Zweitgrößte Europas

Die größte Holzkirche Deutschlands steht in Niedersachsen

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Mehr als 2.000 Menschen finden in der größten Holzkirche Deutschlands Platz. Abgesehen von der Größe, sticht vor allem die Architektur und Ausstattung der Marktkirche heraus.

Clausthal-Zellerfeld – Ob eine kleine Kapelle oder riesige Domkirchen: In Deutschland gibt es mehr als 44.000 Kirchen. Während die Gotteshäuser für viele ein Ort zum Gebet sind, sind es auch oft die historischen und architektonischen Merkmale, die eine Kirche für Besucher attraktiv macht. So auch die Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal-Zellerfeld. Die Holzkirche im Oberharz in Niedersachsen ist nicht nur die größte in Deutschland, sondern gehört auch zu den bedeutendsten Bauten des norddeutschen Barocks.

Die größte Holzkirche Deutschlands – zweitgrößte Europas – steht in Clausthal in Niedersachsen.

Glockenturm von Deutschlands größter Holzkirche diente Bergleuten als Wecker

Die gesamte Kirche auf dem Rathausplatz im Ortsteil Clausthal misst rund 57 Meter Länge und 26 Meter in der Breite. Gebaut wurde die Kirche im Barockbau aus Fichten- und Eichenholz von 1637 bis 1642. Der Glockenturm ist satte 30 Meter hoch. Die Kirchenglocken dienten anfangs nicht nur, um Gottesdienste anzusagen, sondern darüber hinaus noch als Wecker: Durch das Läuten wurden die Bergleute im Harz geweckt, aber auch über ihr Schichtende informiert. Finanziert wurde der Bau zu einem Großteil von Bergleuten. Auf heutige Verhältnisse gingen mehrere Millionen Euro an Spenden ein, um die Kirche auf dem Marktplatz zu errichten.

2.000 Menschen haben in einer der größten Holzkirchen der Welt in Niedersachsen Platz

Ursprünglich war die evangelisch-lutherische Kirche etwas kleiner, rund 1000 Menschen konnten am Gottesdienst teilnehmen. Da die Gemeinde jedoch schneller wuchs, als anfangs angenommen, begannen bereits 47 Jahre nach Eröffnung der Kirche die ersten Sanierungsmaßnahmen. Die Sanierungen, die im Laufe der Jahre folgten, waren jedoch nicht immer nur, um mehr Menschen am Gottesdienst teilnehmen lassen zu können: Gravierende Schäden am Dach und am Glockenturm machten die größte Holzkirche Deutschlands zur Jahrhundertwende einsturzgefährdet. Heute passen rund 2.000 Menschen in die Kirche.

Die Kanzel von Andreas Gröber in der Marktkirche zum Heiligen Geist in Niedersachsen. Gröber gilt als einer der bedeutendsten Bildschnitzer des Frühbarocks.

Blaue Fassade macht Marktkirche zum Heiligen Geist in Niedersachsen zu beliebtem Fotomotiv

Wer heute die Marktkirche zum Heiligen Geist bei beispielsweise einem Urlaub an Niedersachsens außergewöhnlichsten Orten einplant, wird vor allem die blaue Fassade bewundern. Doch das war nicht immer so. Ein Forschungsprojekt wollte 2001 herausfinden, welche Farbe die Kirche ursprünglich hatte. Das Ergebnis: Als der Kirche 1655 das erste Mal Farbe verliehen wurde, war es ein kräftiger Blauton. Finanzielle Gründe sorgten später dafür, dass die Kirche nicht immer nur blau, sondern nach Sanierungen auch mal hellgrün, dunkelgrau oder gelb war. Seit 2013 sticht die Kirche aufgrund ihrer ursprünglich blauen Fassade Besuchern der Gemeinde im Harz sofort ins Auge.

Nicht immer blau: So sah die größte Holzkirche Deutschlands noch 2007 aus, bevor sie nun wieder in ihrer Ursprungsfarbe strahlt.

Das Bauwerk zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Niedersachsen. Und das nicht nur, weil sie die größte Holzkirche Deutschlands und die zweitgrößte in ganz Europa ist. Sondern auch, weil sie für viele Touristen als besonders schönes Fotomotiv gilt. Das ist nicht zuletzt der blauen Fassade der Kirche geschuldet. Doch auch die Inneneinrichtung, samt der kunstvoll gestaltete Kanzel im Barockstil zieht bis heute viele Besucher an. Ebenso der längste Flohmarkt Deutschlands, der auch in Niedersachsen stattfindet.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Norbert Neetz

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