlich wurde eines der Tiere in der Nähe des zur Kita gehörigen Bauwagens gesichtet, wie Bild.de berichtet. Jetzt wehrt sich der Kindergarten.

Angst um Kinder: Flatterband soll Wolf vom Waldkindergarten fernhalten

Ein leuchtend grün gestrichener Bauwagen steht, umrahmt von Bäumen und Laub im Ihlower Forst. Diese Naturidyll ist der Dreh- und Angelpunkt des Waldkindergartens Ihlow. Doch seit Kurzem wird das Bild von blauem Flatterband durchtrennt, das einen großen Bereich rund um den Wagen einrahmt. Der Grund: Gar nicht weit entfernt, bei Friedeburg, ist schon seit 2020 ein Wolf-Paar angesiedelt. Das ist einer Karte der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zu entnehmen.

Wolf in der Nähe vom Waldkindergarten gesichtet – Maßnahmen ernten Hohn

Kürzlich wurde in der Nähe des Waldkindergartens zum Schrecken der Eltern die Raubtiere gesichtet, berichtet Bild.de. Neben dem Flatterband sollen auch Rasseln die Raubtiere verschrecken. In den sozialen Medien klingt ein höhnischer Tenor bezüglich der Abschreckungsmethoden an. Eine Nutzerin fürchtet: „Hungrige Wölfe wird wohl kein Flatterband aufhalten“. Ein anderer wundert sich und schlägt vor: „Stopp-Schilder wären doch eine gute Alternative gewesen?“

Empathischer mutet eine Facebook-Nutzerin an, die in der Maßnahme einen „Ausdruck tiefster Hilflosigkeit“ sieht. Falsch liegt sie damit vermutlich nicht: Wolfs-Experte Hans Meier (Name wurde von der Redaktion geändert) kennt sich mit dem Fall aus. Gegenüber kreiszeitung.de sagte: „Es sind milde Maßnahmen, um den Eltern zu zeigen, dass etwas getan wird.“

Aus Angst vor negativen Konsequenzen möchte er seine wahre Identität nicht preisgeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass am Kindergarten etwas passiere, sei allerdings sehr gering. Meier weiter: „Wölfe wurden nur in Abwesenheit der Kinder in der Nähe des Waldkindergartens gesichtet.“

Sorgen und Ängste um Nachwuchs: Eltern entscheiden, dass Maßnahmen her müssen

Bei einer Elternversammlung sei dann die Entscheidung getroffen worden, entsprechende „Maßnahmen zu ergreifen“. Die Sorgen und Ängste der Eltern um ihren Nachwuchs könne Hans Meier gut verstehen. Schließlich handele es sich bei Wölfen um Raubtiere. „Es ist Kaffeesatzleserei, wo das noch hinführt, wenn die sich ausbreiten.“ Für Tiere sind Wolfsbegegnungen bereits tödlich verlaufen.

Diverse Erlebnisse in Niedersachsen mit dem Raubtier Wolf – Schüren sie die Angst?

Die Nähe zum Menschen scheint hierbei kaum eine Rolle zu spielen. So wie bei diesem Pony, das direkt neben Wohnhäusern auf der Weide gerissen wurde. Das zeigt auch dieses Video, indem ein Wolf vermeintlich panisch durch einen Pferdestall rennt. Auch diese Radfahrerin war von der Begegnung mit drei Wölfen, die sie verfolgten, sehr verängstigt. Eine Umfrage zeigte zudem kürzlich, dass die Angst vor dem Raubtier groß ist.

In der Nähe des Waldkindergartens Ihlow wurden kürzlich Wölfe gesichtet. Flatterband diese nun abschrecken. (Symbolbild)

Selbst Fachkundige in Bezug auf den Wolf können laut Meier nie komplett ausschließen, dass nicht doch etwas passiere. „Es ist also verkehrt, die Ängste der Menschen kleinzureden.“ Das sei auch nicht wegzudiskutieren. Aber warum Flatterband und Rasseln, aber kein Zaun? Ursprung und Empfehlung dieser Abschreckungsmethode liegen beim niedersächsischen Umweltministerium.

 „Es ist verkehrt, die Ängste der Menschen kleinzureden.“

Anonyme Quelle gegenüber kreiszeitung.de

Ministeriums-Sprecherin Jorid Meya weiß: „Flatterband anzubringen ist eine bewährte Methode, um temporär Wölfe fernzuhalten.“ Die flatternden Bewegungen soll die Tiere abschrecken. Sie werde nicht nur in Deutschland als erfolgreiche Sofortmaßnahme angewendet, sondern auch im Herdenschutz oder als „vorübergehende Vergrämungsmethode“. 

Umweltministerium stellt klar: Wölfe sind Wildtiere, die potenziell gefährlich sein können

Obwohl auch Meya betont, dass aktuell nicht davon ausgegangen wird, dass von den ansässigen Wölfen ein „gesteigertes Gefahrenpotential“ ausgehe, handele es sich um Wildtiere, die potenziell gefährlich sein können. Umso wichtiger sei das richtige Verhalten im Umgang mit den Raubtieren, um Gefahrensituationen zu minimieren.

Das Umweltministerium äußerte gegenüber kreiszeitung.de, dass Kinder, Eltern und Mitarbeiter geschult wurden, um über Wölfe im Allgemeinen sowie das korrekte Verhalten in einer Wolfsbegegnung aufzuklären.

Rubriklistenbild: © Zoo Berlin/dpa/Andreas Arnold

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