VonLars Warneckeschließen
Zwei Frauen und fünf Männer wollen für den Wahlkreis 53 in den Niedersächsischen Landtag - darunter auch Tobias Koch (SPD). Der Vahlder rechnet sich gut Chancen aus, wie er uns an seinem Lieblingsort erzählt.
Vahlde – Ihn für ein Pressegespräch unter vier Augen zu erwischen, das ist dieser Tage gar nicht so einfach. Seit Wochen schon jagt ein Termin den anderen bei ihm. Keine Frage: Tobias Koch, der nach dem 9. Oktober für die SPD in den Landtag einziehen möchte, hat im Wahlkampf gut zu tun. Heute Abend hat es aber geklappt: Denn Fußballspielen, die große Leidenschaft des bekennenden HSV- und Roland-Kaiser-Fans, müsse er gleich nicht mehr.
Eben noch lächelte der 37-jährige Vahlder mit dem niedersächsischen Innenminister bei einem öffentlichen Auftritt in die Kameras. Jetzt hockt er in seinem Heimatort, in dem er seit vergangenem Jahr auch Bürgermeister ist, ganz entspannt auf einer Holzbank – vor ihm die Ruschwede, an der ein Wasserrad seine Kreise dreht, hinter ihm ein Teich mit rund 200 Forellen, in der Hand eine Flasche Bier.
„Hier kann man es richtig schön aushalten“, findet Koch, der beruflich im Polizeidienst unterwegs ist. Das naturbelassene Kleinod erinnere ihn an seine Kindheit – hier habe er mit dem Onkel früher Aale geangelt, heute hat die Familie nebst einem Bekannten den Teich gepachtet, für die Forellenzucht. Anfang November werde abgeangelt, sagt der Vahlder. Dann würden die Fische geräuchert und verkauft. Ob er dann auch genug Wählerstimmen im Bezirk 53, dem Altkreis Rotenburg plus Oyten und Ottersberg, „geangelt“ haben wird, um endlich am Ziel seiner politischen Träume anzukommen? Der Kandidat selbst, der in der Landespolitik mitmischen möchte, ist optimistisch: „Vielleicht war das fünf Jahre Anlauf nehmen, um jetzt zuzuschlagen“, sagt er.
Knappes Ergebnis damals
Tatsächlich hatte es für Tobias Koch 2017, bei der letzten Landtagswahl, noch nicht ganz geklappt – mit denkbar knappen Ergebnis unterlag er damals seinem ärgsten Kontrahenten, Eike Holsten von der CDU. „Dass der Abstand am Ende gar nicht so groß war, hat mich natürlich gefreut.“ Auch weil es so eine enge Kiste gewesen sei, hätten ihm SPD-Parteigrößen wie Lars Klingbeil und Stefan Weil gut zugeredet, es noch mal zu versuchen. „Wenn die auf einen zukommen, dann überlegt man natürlich schon.“ An Selbstvertrauen hat Koch inzwischen dazugewonnen: „Für den Samtgemeinderat habe ich bei der letzten Kommunalwahl die meisten SPD-Stimmen bekommen, für den Kreistag waren es ebenfalls jede Menge – alles ist also gut.“
Vielleicht war das fünf Jahre Anlauf nehmen, um jetzt zuzuschlagen.
In letzter Instanz habe er gemeinsam mit Lebensgefährtin Michelle, die ihn auch im Wahlkampf tatkräftig unterstützt, die Entscheidung getroffen, erneut zu kandidieren. „Wenn meine Freundin nicht dahinter gestanden hätte, wäre ich heute ganz sicher nicht hier.“ Dabei, betont er, wolle er wieder voll und ganz auf seine eigene Person setzen. Ob ihm die wiedererstarkte Sozialdemokratie auf Bundesebene trotzdem behilflich sein könnte? Der Vahlder, der sich selbst als lockeren Typ beschreibt, muss kurz nachdenken: „Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst, dass der Schwung gegen mich spricht, man sieht es ja an den aktuellen Umfragen, in denen die CDU inzwischen vor der SPD liegt.“ Nein, darauf könne und wolle er nicht hoffen.
Etwas ist dieses Mal im Vergleich zu 2017 ganz anders: Für den Wahlkampf hat sich das Team Koch professioneller Agentur-Hilfe von außen eingekauft. „Wenn es nach der verlorenen Wahl damals eine große Erkenntnis gibt, ist es die, dass doch alles sehr laienhaft gelaufen ist“, räumt er ein. Sicherlich verfüge seine Partei nicht über die Mittel einer CDU – für Plakate etwa, für Giveaways oder für die Website www.tobiwählen.de, die seit Kurzem online e ist. „Aber mit den Mitteln das Beste draus zu machen, dass wir am 9. Oktober nach 18 Uhr sagen können, man habe alles gegeben, das ist jetzt unser Ziel.“
Ehrenamt ein Herzensthema
Dafür bleiben dem Kandidaten noch gut zwei Monate. Um welches Thema es ihm insbesondere geht? „Die Stärkung des Ehrenamtes, der Vereine – das ist mir eine Herzensangelegenheit“, betont Koch. Er selbst sei in Vahlde in sämtlichen Dorfvereinen vertreten – „da merke ich doch immer wieder recht deutlich, mit welchen Hürden es Ehrenamtliche zu tun bekommen“. Diese gelte es dringend abzubauen, dafür wolle er sich im Landtag unbedingt einsetzen. Ein wichtiges Thema sei ihm zufolge zudem der ländliche Raum im Allgemeinen – neben den brennenden gesellschaftlichen Fragen, welche zum Beispiel die Energie, den Fachkräftemangel und die Klimakrise betreffen. „Das Mitnehmen der Interessenparteien und der Gerechtigkeitsgedanke sind für mich dabei ganz wichtig.“
Ob er mit seinem Wahlprogramm, das sich auch auf der besagten Website findet, punkten kann? „Ich möchte es gerne schaffen, dafür arbeite ich“, bekräftigt Koch. Und sollte er einmal mehr den Einzug ins Parlament in Hannover verpassen? „Dann ist das auch in Ordnung, dann würde für mich mit einer tollen Familie, einer tollen Freundin und einer geilen Arbeit als Polizist, die ich habe, keine Welt zusammenbrechen.“ Natürlich, schiebt er hinterher, wäre ein Wahlsieg aber „astrein“.
Auswärtsspiel am Wahltag
Und dann warten auch schon die nächsten Termine auf den SPD-Wahlkämpfer. Am Freitag steht ein öffentliches Grillfest in Bötersen auf dem Programm, am Sonntag eines in Visselhövede – jeweils mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil im Schlepptau. Kochs Kalender ist voll. Selbst am Wahltag kommt er noch einer Verpflichtung nach: Im Anschluss an seinen Wahlgang steht mit seiner Fußballmannschaft ein Auswärtsspiel in Jeddingen an. „Meine Jungs lasse ich doch nicht hängen, das kommt für mich nicht infrage!“ Spricht‘s – und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Bierflasche.
Tobias Koch – vom Tischler zum Polizisten
Seit 2006 ist Tobias Koch Mitglied in der SPD. Im selben Jahr hielt er Einzug in den Vahlder Gemeinderat, dem er seit 2021 auch als Ortsbürgermeister vorsitzt. Seit 2016 ist Koch im Rat der Samtgemeinde Fintel vertreten, hat dort den Vorsitz für den Ausschuss für Bildung, Soziales und Jugend inne. Im vergangenen Jahr gelang ihm bei der letzten Kommunalwahl dann auch der Sprung in den Rotenburger Kreistag. Bevor Koch in den Polizeidienst wechselte, wo er inzwischen bei der Kripo arbeitet, absolvierte er eine Lehre zum Tischler. „Dadurch weiß ich, was es heißt, anzupacken“, sagt er. In seiner Heimatgemeinde mischt der heute 37-Jährige in allen Vereinen mit – angefangen von den Schützen über den örtlichen Freundeskreis bis hin zum Sportverein und zur Feuerwehr.
