Gefahr durch Mähroboter und andere Geräte: Igel laufen ins offene Messer

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Diese Igeldame hat sich von den schweren Verletzungen gut erholt.
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Die Igelpflege Rotenburg kümmert sich zurzeit um 36 Patienten. Gefahren lauern in Gärten vor allem durch moderne Geräte.

Rotenburg – Es ist ein Hilferuf, der uns per Nachricht via Facebook erreicht. „Wir bekommen täglich schwer verletzte Igel in die Station, dabei könnte viel Elend durch Aufklärung vermieden werden.“ Merwel Otto-Link, die Chefin in der Igelpflege Rotenburg, lässt nicht locker. Schon seit mehreren Jahren warnt sie eindringlich vor den Gefahren, die für die kleinen, stacheligen Tiere in den Gärten lauern. Vor allem dann, wenn Mähroboter oder auch elektrische Rasentrimmer oder gar Motorsensen zum Einsatz kommen.

Merwel Otto-Link holt eine Patientin aus der „Intensivstation“. Fast die Hälfte des Gesichts ist betroffen. Ein Auge hat sie verloren, dazu einen Teil der Nase. „Inzwischen geht es ihr wieder besser, aber wir können nicht jedes Tier retten.“ Die Igel-Expertin hat es zurzeit mit neun Igeln zu tun, die aufgrund von Gartenarbeit zu Opfern geworden sind. Es sind 36 Tiere, um die sich die Igelpflege aktuell kümmert. Die Boxen im Haus sind komplett belegt. Nur im Außengehege gibt’s noch Kapazitäten.

Igel sind keine Fluchttiere

Schnittverletzungen am Kopf vor allem, aber auch am Rücken muss Otto-Link behandeln. Das Bemühen hält an. „Wir wollen nicht aufgeben“, sagt sie. Und so setzt sie viele Hebel in Bewegung, um die Menschen aufzuklären und ihr Bewusstsein zu schärfen, wenn es beispielsweise darum geht, sich die Pflege des Gartens mit einem Mähroboter zu erleichtern. Es gebe bereits Studien und Kontakt der Wissenschaftler mit den Herstellern dieser Geräte, um vielleicht die Technik so zu verbessern, dass es zu solchen Unfällen und den daraus resultierenden Folgen erst gar nicht mehr kommt. „Die Werbung verspricht zwar Sicherheit, aber das klappt nicht immer“, sagt die Rotenburgerin. Problem: Wenn es Sensoren in den Geräten gebe, funktionierten diese oft nicht, weil ein Hindernis größer sein müsse, um erkannt zu werden und das Gerät zu stoppen. Igel wiederum seien nachtaktiv und keine Fluchttiere. Sie rennen förmlich ins offene Messer.

Nur wer von den Gefahren weiß, kann sich darauf einstellen und etwas ändern.

Merwel Otto-Link

In einem anderen Fall haben Gartenbesitzer einen zusammengeharkten Laubberg mit einem Netz überzogen, weil sie es vor dem Urlaub nicht mehr schafften, die Blätter zu entsorgen. Ein Igel ist in die Fänge dieses Netzes geraten und konnte sich nicht mehr befreien. Das Netz hat sich aufgrund der Befreiungsversuche immer enger zugezogen und sich in die Haut des Tieres geschnitten. „Wir wissen nicht, wie lange er gefangen war, aber wir haben bereits Fliegeneier und Maden entdeckt“, berichtet Otto-Link.

Ähnlich gefährlich sei es, wenn Freischneider zum Einsatz kommen – vor allem dann, wenn das Gerät auch für Bereiche genutzt wird, wo Büsche und Sträucher über den Rasen gewachsen sind. Darunter könnten dann Igel sitzen. Eine Chance, dem gefährlichen Schneidfaden zu entkommen, haben sie dann nicht mehr.

Wasser und Futter für die Tiere

„Nur wer von den Gefahren weiß, kann sich darauf einstellen und etwas ändern“, betont Merwel Otto-Link. Und das in der Hoffnung, dass sich die Menschen diese Hinweise zu Herzen nehmen. Nicht zuletzt deshalb weist die Expertin darauf hin, dass immer wieder Tiere eingeschläfert werden müssen, weil ihre liebevolle Hilfe dann doch manchmal zu spät kommt. Das Ziel sei es indes, die Igel aufzupäppeln und sie wieder auszuwildern. Im Fall des Weibchens mit den schweren Gesichtsverletzungen ist sie guter Hoffnung: „Sie hat sich gut erholt, und sie kann auch noch riechen.“

Das Vermeiden von Gefahren in den Gärten ist die eine Seite der Medaille, die andere zeichnet sich durch aktive Hilfe aus. Gerade jetzt in einer Phase der Trockenheit sei es wichtig, den Tieren etwa Wasser anzubieten. Darüber freuen sich nicht nur die Igel, sondern auch die Gartenvögel, die eine Tränke gerne auch für ein Erfrischungsbad und zum Trinken nutzen. „Außerdem ist es auch sinnvoll, zuzufüttern“, sagt die Chefin des Vereins Igelpflege. Das natürliche Nahrungsangebot sei mit dem Insektensterben deutlich geringer. „Das hat zur Folge, dass die Igel ihre Reviere erweitern – und sich damit zusätzlichen Gefahren aussetzen.“ Außerdem kosteten die weiten Wege noch mehr Energie.

Mähroboter nur tagsüber einsetzen

Stellt sich die Frage: Was sollte man als Futter anbieten? Merwel Otto-Link: „Am besten Katzenfutter – Nassfutter ohne Gelee und Soße.“ Rausstellen sollte man das Futter zur Nacht. Finden sich am nächsten Morgen noch Reste, sollten diese unbedingt entsorgt werden. Otto-Link: „Auch Trockenfutter ist eine gute Alternative, aber es sollte möglichst getreidefrei sein.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

In persönlichen Gesprächen, aber auch in den Sozialen Medien weist die Fachfrau immer wieder auf die Gefahren für die Igel hin, sie versucht zu sensibilisieren und Tipps zu geben, um Unfälle zu vermeiden. Ein Mähroboter, sagt sie, sollte nur tagsüber zwischen 10 und 16 Uhr im Einsatz sein. Die Tiere sind eben nachtaktiv. Noch mehr Aufmerksamkeit sei in diesen Wochen erforderlich, weil der Igelnachwuchs zur Welt kommt.

Kontakt und Infos

Viele weitere Infos zum Igel, zu den Gefahren für die Tiere und zum Verein gibt’s unter www.igelpflege-rotenburg-wümme.de.

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