VonKatharina Könemannschließen
Um angesichts des Krieges in der Ukraine Gas zu sparen, senkt die Stadt Twistringen die Wassertemperatur im Schwimmpark. Darüber informierte Bürgermeister Jens Bley am Donnerstagabend den Stadtrat. In der Sitzung ging es auch um die Ehrenamtskarte und die Zukunft der Stadt.
Twistringen – Im Twistringer Schwimmpark wird’s kühler. Darüber informierte Bürgermeister Jens Bley bei einer Ratssitzung am Donnerstag. Die Stadt hat die Gasheizung des Freibades abgestellt, um vor dem Hintergrund des Krieges Gas für den Winter zu sparen. Sie möchte zudem ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine setzen. Die Wärmeversorgung durch das Blockheizkraftwerk der Firma Gemüse Meyer bleibt weiterhin bestehen, die Sonne tut ein Übriges. Zurzeit beträgt die Beckentemperatur noch etwa 25 Grad, aber gerade zum Ende der Saison dürfte sie etwas sinken.
Ein weiteres Thema in der Ratssitzung war die Niedersächsische Ehrenamtskarte. Die Inhaber bekommen als Dankeschön für freiwilliges Engagement vielerorts Vergünstigungen, sei es beim Shoppen, bei Veranstaltungen oder in Freizeiteinrichtungen. Auf der Liste mit allen Anlaufstellen, an denen Rabatte locken, taucht Twistringen nur ein einziges Mal auf: Mit dem Schuhhaus Piening – und das hat seit Jahren geschlossen.
Anträge zur Ehrenamtskarte und dem Bauhof in Twistringen
Die Twistringer Grünenfraktion hat beantragt, dass die Stadt versuchen soll, die Ehrenamtskarte zu reaktivieren und Vereine, Geschäfte und Einrichtungen dafür zu begeistern. Dieser Antrag wird demnächst, so hat es der Rat beschlossen, im zuständigen Fachausschuss weiter ausdiskutiert. Gleiches gilt für einen Antrag von CDU/SPD. Die Gruppe fordert dazu auf, die Kapazitäten des Bauhofes zu prüfen, verbunden mit der Frage: Welchen Pflegestandard strebt Twistringen bei öffentlichen Wegen und Plätzen an?
Außerdem haben CDU/SPD und die Grünen gemeinsam ein Strategiepapier für die Zukunft Twistringens entwickelt, das für die Stadtverwaltung eine Reihe von Arbeitsaufträgen bereithält (wir berichteten). Sie soll Konzepte für die Entwicklung von Kitas, Schulen, Baugebieten und Spielplätzen aufstellen. Der Rat entschied geschlossen, die Verwaltung möge sich an die Arbeit machen.
Er stimme gerne zu, sagte Ulrich Helms (FWG), immerhin habe die FWG das alles schon vor einiger Zeit beantragt. Er verwies auf einen im Dezember eingereichten – und später von der Politik abgelehnten – Antrag zur Stadtentwicklung. In dem hatte die FWG unter anderem ein Verkehrsgutachten, Bebauungspläne für das gesamte Stadtgebiet und die Überarbeitung des Flächennutzungsplans gefordert. Ein Schulkonzept habe Udo Helm im April im Schulausschuss angeregt.
Jugend, Schulen und Vereine stärker verknüpfen
Ein anderes, ein paar Wochen älteres Strategiepapier von CDU/SPD und den Grünen dreht sich um die Verknüpfung von Jugendhaus, Schulen und Vereinen. Kevin Ellerhorst (FWG) erinnerte im Rat daran und schlug vor, ein externes Unternehmen einzubeziehen. Er finde das Theme ebenfalls sehr wichtig und sehe einen „großen Optimierungsbedarf“.
Im Zuge der Einwohnerfragestunde meldete sich Bernd Horstmann, Anwohner der Harpstedter Straße, zu Wort. Er forderte die Verwaltung auf zu prüfen, ob der Bereich an der Harpstedter Straße von einem Mischgebiet in ein Wohngebiet umgemünzt werden könnte – mit dem Ziel, zumindest nachts die zulässige Höchstgeschwindigkeit und somit den Lärm reduzieren zu können. Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe nahm die Anregung mit, machte aber keine allzu großen Hoffnungen.
Udo Wehmeyer (SPD) merkte an, dass viele Anwohner direkt auf der Harpstedter Straße parken würden. Der Verkehr müsse bremsen, anfahren, bremsen, wieder anfahren – „das macht den Lärm nicht weniger.“
Tempo 30 in ganz Twistringen?
Angesichts der Sicherheit für Radfahrer regte Sylvia Holste-Hagen (Grüne) an, im ganzen Stadtgebiet über Tempo 30 nachzudenken. „Wir sind in der Klimakrise, und in Twistringen kann man auch gut Fahrrad fahren“, sagte sie. „Man könnte die Gefährlichkeit rausnehmen, wenn alle etwas langsamer fahren.“
Sie machte zudem auf Bäume im Bereich der Gastronomie am Centralplatz aufmerksam, die kürzlich bis an den Stamm heran zugepflastert wurden. „Ich dachte, ich gucke nicht richtig“, meinte Holste-Hagen. Die Bäume bekämen so nicht genügend Feuchtigkeit. „Das muss so schnell wie möglich wieder zurückgesetzt werden, damit die Bäume eine Chance haben.“ Laut Bürgermeister Bley laufen dazu Gespräche mit den Wirten – dort zu pflastern, sei mit der Stadt nicht abgesprochen gewesen.
Der Twistringer Hochzeitswald soll sich verändern
Direkt vor der Ratssitzung hatte sich der Ausschuss für Senioren, Gleichstellung, Tourismus, Kultur und Schwimmpark getroffen. Der stimmte einstimmig für die Aufwertung des Hochzeitswaldes im Zuge des Klimaprojektes „Grüne Lunge“ mit einfachen Spiel- und Balancierelementen aus Holz, einem Barfußpfad, Hinke-Pinke-Spielen, Bänken und vielleicht einem Bücherschrank. Die Arbeiten sollen noch in diesem Sommer beginnen. Seniorenvertreterin Hedwig Harms regte an, in dem Zusammenhang die Barrieren in Richtung des Parkplatzes so zu gestalten, dass größere Gefährte für Senioren, zum Beispiel Elektromobile, hindurchkommen.
Mehr Aufenthaltsqualität könnte künftig auch der Bahnhof bieten. Die Stadt hofft laut Bürgermeister Bley auf Fördermittel für eine begrünte Verweilzone mit einer digitalen Tourismustafel.
