Gastro am Limit

Angst vor leeren Tischen: Erhöhung der Mehrwertsteuer macht Gastro zu schaffen

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Die Mehrwertsteuer für Speisen steigt ab dem kommenden Jahr an. Das führt zu mieser Stimmung in der Gastronomie.

Verden – Zum 1. Januar steigt die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie um zwölf Prozent – von sieben auf 19 Prozent. Das bedeutet, der Döner um die Ecke, der Restaurantbesuch und der Frühstücksbrunch werden teurer. Essen zum Mitnehmen, im Supermarkt oder bei der Lieferung werden weiterhin mit sieben Prozent besteuert - da ändert sich also nichts.

Mehrwertsteuererhöhung: Gastronomie im Landkreis Verden am Limit

Die Entscheidung trifft die Gastronomie im Landkreis Verden hart. Einnahmeeinbußen durch Schließungen in der Coronazeit, danach steigende Lebensmittelpreise durch den Ukraine-Krieg und zuletzt durch die Maut-Erhöhung und zusätzlich noch höhere Lohnzahlungen für die Betriebe, die nach Tarif zahlen – die Branche hat es momentan alles andere als leicht . Oder wie es Carsten Fischer vom Lugenstein in Verden sagt: „Wir liegen schon am Boden“

Und nun das: Laut einer Insa-Umfrage im Auftrag des Dehoga von Anfang September würde mehr als jeder Zweite (58 Prozent) im Fall einer Steuererhöhung seltener essen gehen.

Der Döner bei Dogan Can im Kebap House wird künftig 7,50 Euro kosten.

„Bei uns kommt es zu leichter Panik“, sagt Gördt Glander, stellvertretender Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Verden und Geschäftsführer des Hotel Höltje. Die Läden kämen an die Grenzen, was sie noch mitmachen könnten.

Und bei einigen scheint die Mehrwertsteuererhöhung sogar über die Grenzen hinaus zu gehen. Tatsächlich rechnet der Dehoga Niedersachsen damit, dass bis zu 1 000 Betriebe dicht machen müssen – in der Coronazeit mussten bereits etwa 3 000 Gastgewerbe die Türen schließen.

Die Erhöhung komme zu einer schlechten Zeit, sagt Carsten Fischer vom Lugenstein. Im Januar kämen ohnehin wenig Kunden, weil sie noch satt von Weihnachten und Sylvester seien.

Fischer wird die zwölf Prozent an die Kunden weitergeben. Die kleine Zwiebelsuppe könnte dann dementsprechend 60 Cent mehr kosten, der Kabeljau im Hauptgang für 26 Euro womöglich mehr als drei Euro mehr*. Die Frage ist, ob die Gäste die Preiserhöhung mitmachen. Fischer selbst macht sich auf der einen Seite nur wenig Sorgen: „Wir haben viele Stammkunden, die gut betucht sind und regelmäßig zu uns kommen.“ Bei Neukunden ist er allerdings skeptisch, ob die die höheren Preise akzeptieren werden. Und so sagt er auch: „Die Angst, das Kunden wegbleiben, bleibt“.

Preise werden steigen: Gastro-Betriebe müssen sich anpassen

Auch Dogan Can vom Kebap House in Verden wird die Preise erhöhen. Er ist von der Mehrwertsteuererhöhung allerdings nur teilweise betroffen, weil rund dreiviertel seiner Gäste das Essen mitnehmen. Für Außerhausessen gilt weiterhin der niedrigere Steuersatz von sieben Prozent. Da er nicht mit zwei Preisen arbeiten möchte, erhöht er die Preise für all seine Produkte um 50 Cent. Macht er sich Sorgen, dass weniger Kunden kommen werden dadurch? „Die Befürchtung ist da“, sagt er. „Die Leute können nur das ausgeben, was sie haben.“

Christian Haag vom Haags Hotel stellt sich zur Zeit die Frage, was auf der Karte nach der Mehrwertsteuererhöhung noch Sinn macht. Was ist zum Beispiel mit Fisch und Rumsteak? Kauft das noch wer? Wenn nicht, dann müsse er es sich auch nicht in den Kühlschrank legen.

Bei Gördt Glanders Hotel Höltje wird sich nicht viel ändern. Nur die Frühstückspreise wird er anziehen. Von zurzeit 16,50 Euro wird er auf irgendwas zwischen 18,50 und 20 Euro gehen. Bis auf den Preis wird sich an dem Angebot allerdings nicht ändern und das bedauert Glander: „Zur Preiserhöhung gehört auch eine Qualitätserhöhung - die ist momentan aber nicht möglich.“

Alle befragten Gastronome haben gemein, dass sie sich unfair behandelt fühlen. Ungleich ist zum Beispiel, dass das Schnitzel, das im Restaurant verzehrt wird, mit 19 Prozent besteuert wird, am Imbiss um die Ecke zum Mitnehmen aber nur mit sieben . Und das, obwohl das Restaurant mit wieder verwendbaren Tellern und Geschirr arbeitet, der Imbiss hingegen mit Verpackungen und Geschirr aus Plastik. „Wieso wird das, wo Plastik hergestellt wird, belohnt mit sieben Prozent und wir mit 19 Prozent bestraft?“, fragt sich Glander.

*Die Preise sind nur Rechenbeispiele.

Rubriklistenbild: © Bergmann

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