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Weyhe – Liegt die Zukunft des Geldes im digitalen Euro? Die Kommission der Europäischen Union plant für das Jahr 2024 ein elektronisches Zahlungsmittel. Frühestens 2026 soll es genutzt werden –in allen Ländern der EU. Die Idee: Jeder Bürger soll digital auf das Zentralbankgeld zugreifen können. Was sagen die Bürgerinnen und Bürger dazu? Bei den Parkplatz-Gesprächen in Weyhe sind die Meinungen geteilt.
Celine Wiezorek aus Kirchweyhe liebt Bargeld. Mit einer digitalen Variante des Zahlungsmittels kann sie sich derzeit nicht anfreunden. Sie könnte sich durchaus vorstellen, dass mit der Einführung des digitalen Euro langfristig viele Arbeitsplätze bei Banken wegfallen könnten, zumal viele Transaktionsgebühren wegfallen würden. Virtuelles Geld in einer virtuellen Geldbörse – das könnte Probleme geben. Die 23-jährige Mutter glaubt, dass es vielen Menschen schwerer fallen wird, ihre Finanzen im Griff zu behalten, wenn das Geld buchstäblich nicht mehr greifbar ist. Sie hofft, dass Bargeld weiterhin Bestand haben wird. Die Auszubildende zur medizinischen Fachangestellten und Mutter eines Sohnes hat ihre Finanzen im Griff. „Früher bin ich gerne shoppen und feiern gegangen. Ich bin erwachsen geworden. Jetzt habe ich keine Lust mehr.“ Bezahlt sie nie mit Karte? Doch, aber nur, wenn sie wirklich keine Scheine oder Münzen dabei habe, sagt Celine Wizorek. Bargeld hebt sie regelmäßig in der örtlichen Sparkassenfiliale ab. Mit der Bargeldversorgung in Weyhe ist sie sehr zufrieden.
Ganz anders sieht das Aileen Werner aus Erichshof. Die 44-Jährige würde am liebsten ganz auf Bargeld verzichten. In anderen Ländern wie Holland könne man alles mit Karte bezahlen. Die Erichshoferin mag es nicht, zum Geldautomaten zu gehen, um Bargeld zu ziehen. Aber das ließe sich nicht vermeiden. Manche Einkäufe könne man nur mit Bargeld erledigen, bedauert sie. Wer flexibel bleiben wolle, müsse immer einen gewissen Betrag im Portemonnaie haben. Und in Deutschland gebe es oft eine Betragsgrenze, ab der man mit einer Karte bezahlen könne. Für Aileen Werner ist klar: Sie würde sich freuen, wenn der digitale Euro als alternatives Zahlungsmittel in der EU eingeführt würde. Das Bezahlen werde schneller und bequemer. Auch die 17-jährige Zoe aus Weyhe ist eine Befürworterin des digitalen Euro. „Wenn man kein Bargeld hat, muss man zur Bank gehen.“ Diesen Weg spare man sich.
„Bargeld ist wichtig“, sagt Leo aus Kirchweyhe. „Und es ist praktisch“, fügt er hinzu. Bargeld habe es als Zahlungsmittel schon immer gegeben. Das hat sich bewährt. Leo nennt ein Beispiel, wo es auf Bargeld ankomme. Wenn man ein Eis essen wolle und das Handy oder die Uhr mit dem dort integrierten Bezahlsystem sei kaputt, wäre es aus heutiger Sicht schwierig, ohne Bargeld auch nur eine Kugel zu kaufen, sagt der 16-Jährige. Was wäre, wenn das Handy zum Beispiel über die Feiertage wie Weihnachten nicht verfügbar sei und man kein neues bekäme? Außerdem kämen ältere Menschen nicht so gut mit der Technik klar, sagt er und nennt als Beispiel seinen Großvater. Der könne kein Handy bedienen, nur das Festnetztelefon. Sollte der digitale Euro tatsächlich eingeführt werden, plädiere er dafür, dass Zahlungsströme nicht nachvollziehbar sein sollten. Eine Überwachung wie in China müsse ausgeschlossen werden. Außerdem dürften die Geldströme nicht kontrolliert werden.
„Ich bin kein Bargeldmensch“, sagt Karin Koy aus Fahrenhorst. Sie habe maximal 50 Euro dabei. Drei Dinge zahle sie bar: ihre Reitstunden, den Hufschmied und Eier. Die 60-Jährige würde sich über die Einführung eines digitalen Euro freuen. Schon jetzt zahlt sie so oft wie möglich mit Karte. Und wenn sie im Internet einkauft, sei die Bezahlung bargeldfrei. Sie nutzte zu diesem Zweck PayPal. Dort hat der Kunde ein Konto, das bei einem Einkauf belastet wird. „Der Vorteil ist, dass ich den Verkäufern nicht meine Daten geben muss.“ Diese Möglichkeit hat sie noch nicht genutzt, aber sie findet es gut, dass es außerdem noch einen Käuferschutz gibt, bei dem sie ihr Geld zurückbekommt, falls der Verkäufer die Ware nicht liefert.
Da auch Ann-Kathrin Huith, wie sie sagt, „meistens bargeldlos bezahlt“, steht sie dem Vorhaben der EU grundsätzlich positiv gegenüber. Sie verzichtet seit Jahren so weit wie möglich auf Bargeld. Sie bezahlt mit dem Handy, mit der Bezahlfunktion Apple Pay oder mit einer ihrer Kreditkarten. Das Bezahlen mit der Apple Watch macht ihr besonders viel Spaß. Einfach das Display an ein Lesegerät halten – fertig. Während sie schläft, lädt sich der Minicomputer am Handgelenk wieder auf. In der Uhr gibt es eine App, ein sogenanntes Wallet, in dem sich alle möglichen Karten befinden. Sie kann genau die auswählen, die sie normalerweise zum Bezahlen aus dem Portemonnaie nehmen würde. Die Kirchweyherin unterhält ein Konto bei einer Online-Bank und könne bei jedem Kreditinstitut gebührenfrei Geld abheben. E
in weiterer Befürworter des EU-Projekts ist Patrick Thiermann aus Barrien. Der 22-Jährige findet es grundsätzlich gut, dass die EU so etwas vorhat. Er ist gespannt, wie das Projekt konkret umgesetzt werden soll. Ob für den täglichen Einkauf, Kleidung oder größere Anschaffungen – er bezahlt bargeldlos. Kleine Ausnahmen gibt es allerdings: Bargeld nimmt er traditionell mit zum Friseur oder wenn er zum Beispiel auf Festivals wie dem Hurricane in Scheeßel oder dem Hill of Dreams (Bruchhausen-Vilsen) Getränke bezahlt.
Von Sigi Schritt




