VonMelanie Russschließen
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer hat sich im Vogelschutzgebiet „Ochsenmoor“ am Dümmer über den erfolgreichen Wiesenvogel-Schutz informiert. Das Geheimnis des Erfolgs ist ein gut durchdachtes Grünland-Management.
Hüde – Noch gleicht das Grünland im Ochsenmoor südlich des Dümmers eher einer Seenplatte, doch das wird sich in wenigen Tagen ändern, wenn das regelbare Grabensystem die Wiesen für die anstehende Brutsaison vom Wasser befreit hat. Höchste Zeit wird es, denn die ersten Wiesenvögel haben sich schon ein trockenes Fleckchen gesucht und mit der Brut begonnen.
Die große Artenvielfalt, die sich alljährlich ab Frühjahr in dem international bedeutsamen Vogelschutzgebiet zeigt, täuscht leicht darüber hinweg, dass die meisten Arten bedroht sind. „Unsere bedrohten Wiesenvögel verzeichnen im ganzen Land und in fast ganz Europa einen sehr starken Rückgang. Die Uferschnepfenpopulation ist seit 1990 um 70 Prozent zurückgegangen“, fasst es Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer zusammen. Er informierte sich gestern ebenso wie Projektpartner und Vertreter der EU über den Fortschritt des seit Ende 2020 laufenden LIFE IP-Projekts „GrassBirdHabitats“, das neben der Dümmerregion 25 weitere Vogelschutzgebiete in Niedersachsen sowie Schutzgebiete in der niederländischen Provinz Friesland unterstützt. Es schließt unmittelbar an das 2011 gestartete EU LIFE-Projekt „Wiesenvögel“ an, das in Kürze ausläuft.
Weil Wiesenvögel Zugvögel seien, sei ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts der Schutz der Überwinterungsgebiete, die überwiegend in Westafrika liegen, erklärte Meyer. „Die dortigen Bevölkerungen mit ihren traditionellen landwirtschaftlichen Methoden wie zum Beispiel zum Reisanbau schaffen damit auch Nahrungshabitate, die es für die Wiesenvögel zu schützen gilt“, so Meyer.
LIFE IP-Projekt „GrassBirdHabitats“
Das LIFE IP-Projekt „GrassBirdHabitats“ wurde Ende 2020 gestartet, läuft über zehn Jahre und hat ein Volumen von 27 Millionen Euro. Das Land Niedersachsen ist mit einem zweistelligen Millionenbetrag beteiligt. Neben der Finanzierung von konkreten Maßnahmen für Erhalt, Verbesserung und Wiederherstellung von Lebensräumen der stark bestandsbedrohten Wiesenvogelarten werden laut NLWKN im Rahmen des Projektes mehr als 40 Arbeitsplätze finanziert.
Umgeben von den Feuchtwiesen berichtete Jürgen Ludwig vom NLWKN während des Ortstermins über die Erfolge am Dümmer. Dank eines guten Managements des Grünlands in den vergangenen 30 bis 40 Jahren sei es gelungen, den Populationsrückgang bei Wiesenvögeln zu stoppen. Zum Teil gebe es sogar wieder einen leichten Anstieg, etwa bei den Uferschnepfen.
Dieses Flächenmanagement ist möglich, weil seit 1985 durch mehrere Naturschutzprojekte wie zuletzt das LIFE-Projekt „Wiesenvögel“ Flächen angekauft und inzwischen rund 2500 Hektar wiedervernässt wurden. Hier finden die Wiesenvögel ein weiträumiges Grünland, in dem sie weitgehend ungestört brüten können.
Ein wichtiger Aspekt beim Flächenmanagement ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten, die die Wiesen an die Wasserstände und Brutzeiten angepasst mähen und damit so kurz halten, wie es die Vögel benötigen. Die hohen Wasserstände im Frühjahr sind ein Schlüsselfaktor für den erfolgreichen Wiesenvogelschutz, weil sie die Gräser und Kräuter verzögert wachsen lassen, wodurch die Wiesen lange übersichtlich bleiben.
Und hier deutet sich ein Problem an: Weil nasse Flächen weniger ertragreich sind, benötigen die Landwirte einen finanziellen Ausgleich. Die Verringerung der flächenbezogenen Prämien im Zuge der aktuellen GAP-Reform (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) dürfte da nicht gerade hilfreich sein. Über diese neue Herausforderung wird das Team um Projektleiter Heinrich Belting noch mit dem Umweltminister zu reden haben. Laut Dr. Andreas Barkow vom LIFE-Projekt „GrassBirdHabitats“ verlieren immer mehr Landwirte das Interesse an einer Bewirtschaftung von Grünland.

