Igel-Massaker beim Rasenschnitt

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Furchtbare Verletzungen erleiden Igel, die bei der Gartenarbeit übersehen werden.
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Ein Mähroboter hatten sie erwischt oder eine Motorsense. Zwei Igel mussten schwerverletzt erlöst werden. 

Verden/Rotenburg – In Verden war es ein Igelmännchen, dem ein Vorderbein abgetrennt und das Gesicht zerschnitten worden ist. Dem Verletzungsbild zufolge von einem Freischneider. Nur ein oder zwei Tage wurde in Scheeßel ein trächtiges Weibchen allem Anschein nach Opfer eines Mähroboters. Beide Tiere müssen unfassbar gelitten haben, bevor Finder sie zum Verein „Igelpflege Rotenburg“ brachten. Dort konnten die Tiere nur noch von ihren Schmerzen erlöst werden.

„Es wäre so leicht zu verhindern gewesen, wenn man nur unter den Busch geguckt hätte“, sagt Merwel Otto-Link von der Igelpflegestelle. „Igel schreien nicht“, weiß sie. Sie leiden still und leise. Ist der Verursacher weg, schleppen sie sich umher. „Undenkbar für uns Menschen, aber es können noch ein bis zwei Kilometer sein.“

Auf der Friedrichstraße in Verden konnte der Igel offenbar nicht mehr. Eine Autofahrerin entdeckte ihn am Donnerstagmorgen gegen 6 Uhr im Rinnstein, so sei es der Rotenburgerin geschildert worden. Die Finderin habe das blutende Tier zu ihrem Mann gebracht und dieser sei dann direkt nach Rotenburg gefahren. Erst dort wurde das Ausmaß der Verletzungen sichtbar. „Das linke Vorderbein wurde abgetrennt und das Gesicht zur Hälfte weggeschnitten. Klassische Verletzungen von Gartenarbeiten“, sagt Merwel Otto-Link. Viel zu oft habe sie dies leider schon gesehen.

Sonnabend der nächste Fall: ein circa ein Jahr alter weiblicher Igel aus Scheeßel. Das Gesicht und die Zunge zerschnitten und auch hier konnten die Ehrenamtlichen nicht mehr tun als das Tier von seinem Leid zu erlösen. Mit der werdenden Igelmama seien mindestens fünf ungeborene Igelbabys gestorben. Das habe ihnen eine Untersuchung mit dem eigenen Ultraschallgerät gezeigt. „Ungefähr in einer Woche wären sie zur Welt gekommen“, schätzt die erfahrene Tierschützerin.

Eigentlich sollte mittlerweile bekannt sein, wie gefährlich Mähroboter sind. Doch während die einen ihren schönen Garten genießen, kümmern sich die Rotenburgerin und ihre Helfer um die Opfer des gepflegten Grüns.

„Wenn schon Mähroboter, dann nur zwischen 11 und 15 Uhr“, appelliert sie. Da seien Igel nur selten unterwegs. Allerdings beginnt nun die Zeit, in der die ersten Babys geboren werden. „Wenn die flügge werden und mal das Nest verlassen, haben die Kleinen gar keine Chance“, erklärt sie.

Das Problem sei, ganz gleich, ob Mähroboter, Motorsense oder Freischneider, dass mit den Klingen auch an nicht einsehbaren Stellen gearbeitet werde. Doch Igel würden sich nicht immer tief unter einem Busch verkriechen. Gerade jetzt in der Paarungszeit seien insbesondere die Männchen morgens so erschöpft von der Suche nach Futter und Weibchen, dass sie sich nur so gerade eben unter überhängende Büsche legen würden. Ich passe auf, höre sie immer wieder, aber es merke doch keiner, wenn er ein Tier verletzt hat.

Über 360 Igel habe die Pflegestelle in ihren beiden Stationen in Rotenburg und Bremen bereits in diesem Jahr aufgenommen. Darunter „viele verletzte, aber auch abgemagerte Tiere“. „Es ist ein Elend“, sagt die Igelretterin. Aber in puncto Grausamkeit sei leider immer noch alles zu toppen, stellt die Rotenburgerin mit Blick auf das Igel-Weibchen aus Scheeßel fest. „Es war ihre erste Trächtigkeit. Und ihre letzte.“

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