VonMichael Mixschließen
Achim – Die Schwimmhalle Uesen bleibt ausgerechnet zum Beginn des neuen Schuljahres erstmal geschlossen. „Zwei Pumpen sind im Eimer. Deswegen funktionieren jetzt unter anderem die Duschen nicht“, informierte Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung bei der Stadt Achim, am Rand eines Pressetermins vor Ort. Aber dieser Schaden werde sicherlich recht schnell und ohne großen finanziellen Aufwand zu beheben sein.
Damit spielte Zorn auf ein viel gravierenderes Problem an: Das 50 Jahre alte Lehrschwimmbecken im Sporttrakt an der Grundschule Uesen ist insgesamt ein Sanierungsfall.
Aber es gibt in diesem Zusammenhang auch gute Nachrichten. Am Montag begrüßte Erster Stadtrat Daniel Moos den niedersächsischen Innen- und Sportminister Boris Pistorius (SPD) zu einer Stippvisite an dem kleinen Hallenbad, und der war nicht mit leeren Händen gekommen. Das Mitglied des rot-schwarzen Kabinetts in Hannover hatte einen symbolischen Scheck in Höhe von 160 000 Euro für die Badsanierung mitgebracht.
Das Geld stamme aus dem Sportstättenförderprogramm des Landes, 53 Anträge seien berücksichtigt worden, berichtete Pistorius. Die SPD/CDU-Regierungskoalition habe ursprünglich 100 Millionen Euro für diesen Zweck aufgelegt, aufgrund des hohen Bedarfs zwischen Ems und Elbe umfasse dieser Topf inzwischen jedoch 230 Millionen Euro.
„Schwerpunkt dabei sind die Bäder, um diese vor dem Schließen zu bewahren. Kinder müssen ja schwimmen lernen können“, erklärte der Minister. Aber es gehe auch um den Erhalt von Sporthallen, die ebenso wie viele Schwimmstätten oft aus den 70er-Jahren stammten. Dementsprechend herrsche ein erheblicher Sanierungsstau, der in Niedersachsen eine halbe Milliarde Euro betrage. Immerhin knapp die Hälfte davon decke das Förderprogramm ab. Das sei aber auch nötig, „denn jeder Dritte im Land ist Mitglied in einem Sportverein“.
Er freue sich, nun eine Lern- und Trainingsstätte in Achim unterstützen zu können, sagte Boris Pistorius. Denn er komme immer wieder gerne in die Weserstadt. „Ich war 1980 Soldat in der Kaserne in Achim“, erzählte der in Osnabrück heimische Sozialdemokrat. Er habe damals die Region gut kennengelernt. „Ich war Fahrer des Kommandeurs.“
Heute hat Pistorius neben ihn auf Schritt und Tritt begleitenden Leibwächtern selbst einen Chauffeur. Bevor der Berufspolitiker aber zum nächsten Wahlkampftermin brauste, ließ er nicht unerwähnt, dass die neben ihm stehende Parteifreundin Dörte Liebetruth, Landtagsabgeordnete und -kandidatin für die Wahl am 9. Oktober, sich für den Förderantrag eingesetzt habe.
Dass jetzt Geld aus Hannover fließt, löst nicht zuletzt beim seit 2004 tätigen Förderverein Schwimmhalle Uesen, der seit 2004 Träger der Einrichtung ist, Erleichterung aus. Denn neben den Kindern aus allen sechs Achimer Grundschulen, die dort laut Vize-Verwaltungschef Moos Schwimmunterricht haben, schätzten vor allem ältere Menschen das eher flache und warme Wasser des kleinen Beckens. „Hier machen viele Aquagymnastik“, sagte Karl-Heinz Wacker, Kassenwart des Fördervereins, der mit seiner Gründung und seinem ehrenamtlichen Engagement das dritte Bad im Stadtgebiet einst vor der Schließung rettete.
Nun sei allerdings eine umfangreiche, kostspielige Sanierung vonnöten, verdeutlichte Fachbereichsleiter Zorn auf Nachfrage. Mit Hilfe der Summe vom Land wolle die Stadt zunächst die marode alte Wasseraufbereitungsanlage durch eine neue ersetzen, was allein eine halbe Million Euro verschlinge. Aber auch die Lüftung, die Fliesen und der Hubboden, mit dem eine unterschiedliche Wassertiefe von 60 Zentimetern bis 1,80 Metern eingestellt werden könne, seien Sanierungsfälle. Unter dem Strich bezifferte Zorn die Kosten für die Instandsetzung auf rund 1,5 Millionen Euro.

