- VonNina Bauckeschließen
Wie lässt sich ein Haus barrierefrei gestalten? Dieser Frage geht Gerhard Hübner immer wieder aufs Neue nach. Der Zevener gehört zu den ehrenamtlichen Wohnerleichterern im Landkreis. Auftakt unserer Thementage „Wohn(t)räume“.
Zeven – Roter Klinker, Erd- und Obergeschoss, weiße Fensterrahmen und Haustür, davor ein gepflasterter Hof: An sich scheint das Haus, in dem Gerhard Hübner und seine Frau Kirsten in einem Zevener Wohngebiet leben, ein ganz normales Einfamilienhaus zu sein. Doch schon beim Eintreten fällt auf, dass etwas anders ist. Die Hübners leben in einem barrierefreien Haus – passend, denn Gerhard Hübner engagiert sich ehrenamtlich bei den Wohnerleichterern.
Er weiß daher, worauf es ankommt, um auch in schwierigeren Umständen selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden möglich zu machen. „Ich war, als das Projekt der Wohnerleichterer 2011 begonnen hatte, sogar eines der Gründungsmitglieder“, erinnert sich Hübner mit einem Lachen. „Meine Intention war: Wie lässt sich ein altes Haus barrierefrei gestalten?“ Dabei ist der zu der Zeit als Bankkaufmann arbeitende Zevener ein Exot in der Runde, die sich als Wohnerleichterer engagieren wollten. „Es geht darum, wie wir den Leuten Tipps geben, was wir ihnen raten – und natürlich auch, wo es beispielsweise für bauliche Veränderungen Zuschüsse gibt.“
Oft melden sich Angehörige
Doch zuallererst steht die Frage, inwieweit eine Umsetzung machbar ist, weiß Hübner, der mittlerweile nicht nur mehrere Lehrgänge für sein Engagement als Wohnerleichterer auf dem Buckel hat, sondern auch aus der praktischen Erfahrung weiß, mit welchen Widrigkeiten Bewohner von älteren Häusern oft zu kämpfen haben, wenn der Körper nicht mehr so will, wie er sollte. Der Kontakt zu den Wohnerleichterern kommt in der Regel über den Seniorenstützpunkt Rose des Landkreises zustande. Oft sind es Angehörige, die sich dorthin wenden. Die Wohnerleichterer selbst sind über den ganzen Kreis verteilt. „Wir beraten uns dann und fahren zu den Menschen hin“, erklärt Hübner
. „Es geht oft um grundlegende Dinge – zum Beispiel, überhaupt aus dem Haus herauszukommen. Gerade die Zugänge sind oft das Problem“, weiß der 63-Jährige. „Und immer wieder sind es Kleinigkeiten, die schon vieles verbessern: ausreichende Beleuchtung oder auch das Vermeiden von Stolperfallen durch Teppichbrücken. Das A und O sind Substanz und Lage, wenn einige zum Beispiel sehr weit außerhalb von Ortschaften leben. Bei vielen Häusern, zum Beispiel aus den 1950er-Jahren, ist die Substanz nicht gut“, sagt Hübner. „Und dann sind da Fragen: ob es Eigentum ist, kein Eigentum, und was die eventuell Kinder dazu sagen.“
Dabei gibt es natürlich auch Härtefälle, Häuser, die völlig verbaut sind. „Da wägen wir dann Kosten und Nutzen ab, holen uns eventuell auch noch einmal Fachleute dazu – und geben notfalls den Rat, sich etwas anderes zu suchen. Wobei das natürlich auch wieder auf eine andere Art schwierig ist, weil es da nicht viel auf dem Markt gibt.“ Er ist auf jeden Fall überzeugt davon, dass das Projekt der Wohnerleichterer bekannter werden muss. „Ich denke, dass der Bedarf schon größer ist, als der Zulauf, den wir so haben.“
Ein Einsatz als Wohnerleichterer ist allerdings in dem Haus, in dem er lebt, nicht notwendig. Das Ehepaar Hübner kauft es 2017 von einer an MS erkrankten Bekannten. Deren Mann hatte es ihr angepasst an ihre Bedürfnisse gebaut. Die kleinen Hilfen und Vorzüge des Gebäudes fangen schon mit einer schmalen Metallschiene an, die den Absatz zwischen Pflasterung und Türschwelle überwindbar macht. Der Flur, der als Verteiler im 100 Quadratmeter großen Erdgeschoss dient, aber auch die quadratischen Räume haben jeweils sehr viel freie Fläche in der Mitte.
Und auch die Türrahmen sind breiter – einen Meter, sodass auch Durchfahren mit einem Rollstuhl möglich ist. Im Bad lässt sich eines der Waschbecken hoch und runter bewegen, und auch die ebenerdige Dusche bietet ausreichend Platz.
„Es gab sogar mal einen Treppenlift, den brauchen wir zwar nicht und haben ihn deswegen ausgebaut, aber die Bohrlöcher sind immer noch da, falls ein neuer nötig ist“, sagt Hübner und zeigt auf verputzte Bohrlöcher in den Treppenstufen.
Auch der Garten ist rollstuhloptimiert
Aber auch der Garten zeigt, wie sehr das Grundstück für einen Menschen im Rollstuhl optimiert ist: Um das Haus führt ein breiter, gepflasterter Weg, die Terrasse bietet viel Platz, und selbst an das Ufer eines kleinen Gartenteichs ist mithilfe einer überdachten Holzveranda ganz leicht heranzukommen.
Die neuen Besitzer sind zwar noch fit, „aber wir werden ja auch mal älter“, sagt Gerhard Hübner. „Und als ich mal wegen Rückenbeschwerden angeschlagen war, habe ich schon vieles an dem Haus schätzen gelernt. Denn dass man auf Barrierefreiheit angewiesen ist, kann manchmal auch sehr schnell gehen.“

