Wesersporthalle in Dörverden: Gerüstet für 96 Geflüchtete

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Nehmen die Schlafräume in Augenschein: Bürgermeister Alexander von Seggern, Stefanie Kranz (Fachdienst Soziales), Erste Kreisrätin Regina Tryta, Schulleiter Alexander Schock, Bau-Koordinator Hartmut Janke und Fachdienstleiterin Ines Niehaus (von links).
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Der Landkreis hat die Wesersporthalle in Dörverden als Unterkunft für Geflüchtete hergerichtet. Um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.

Dörverden – 380 Meter Bauzaun, 96 Feldbetten auf 1 200 Quadratmetern Fläche, 6 000 Arbeitsstunden für den Aufbau: Koordinator Hartmut Janke weiß ganz genau, was in der neuen Sammelunterkunft für Geflüchtete in Dörverden steckt. Bei einem Pressetermin des Landkreises in der Wesersporthalle in Dörverden gab es einiges zu erfahren. Unter anderem, warum alles bereits bezugsfertig ist, auch potenzielle Mitarbeiter zur Betreuung und Objektsicherung in den Startlöchern stehen, allerdings noch die Bewohner fehlen.

Material aus Kirchlintler Turnhalle verwendet

„Das Gebäude ist für uns wunderbar, wir hatten hier alle Möglichkeiten, eine gute Unterkunft herzurichten“, berichtet Janke, Mitarbeiter aus dem Fachdienst Schule, Sport und Gebäudewirtschaft des Landkreises. Und er muss es wissen, schließlich hat er bereits diverse Umbauten zu Flüchtlingsunterkünften koordiniert. „Wir nutzen hier die Materialien, die wir auch in der Kirchlintler Turnhalle verwendet haben.“ Dort sei die Unterkunft im Prinzip ab- und in Dörverden wieder aufgebaut worden. „Die Teile werden sicherlich bis zu zehn Aufbauten aushalten, zwischendurch können wir sie einlagern.“ Der Schutzbelag für den empfindlichen Hallenboden sei ebenfalls wiederverwendbar.

Eine gut ausgestattete Küche steht für die Geflüchteten zur Verfügung.

In zwei Flurnischen haben die Ehrenamtlichen des THW eine voll ausgestattete Küche sowie einen Speise- und einen Wäscheraum hineingezaubert. „In Dörverden setzen wir auf Selbstverpflegung, in anderen Unterkünften hatten wir Catering-Unternehmen.“ Duschen und Toiletten seien in der Halle ja ohnehin vorhanden, sodass man da nicht habe tätig werden müssen.

Derzeit fünf Sammelunterkünfte in Betrieb

Derzeit habe der Landkreis, das berichteten die Erste Kreisrätin Regina Tryta sowie Ines Niehaus und Stefanie Kranz vom Fachdienst Soziales, fünf Sammelunterkünfte im Einsatz: das Containerdorf und das ehemalige Sabatiergebäude in Verden, das Feuerwehrhaus Bassen, die Tennishalle in Ottersberg und die Mehrzweckhalle in Cluvenhagen. Bereit zur Belegung seien ab sofort eine BBS-Sporthalle und eben die Dörverdener Wesersporthalle. Tryta: „Es mag übertrieben wirken, dass wir zwei Unterkünfte vorhalten, obwohl wir gar nicht wissen, wann wir die nächsten Geflüchteten zugewiesen bekommen.“ Aber der Kreis wolle unbedingt vermeiden, in Zugzwang zu geraten. „Wenn es auf einmal ganz plötzlich heißt, heute kommen Busse mit 50 Menschen im Landkreis an, dann haben die erst mal schlichtweg kein Dach über dem Kopf. Und da sind wir in der Pflicht. Wenn wir die nicht unterbringen können, dann reden wir im schlimmsten Fall über Obdachlosigkeit“, so Tryta. Und in einer Nacht- und Nebelaktion irgendwo Feldbetten aufstellen zu müssen – in diese Situation wolle man nicht kommen.

Bürgermeister Alexander von Seggern dankt Schulleiter Alexander Schock für das Verständnis.

Bitte erst nach Aufruf spenden

Bis tatsächlich Menschen in die Halle einziehen, sollten die Dörverdener Bürger von etwaigen Sachspenden bitte absehen, sagte Bürgermeister Alexander von Seggern. Das Netzwerk der örtlichen Flüchtlingshilfe werde, wenn es so weit sei, die tatsächlichen Bedarfe identifizieren und dann gegebenenfalls einen Aufruf starten. Von Seggern bedankte sich in diesem Zusammenhang bei den örtlichen Vereinen und der Aller-Weser-Oberschule. Gemeinsam sei konstruktiv nach Lösungen gesucht worden, damit weiterhin in der Gemeinde Sport getrieben werden könne. So würden Kurse und Gruppen beispielsweise in den Kultursaal ausweichen. Schulleiter Alexander Schock: „Natürlich ist es schade, weil wir in der Corona-Pandemie ohnehin kaum Schulsport machen konnten. Aber hier steht der humane Aspekt ganz klar im Vordergrund und ich muss sagen: Die Organisation hier vor Ort war großartig.“ Natürlich hoffe man seitens der Schule, dass die Nutzung der Halle als Sammelunterkunft nicht allzulange dauern möge.

Landkreis sucht nach wie vor Wohnungen

Auch beim Landkreis hofft man, dass über kurz oder lang alle Geflüchteten in echten Wohnraum untergebracht werden können. Deswegen wird Kreisrätin Regina Tryta auch nicht müde zu betonen, dass private Immobilienbesitzer sich bitte gerne melden mögen, wenn sie entsprechenden Wohnraum anzubieten haben. Der Landkreis zahle nach wie vor eine Förderung, falls jemand zu diesem Zweck einen Gebäudeteil zu Wohnraum umbauen wolle. Wer sich angesprochen fühlt, melde sich bitte unbedingt unter Telefon 04231/15430 beim Landkreis oder schreibt eine E-Mail an wohnungsangebote@landkreis-verden.de.

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